Imagekampagne soll die Sinne für Qualität des Handwerks schärfen
Von Roman Leuthner
Verantwortung für die Menschen
In den ersten Wochen des neuen Jahres bekommt jeder Handwerksbetrieb in Deutschland Post von seiner Handwerkskammer. Darin enthalten sind verschiedene Werbematerialien, mit denen Unternehmer die Verbraucher und die breite Öffentlichkeit auf ihren Wirtschaftsbereich, seine Produkte und Dienstleistungen, aufmerksam machen können.
Die Werbematerialien, die im Rahmen der Imagekampagne für das Handwerk versendet werden, sollten nicht unbeachtet zur Seite gelegt, sondern genutzt werden. Mit Plakaten, Informationsbroschüren und Handzetteln können die Sinne der Kunden geschärft und das Verständnis für die bedeutende Rolle des Handwerks kann erhöht werden.
Warum nehmen die Organisationen des Handwerks viel Geld in die Hand, um eine Imagekampagne zu starten? Zum einen, weil wir in einer Mediengesellschaft leben, in der jeder fortwährend für seine Interessen trommelt, um wahr- und ernst genommen zu werden. Und jeder weiß, dass die Interessen von Gruppen häufig lediglich über den Druck der Öffentlichkeit realisiert werden können. Lobbyarbeit ist ein langwieriges und mitunter zähes Geschäft, und nur der, der seine Ziele effektiv und nachhaltig vertritt, kann darauf hoffen, sie auch zu erreichen. Zum anderen müssen Dinge geradegerückt und Gewichte, die sich verschoben haben, wieder ins Lot gebracht werden. Welcher Wirtschaftsbereich bildet das Gros der Jugendlichen aus, wer eröffnet den meisten Schulabgängern Entwicklungsperspektiven für eine sichere berufliche Zukunft? Wer sichert die regionale Beschäftigung? Und wer trägt den größten Teil zu einem volkswirtschaftlich gesunden Mix an kleinen und größeren Unternehmen bei, von dessen Zulieferstrukturen letztlich die Dickschiffe der Wirtschaft profitieren? In jedem Fall die mehr als 900.000 Unternehmen des Handwerks. Diese Zusammenhänge sind jedoch nur den wenigsten Verbrauchern bewusst. Die Mehrzahl der Konsumenten weiß nicht, dass sie überwiegend von handwerklich erzeugten Produkten lebt und sich mit Produkten und Dienstleistungen des Handwerks umgibt: Dies gilt für Grundnahrungsmittel ebenso wie für Produkte im Gesundheits- und Kosmetikbereich, für Bekleidung und Wohnungsausstattung.
Bei all diesen Erzeugnissen steht die Qualität in Herstellung und Verarbeitung im Mittelpunkt der unternehmerischen Leistung. Qualität, die solide ist und Werterhaltung verspricht - keine industrielle Massenware, die oftmals billig und in häufig vollautomatisierten Produktionsprozessen erzeugt wird.
„Was du auch machst, mach es gut“, heißt es richtig. Und deshalb geht es bei der Imagekampagne des Handwerks auch darum, Verbrauchern zu verdeutlichen, dass Qualität nicht naturgegeben ist und selbstverständlich erwartet werden kann. Qualität muss erarbeitet werden: Durch eine fachliche Qualifizierung, durch Aus- und Weiterbildung junger Menschen, die nicht nur nach einer Erwerbsperspektive, sondern nach dem Sinn in ihrer Lebensarbeit suchen.
Das ist die Chance des Handwerks und seiner Betriebe, eine Entwicklungsperspektive, die im Rahmen der dualen Ausbildung in Deutschland hohe internationale Anerkennung findet. In einer Zeit, in der die Folgen der Globalisierung, also der Vorherrschaft von Konzernen sowie staatlich und volkswirtschaftlich übergreifenden großen Strukturen, von vielen Menschen zunehmend deutlicher erkannt werden, sind Konsumenten auf die nationalen und regionalen Verflechtungen kleiner und mittlerer Unternehmen mehr denn je angewiesen. Ihr Qualitätsversprechen und ihre regionale Verwurzelung und Verantwortung für die Menschen sind überprüfbar und transparent.
Nicht zuletzt dies sollte die Imagekampagne nachhaltig bewusst machen.