Energiewende Verbände stellen 5-Punkte-Plan gegen Fachkräftemangel vor

Vier Zentralverbände und die IG Metall haben in einer Pressekonferenz fünf Schritte formuliert, wie die Politik gegen den Fachkräftemangel vorgehen kann. Unter anderem fordern sie ein Sofortprogramm.

Der zukünftige Anlagenmechaniker SHK trainiert sein technisches Verständnis am besten durch Fehlersuche. - © ZVSHK

Die Zentralverbände der Elektrotechnik (ZVEH), von Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), von Tischlern und Schreinern (TSD) und des Metallhandwerks (BV Metall) sowie die IG Metall sehen die Umsetzung der Klima- und Energiewende bedroht. Grund: der Fachkräftemangel. Mit einem Fünf-Punkte-Plan forderten die Präsidenten und der geschäftsführende IG-Metall-Vorstand Ralf Kutzner am Mittwoch die Politik zu konkreten Schritten auf, etwas gegen den Mangel an Nachwuchs und qualifizierten Fachkräften im Handwerk zu unternehmen.

Allein für die Gebäudesanierung fehlten, so die Verbände, 190.000 Fachkräfte. Besonders der Sanierungsstau bei den 19,2 Millionen Wohngebäuden bedrohe die Klimaziele. Durch die mangelnde Sanierung der Gebäudehüllen und veraltete Energietechnik seien diese für bis zu 30 Prozent der Treibhausgase in Deutschland verantwortlich.

Diese 5 konkreten Forderungen stellten die Verbände

  1. Sofortprogramm: Die Bundesregierung soll Energieeffizienz, die Dekarbonisierung der Wärmenetze und ein neues Gebäudeenergiegesetz mit konkreten Zielen und Zahlen hinterlegen. Dazu zählten konkrete Umsetzungsschritte und verlässliche Sanierungsförderungen. Zudem müsse die Politik kontinuierlich und transparent die Fachkräftesituation bewerten.
  2. Ausbildung und Qualifizierung: Die Politik müsse für eine Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung sorgen. Alle beruflichen Bildungswege verdienten ein Klima der Wertschätzung. Dafür seien ein Ausbau des Aufstiegs-BAföGs und die Freistellung von Kosten für Fort- und Weiterbildungen, wie zum Beispiel die Meisterausbildung, nötig.
  3. Digitalisierung: Für die gebäudetechnischen und Ausbauhandwerke seien optimale, digitale Ökosysteme zur Vernetzung von Handwerkern und weiteren Akteuren wie Energieberatern, Genehmigungsbehörden und Fördermittelgebern erforderlich. Dieser Schritt diene der effizienten und fachübergreifenden Zusammenarbeit.
  4. Tarifbindung: Die Fachkräftesicherung gelinge mit guten und tariflich abgesicherten Arbeits- und Ausbildungsbedingungen. Staatlich geförderte Sanierungsmaßnahmen müssten daher an die Tarifbindung der Unternehmen gekoppelt werden.
  5. Branchendialog: Die Zentralverbände und die IG Metall erwarten einen Branchendialog mit der Politik, um belastbare Vereinbarungen im Sinne der Fachkräftesicherung und der Klimaziele zu treffen.

Politik muss berufliche Bildung weiter aufwerten

Die Verbände legten noch einmal dar, wie sehr sie sich selbst bereits mit entsprechenden Werbekampagnen auf verschiedenen Medienkanälen und durch die Zusammenarbeit mit Schulen und anderen Bildungseinrichtungen um Nachwuchs bemüht haben. Ohne eine vor allem auch durch die Politik aufgewertete berufliche Bildung mit der entsprechenden Förderung lasse sich das Potenzial an Fachkräften jedoch nicht weiter ausschöpfen.

Die Verbandspräsidenten betonten, dass sie gerade auch in Sachen Tarifbindung mit der IG Metall auf einer Linie seien. Hoch qualifizierte Arbeit verdiene die entsprechenden Arbeitsbedingungen mit einer gerechten Entlohnung. Thomas Radermacher, Präsident von Tischler Schreiner Deutschland, merkte an, dass die Tarifbindung in gut aufgestellten Betrieben eh nicht infrage gestellt werde. Laut Lothar Hellmann haben die Elektrohandwerke schon 1996 Tarifverträge als allgemeinverbindlich erklärt.

Insofern sei es auch nicht verwunderlich, dass sich die Arbeitgeberverbände mit den Arbeitnehmervertretern der IG Metall für diese Initiative zusammengetan haben. Gerade bei so großen Aufgaben müsse man Allianzen schmieden.