Fleischerhandwerk mit leichtem Umsatzplus Verband lehnt Pflicht zur Herkunftskennzeichnung ab

Das Fleischerhandwerk verzeichnete im vergangenen Jahr ein leichtes Umsatzplus. Umsatzzuwächse und -rückgänge hielten sich jedoch je nach Betriebsgröße die Waage, teilte Manfred Rycken, Präsident des Deutschen Fleischervandes, zur Jahrespressekonferenz im Vorfeld der Internationalen Handwerksmesse mit.

Verband lehnt Pflicht zur Herkunftskennzeichnung ab

Eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für alle gängigen Fleischsorten - Schwein, Rind, Geflügel, Schaf und Ziege - würde nur Bürokratie und Kosten für die Unternehmen nach sich ziehen. Ein praktischer Nutzen für den Kunden sei nicht erkennbar. Der Verband sieht bei der Einführung von Pflichtangaben die Gefahr, dass die Darstellung regionaler Wirtschaftskreisläufe eingeschränkt wird, so wie es bei der bereits seit dem BSE-Skandal praktizierten Rindfleischetikettierung der Fall sei. Denn die Information, dass etwa das Rindfleisch von "Bauer Huber" komme, sei dort nicht mehr ohne weiteres möglich. Andererseits sei diese Herkunftsangabe ein wichtiger Teil der Unternehmenskommunikation.

Rycken fürchtet, dass diese Forderungen nach dem Skandal um dioxinverseuchtes Fleisch vermehrt von EU-Ebene geäußert würden. Der Verbandspräsident plädierte dafür, statt weitere bürokratische Hürden aufzustellen, endlich eine Wertediskussion über die Bedeutung guter Ernährung für die Lebensqualität zu führen. "Begriffe wie Respekt und Wertschätzung klingen im Rahmen einer Wirtschaftspressekonferenz womöglich ein wenig altmodisch", vermutete Rycken, doch eine solche Diskussion sei angesichts des Preisverfalls und des Umgangs mit den Lebensmitteln und den dafür genutzten Rohstoffen absolut notwendig und sinnvoll. Rycken zeigte sich allerdings ratlos bei der Frage, wie diese Wertediskussion anzuschieben sei. Das Fleischerhandwerk versuche Vorbild zu sein, indem es zum Beispiel seine Lieferanten fair bezahlt. Die Imagekampagne, die mit eigenen Slogans der Branche umgesetzt wird, unterstreiche zusätzlich den Qualitätsvorsprung gegenüber Discountern und großen Einzelhändlern.

Daten und Fakten 2010

  • Umsatz: Leichtes Plus von 1,5 Prozent
  • Fleischverzehr: Leichter Anstieg auf 60,7 kg pro Kopf der Bevölkerung, Schwein mit leichtem Anstieg von 300 g auf 39,2 kg, Rind und Kalbfleisch konstant bei 8,5 kg, Geflügel mit leichtem Anstieg von 300 g auf 11,3 kg.
  • Betriebe und Filialen: 26.013 stationäre Verkaufstellen (15.496 Meisterbetriebe mit 10.517 Filialen), 1188 Stilllegungen, 913 Gründungen (383 Neugründungen und 530 Unternehmenswechsel); Rückgang der selbständigen Betriebe um 275. Hinzu kommen rund 5.000 mobile Verkaufsstellen auf Wochemärkten und im Fahrverkauf.
  • Beschäftigte: 148.750 Personen (einschließlich Betriebsinhaber, mithelfende Angehörige und Auszubildende), Rückgang um 1,5 Prozent (2.250).