Koalitionsabgeordnete haben zusätzliche Lehrstunden für Fahranfänger gefordert. Sie begründeten das in der "Saarbrücker Zeitung" (Mittwochausgabe) mit der Notwendigkeit weiterer Maßnahmen zur Verkehrssicherheit. Das Bundesverkehrsministerium erklärte dazu, solche Wiederholungsfahrten seien eine von mehreren Maßnahmen, deren Sinn derzeit geprüft werde.
Verhaltenes Echo auf Forderung nach Auffrischung der Fahrerlaubnis
Berlin (dapd). Koalitionsabgeordnete haben zusätzliche Lehrstunden für Fahranfänger gefordert. Sie begründeten das in der "Saarbrücker Zeitung" (Mittwochausgabe) mit der Notwendigkeit weiterer Maßnahmen zur Verkehrssicherheit. Das Bundesverkehrsministerium erklärte dazu, solche Wiederholungsfahrten seien eine von mehreren Maßnahmen, deren Sinn derzeit geprüft werde. Ablehnend reagierte der Autoklub ACE: Der Vorschlag komme aus dem Forderungskatalog der Fahrlehrerlobby.
Anfänger sollen nach den Vorstellungen des Abgeordneten Gero Storjohann (CDU) künftig drei Monate nach Führerscheinerwerb sogenannte Feedback-Fahrten absolvieren, also erneut eine oder zwei Fahrstunden mit einem Fahrlehrer nehmen. Laut Zeitung sollen die Pläne ins neue Verkehrssicherheitsprogramm des Ministeriums aufgenommen werden. Vorbild sei Österreich, wo verpflichtende "Feedback-Fahrten" nach drei Monaten dazu dienen, falsche Angewohnheiten beim Autofahren zu beseitigen. "Österreich hat mit dem nachbereitenden Schulungskonzept seit 2003 gute Erfolge erzielt", sagte Storjohann. So gebe es dort unter jungen Fahrern 30 Prozent weniger Unfälle - Anlass genug, ein zweites Ausbildungsmodul auch für Deutschland in Betracht zu ziehen.
"Inwieweit eine sogenannte zweite Ausbildungsphase (also nach Erwerb der Fahrerlaubnis) notwendig und sinnvoll ist, steht noch nicht fest", erklärte ein Sprecher von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) dazu. Auch "welche Einzelmaßnahmen, also etwa auch sogenannte Feedback-Fahrten", sinnvoll und umsetzbar seien, werde noch geprüft.
Das Ministerium habe bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) ein Rahmenkonzept zur Fahranfängervorbereitung in Deutschland in Auftrag gegeben. Gemeinsam mit Wissenschaft, Verbänden und Fahrlehrerschaft solle damit an einem "weiteren wichtigen Baustein zur Verbesserung der Verkehrssicherheit der Fahranfänger" gearbeitet werden. Dazu gehöre auch die Prüfung dieser Vorschläge.
ACE zweifelt
Der Auto Club Europa (ACE) bezweifelte, dass Wiederholungsfahrten drei Monate nach bestandener Fahrprüfung tatsächlich für mehr Verkehrssicherheit sorgen. "Zusätzliche Pflichtstunden hinterm Steuer entstammen dem Forderungskatalog der Fahrlehrerlobby", sagte Sprecher Rainer Hillgärtner. Es gehe den Fahrschulen in Anbetracht eines massiven Rückgangs der Fahrschülerzahlen in Wirklichkeit um mehr Auslastung zum Zweck der Existenzsicherung. Junge Führerscheinbesitzer müssten für die vorgesehenen verpflichtenden Wiederholungsfahrten zusätzliche Gebühren entrichten.
Der ACE plädierte stattdessen für einen Ausbau des begleiteten Fahrens. "Wir sollten alles dafür tun, den Kreis der Teilnehmer am begleiteten Fahren ab 17 zu erweitern", sagte Hillgärtner. Außerdem komme es darauf an, die pädagogische Qualifizierung der Fahrlehrer anzuheben und die relativ hohe Durchfallquote bei Fahrprüfungen zu senken. Bei Absolventen von Fortbildungsseminaren für Fahranfänger hätten sich weder nennenswerte Einstellungsänderungen noch geringere Unfallzahlen ergeben.
dapd
