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Raumausstatter Verdächtig hohe Rabatte: Warnung vor Betrug mit Polstermöbeln

Dass es in einigen Gewerken gerade sehr einfach ist, eine Firma zu gründen und wieder aufzulösen, machen sich Betrüger im Raumausstatter-Handwerk zu Nutze. Sie locken mit Rabatten für das Beziehen und Polstern von Möbeln, kassieren Anzahlungen und liefern mit großer Verspätung fehlerhafte Möbel wieder ab. Branchenvertreter gehen in die Öffentlichkeit um Kollegen und Kunden zu warnen.

Es waren große Anzeigen in der Zeitung, auffällig gestaltet, die satte Rabatte versprachen für Polsterarbeiten – Sessel beziehen, Sofas aufpolstern und anderes. Neben den Rabatten, einer Handynummer und einem Firmennamen, war nicht viel zu erfahren aus der Anzeige. Michael Rauber hatte den Firmennahmen noch nie gehört, obwohl er sich als Obermeister der Raumausstatter-Innung und Kreishandwerksmeister in Freiburg in der Branche auskennt. "Kein Firmeninhaber oder irgendetwas anderes Greifbares", sagt Rauber, der sich über diese Angebote wunderte, bis dann schon ein Warnhinweis des Landesinnungsverbands der Raumausstatter Baden-Württemberg per E-Mail kam. Darin wurde über dubiose Betriebe berichtet aus der Bodensee-Region und dem Stuttgarter Raum, die dort mit ihren Rabattangeboten für Ärger gesorgt hatten. Denn das, was sie versprochen hatten, konnten sie wohl nicht leisten.

So berichtet auch ein Zulieferer der Polsterbetriebe, der hier nicht namentlich genannt werden möchte, dass diese Firmen nach einem Anruf direkt nach Hause kommen und die Möbel ihrer Auftraggeber abholen. "Sie kassieren eine Anzahlung und sind erst einmal weg", berichtet er von dem, was ihm seine Kunden geschildert haben. Die Möbel würden meist ins osteuropäische Ausland gehen – manches Mal bekommen die Auftraggeber sie zurück und seien dann aber sehr unzufrieden mit der Qualität. Oft erfolgt die Rückgabe erst nach Wochen und auch nur unter der Bedingung, dass die dann beiliegende Rechnung sofort beglichen wird. In einigen Fällen sind die Möbel auch komplett verschwunden – genauso wie die vermeintlichen Polsterer.

Polstereibetriebe sind schnell gegründet und wieder aufgelöst

Greifbar sind sie kaum. Das bestätigt auch Heike Fritsche vom Zentralverband Raum und Ausstattung, die dieses betrügerische Vorgehen schon seit einer ganzen Zeit verfolgt – bei Polstereibetrieben und Teppichreinigern. "Es ist ein bundesweites Problem", sagt Fritsche und berichtet von Fällen aus Schleswig-Holstein genauso wie aus Rheinland-Pfalz. Zwar wären schon Firmen wegen einer fehlenden Gewerbeanmeldung aufgefallen. "Strafanzeige können aber nur die Geschädigten erstatten und den meisten ist es unangenehm, dass sie auf derartige Rabattangebote eingestiegen sind", so die Geschäftsführerin des Zentralverbands.

Wie gut sich die Betriebe tarnen, hat auch Michael Rauber gemerkt, als er versucht hat, dem Ganzen nachzugehen. Das ist nicht einfach, denn die Firmen bleiben nicht lange an einem Ort. Meist lösen sie die komplette Firma auf und sind so auch nicht für die Gewerbeaufsicht zu finden. "Die Polizei kann nichts machen, solange wir nicht den direkten Kontakt zu jemandem haben, der geschädigt wurde und Anzeige erstattet hat", sagt auch Rauber. Oft handle es sich um ältere Menschen.

"Meist existiert nur eine Handynummer und das ganze Geschäft wurde an der Haustür abgewickelt", bestätigt auch Andreas Schremmer, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes des Raumausstatter- und Sattlerhandwerks Baden-Württemberg, die Masche, dass sich Firmen der Raumausstatter-Branche ohne korrekte Gewerbeanmeldung und ohne Eintragung in die Handwerksrolle Aufträge erschleichen und dies so lange durchziehen, bis es auffällt und sie schnell weiterziehen. "Manchmal haben diese Firmen nur eine Werkstatt in einer Garage, manchmal einen Briefkasten, aber kein richtiges Ladengeschäft", erklärt er und betont, wie wichtig es – auch aufgrund der schwierigen Handhabe gegen die Betrüger – ist, die Öffentlichkeit aufzuklären, wie sie seriöse Handwerksbetriebe erkennen.

Auch Handwerksmeister Michael Rauber möchte seine Kollegen und die Kunden der Raumausstatter warnen, sich nicht auf jeden einzulassen, der gute Konditionen verspricht und nicht über mehr als eine Handynummer zu kontaktieren ist. "Es geht mir nicht um Konkurrenten, die vermeintlich günstiger sind", sagt der Obermeister. "Ich möchte die Endverbraucher schützen und auch verhindern, dass unsere Branche einen schlechten Ruf bekommt." Auch der Handelsvertreter, der von den Betrugsmaschen erzählt, weiß von anderen seiner Branche, dass diese dubiosen Machenschaften aus ganz Deutschland bekannt sind. Da die Betrüger nicht lange an einem Ort bleiben, geraten immer mal wieder andere Regionen ins Visier. Zudem betrifft die Problematik nach Aussagen der Handwerkskammer Freiburg auch andere Branchen.

Schutz vor Betrug: Eintragung in die Handwerksrolle prüfen lassen

Einfaches Spiel hätten die vermeintlichen Handwerker jedoch vor allem in den Branchen, in denen keine Meisterpflicht gilt wie bei den Raumausstattern. Für eine Firmengründung müssen sie keine Qualifikationen nachweisen und somit ist diese schnell erledigt und eben auch schnell wieder abgewickelt. Wer sich schützen möchte und auf Nummer sicher gehen möchte, hat aber dennoch die Möglichkeit, den Weg über die Handwerkskammer zu gehen und zu fragen, ob der Polsterer bzw. Handwerker, der beauftragt werden soll, in die Handwerksrolle eingetragen ist. Hierzu genügt ein Anruf und man erfährt, ob der Betrieb auch namentlich greifbar und mit fester Adresse gemeldet ist. Nach Aussagen der Kammer geschieht dies allerdings bislang leider nicht oft.

Michael Rauber hat dies bei den Firmen mit den vielversprechenden Zeitungsanzeigen machen lassen. Fehlanzeige. Keine von Ihnen war eingetragen. Der Obermeister greift derzeit auch gerne die Pläne zur Wiedereinführung der Meisterpflicht auch im Raumausstatter-Handwerk auf und weist darauf hin, dass man so wieder mehr Glaubwürdigkeit erreichen könnte. "Es geht auch die Gewährleistung und um Qualität unserer Leistungen. Was diese dubiosen Betriebe da machen, ist die Folge davon, dass die Meisterpflicht abgeschafft wurde", sagt Rauber.

So pflichtet ihm auch Heike Fritsche bei, dass die Wiederaufnahme der Raumausstatter in die Anlage A der Handwerksordnung der einfachste Weg wäre, damit die Branche nicht gegen derartige Betrügereien kämpfen muss – "und auch damit die Verbraucher geschützt sind", gibt sie mit Hinweis auf die Politik an, die nun am Zuge sei, die Meisterpflicht wieder einzuführen.

Aktuelles Urteil zur Betrugsmasche mit Polstermöbeln

Das Amtsgericht Bad Kreuznach hat am 28. Juni 2019 ein bereits rechtskräftiges Urteil (Az.: 1022 Js 13763/18) gegen einen Polstereibetrieb gesprochen. Dabei ging es um einen wiederholten Betrug mit Polstermöbeln. So verbüßt der Verurteilte S.K. derzeit bereits eine Haftstrafe in der JVA Wuppertal und ist dort noch bis Ende Mai 2020 inhaftiert. Danach erlangt die Verurteilung des Amtsgerichts Bad Kreuznach an Gültigkeit.

Die Richter dort haben ihn wegen Betruges zu sechs Monaten Haft auf vier Jahre Bewährung verurteilt. "Die lange Bewährungszeit wurde deshalb beschlossen, damit der Täter nicht wieder rückfällig wird", berichtet Gerhard Schlau von der Innung für Raumausstatter und Bekleidungshandwerke Rhein-Nahe-Hunsrück, der den Fall intensiv verfolgt hat. Er berichtet, dass die Klage von einem Ehepaar eingereicht wurde, das eine neue Lederpolsterung in Auftrag gegeben hatte und damit sehr unzufrieden war.

Sie hatten für den Auftrag bei S.K. 5.500 Euro bezahlen sollen. Statt mit echtem Leder war die Sitzgarnitur allerdings nur mit Kunstleder bezogen worden. Außerdem fehlten bei der Anlieferung die Sitzauflagen. "Der Wert der ausgeführten Kunstlederarbeiten hat höchstens 1.800 Euro betragen", sagt Gerhard Schlau. Die verloren gegangenen Polsterteile wurden für 1.700 Euro von einer Raumausstattermeisterin ersetzt. Das Urteil verpflichtet S.K. nun auch zu einer Schadensersatzzahlung von 6.000 Euro an das geschädigte Ehepaar.

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