Nach einer Razzia wegen Verdachts des Abrechnungsbetrugs an den Berliner Helios-Kliniken ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft gegen 14 Personen. Darunter seien mehrere Geschäftsführer der Helios- Kliniken und der Poliklinik am Helios-Klinikum Buch sowie verschiedene Ärzte und Chefärzte, sagte der Berliner Staatsanwalt Thorsten Cloidt am Dienstag.
Verdacht auf Abrechnungsbetrug bei Helios-Kliniken in Berlin
Berlin (dapd-bln). Nach einer Razzia wegen Verdachts des Abrechnungsbetrugs an den Berliner Helios-Kliniken ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft gegen 14 Personen. Darunter seien mehrere Geschäftsführer der Helios- Kliniken und der Poliklinik am Helios-Klinikum Buch sowie verschiedene Ärzte und Chefärzte, sagte der Berliner Staatsanwalt Thorsten Cloidt am Dienstag. Die Zahl der Beschuldigten könne sich noch vergrößern, da die Ermittlungen nicht abgeschlossen seien. Auch die Höhe des Schadens sei noch nicht abzuschätzen.
Gegen die Beschuldigten besteht laut Staatsanwalt der dringende Tatverdacht des Abrechnungsbetruges zum Nachteil der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin. Rund 150 Beamte hatten am Vormittag die Helios-Konzernzentrale in Mitte, die Helios-Kliniken in Berlin-Buch sowie neun Privatwohnungen in Berlin und Brandenburg durchsucht. Bei der Razzia waren sowohl digitale Datenträger als auch Dokumente in Papierform sichergestellt worden.
Der Fall sei "ähnlich gelagert wie der Abrechnungsbetrug bei den DRK-Kliniken vor einem Jahr", sagte Cloidt. Die Ermittlungen führe daher dieselbe achtköpfige Ermittlergruppe, die auch für den DRK-Fall zuständig ist. Der Hinweis auf die Betrügereien bei Helios war laut Polizei "von einer Person aus dem Umfeld der DRK-Kliniken" gekommen.
Die Vorwürfe beziehen sich insbesondere auf die Helios-Klinik in Buch. Dort sollen laut Staatsanwalt nicht oder unzureichend qualifizierte Ärzte im Bereich der Radiologie, Kardiologie und Nephrologie Patienten behandelt haben. Die Leistungen seien bei der Kassenärztlichen Vereinigung mittels gefälschter Papiere als Facharzt-Behandlungen abgerechnet worden.
Ob Gefahr für Patienten bestanden habe, werde derzeit geprüft, sagte Cloidt. In diesem Falle würden Verfahren wegen Körperverletzung eingeleitet.
Eine Sprecherin der Helios-Kliniken bestätigte die Razzia am Klinikum und in der Konzernzentrale. Dabei seien Abrechnungsunterlagen zu den ambulanten Leistungen der Poliklinik am Helios-Klinikum beschlagnahmt worden. Die Klinik habe "nach unserer Einschätzung alles getan, um fehlerhafte Abrechnungen zu vermeiden", sagte sie. Die Klinikleitung unterstütze die Aufklärung des Sachverhalts.
Zur Helios-Kliniken Gruppe gehören nach Unternehmensangaben 64 eigene Kliniken, darunter 44 Akutkrankenhäuser und 20 Rehabilitationskliniken. Darüber hinaus hat die Klinikgruppe 29 Medizinische Versorgungszentren (MVZ). Helios versorgt nach eigenen Angaben jährlich mehr als zwei Millionen Patienten, davon rund 650.000 stationär.
Bei dem Abrechnungsskandal an den Berliner DRK-Kliniken stehen Ärzte und Geschäftsführer der Krankenhäuser und Medizinischen Versorgungszentren der DRK-Kliniken stehen im Verdacht, über Jahre medizinische Leistungen zulasten der Kassenärztlichen Vereinigung falsch abgerechnet zu haben. Der Schaden geht in die Millionen.
Ende September 2010 durchsuchten 300 Beamte unter anderem Büroräume der Standorte in Mitte, Westend und Köpenick, der fünf MVZ sowie die Firmensitze der DRK-Kliniken und 86 Wohnungen, davon zwölf in anderen Bundesländern. Bereits im Juni waren zwei Geschäftsführer der DRK-Gesellschaft sowie ein Chefarzt der Radiologie verhaftet worden. Alle drei kamen später unter Auflagen wieder auf freiem Fuß.
dapd
