Bäckerpräsident im Video-Interview Verbrauchertäuschung im Backshop

Die Handwerksordnung hat eine Lücke. Sie schützt nur die Berufs-, aber nicht die Betriebsbezeichnung. So werden aus Backshops Bäckereien. Bäckerpräsident Becker spricht von einer "Verdummung der Verbraucher". Ernährungsminister Schmidt will jedoch keine Rechtssicherheit versprechen.

Jana Tashina Wörrle

Bäckerei ist nicht gleich Bäckerei: Brot vom Handwerksbäcker schmeckt anders als vom Backshop. Das erkennen nach Ansicht von Bäckerpräsident Becker auch die Kunden. - © Foto: monticellllo/Fotolia

"Auch ich war einst so naiv zu glauben, dass nur ein Bäckermeister eine Bäckerei aufmachen kann", sagte Bäckerpräsident Peter Becker beim Parlamentarischen Abend seines Verbands und gab zu, mittlerweile eines Besseren belehrt zu sein.

Die Zahl der Backshops und Läden, die Brot und Backwaren verkaufen und sich "Bäckereien" nennen, steigt stetig an. Gegen ein Gesetz verstoßen sie dabei nicht. Denn "die Handwerksordnung hat hier eine Lücke", sagte Becker, kurz bevor er das Wort an Bundesernährungsminister Christian Schmidt übergab. Von ihm erwartet der Bäckerverband eine Klärung der unsicheren Rechtslage. "Es kann nicht sein, dass jeder, der Teiglinge aufbackt, seinen Laden Bäckerei nennen darf", kritisiert Becker.

Unlauterer Wettbewerb

Brotverkostung: Ernährungsminister Schmidt durfte das Brot für die Gäste beim Parlamentarischen Abend des Bäckerverbands anschneiden. - © Foto: Jana Tashina Wörrle

Derzeit gibt es für die Bezeichnung der Betriebsstätte keinen Schutz , die Handwerksordnung (HwO) schützt allein die Bezeichnung des Berufs. Bäckereien, die sich gegen die zunehmende Konkurrenz durch Backshops wehren wollen, können sich nur auf das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb berufen und klagen – jedoch gegen jeden Konkurrenten einzeln. Das gilt in gleicher Form für Konditoreien, Metzgereien und andere Handwerksbetriebe.

Das Problem drängt. Durch die neue Lebensmittelinformationsverordnung, die ab Mitte Dezember gilt, könnte sich die derzeitige Rechtslage noch verschlimmern. Ausführliches dazu lesen Sie hier.

Ernährungsminister Schmidt lässt sich allerdings nicht drängen. "Heute nehme ich auf, dass wir in der Gesetzgebung hätten strenger sein müssen", war das einzig Konkrete, was er auf die Kritik der Bäcker antwortete. Vielmehr berief er sich darauf, dass sich der große Befähigungsnachweis – also der Meisterbrief – von der funktionalen, handwerksrechtlichen Bezeichnung zu einem Qualitätssiegel entwickelt hätte. Umfragen hatten gezeigt, dass die meisten Verbraucher dem "Meister" und seinen Erzeugnissen einen hohen Wert beimessen.

EU verhindert Klärung

Die Rechtslage sei vor allem in Bezug auf die europäische Gesetzgebung schwierig. Auf EU-Ebene gibt es Ansätze, die Meistervoraussetzungen abzuschwächen. Eine Ergänzung der HwO, wie sie Handwerkspräsident Becker fordert, ließe sich für ihn wohl nur schwer durchsetzen. Becker sieht als Alternative nur eine eigene Kennzeichnung durch die Handwerksbäcker selbst. Sie sollen sichtbar herausstellen, dass sie noch alle Produktionsschritte selbst übernehmen.

Am Rande des Parlamentarischen Abends haben wir mit ihm darüber gesprochen:

Fünf Fragen an Bäckerpräsident Peter Becker