Globalisierung US-Strafzölle treffen Betriebe hart

Donald Trumps Politik gefährdet den weltweiten Handel. Sollte sich der US-Präsident zu einer besonders drastischen Entscheidung gegen Europa durchringen, wäre das deutsche Handwerk im großen Stil betroffen.

Daniela Lorenz und Steffen Range

Für den Import bestimmter Produkte aus den USA in die Europäische Union fallen ab sofort Strafzölle an. Damit reagiert die EU auf von US-Präsident Donald Trump verhängte Sonderabgaben auf Stahl- und Aluminiumprodukte aus Europa. - © picture alliance/chromorange/Christian Ohde

Die Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der EU in die USA belasten deutsche Handwerksbetriebe. Derzeit bekommen zwar nur wenige Unternehmen die negativen Folgen unmittelbar zu spüren. Falls sich die Auseinandersetzung aber zu einem Handelskrieg auswächst, wären viele Handwerker betroffen. "Wir befürchten, dass es zu einem Wettlauf kommen könnte, der den Handel immer stärker einschränkt und dass es für kleine und mittlere Betriebe immer schwieriger wird zu exportieren“, sagt Michael Rössler, stellvertretender Leiter von Handwerk International Baden-Württemberg. Zumal kleine Unternehmen – anders als Konzerne – häufig keine Möglichkeit haben, im Ausland Niederlassungen zu gründen, um Zollschranken zu umgehen.

Zunächst kommen die meisten Handwerksbetriebe mit dem Schrecken davon. Stahl und Alu machen nur einen kleinen Anteil an den deutschen Ausfuhren aus, die wenigsten Handwerksbetriebe exportieren direkt in die USA. Die größere Gefahr besteht darin, dass Geschäfte im Ausland generell erschwert werden. "Die Zölle haben eine Signalwirkung, was den auf Regeln basierten internationalen Handel betrifft“, sagt Andreas Gfall, Geschäftsführer von Bayern Handwerk International. Viele Betriebe seien verunsichert, "weil man nicht weiß, ob die Strafzölle erst den Anfang bilden für weitere Handelshemmnisse“.

Angst vor Importzöllen auf Autos

Gemeint sind Importzölle auf Autos. Die würden handwerkliche Zulieferer der Autoindustrie empfindlich treffen. Professor Gabriel Felbermayr, Außenhandelsexperte beim Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut ifo, sieht dieses Risiko: Wenn sich die Spirale weiterdrehe und die USA Zölle auf europäische Autos erhöben, „droht mehr Ungemach“. Gfall hält vor allem Handwerksbetriebe für gefährdet, „die für die deutsche Industrie mit US-Geschäft zuliefern“.

Viele Handwerker aus der Metall- und Elektrobranche, aber auch aus dem Bau- und Ausbaugewerbe sind in weltweite Lieferketten eingebunden. Sie können sich nicht entziehen, wenn US-Präsident Donald Trump den freien Welthandel in Zweifel zieht. Vor allem die Betriebe im Metallhandwerk haben momentan allen Grund zur Skepsis, "denn die Auswirkungen der US-Strafzölle werden sicherlich auch das deutsche Metallhandwerk betreffen“, befürchtet Karlheinz Efkemann vom Bundesverband Metall. "Letztlich steht zu erwarten, dass eine Vielzahl von handwerklichen Metallbetrieben als Teil der arbeitsteiligen Wertschöpfungskette betroffen sein wird“.

Deutsche Spezialisten leiden unter Trump

Unternehmer Alfred Buck aus Bondorf ist von den aktuellen US-Strafzöllen betroffen. - © privat

Betroffen von Trumps Entscheidung ist zum Beispiel die Firma Buck , Spezialist für technische Strickerei-Produkte, aus dem Kreis Böblingen. Seit 22 Jahren fertigt Buck in den USA Drahtgestricke aus Edelstahl für einen amerikanischen Kunden, derzeit mit 15 Mitarbeitern in South Carolina. Dazu importiert das Unternehmen feingezogenen Stahl in die USA. „Wir haben in den USA gesucht, aber die Qualität des Drahtes, die wir brauchen, gibt es in Amerika nicht“, sagt Geschäftsführer Alfred Buck. Durch den Preisaufschlag von bis zu 25?Prozent sei das Unternehmen in den USA nicht mehr konkurrenzfähig. „Den Materialaufschlag, den der Zoll jetzt erhebt, müssen wir dem Kunden berechnen, aber das akzeptiert unser Kunde nicht.“ Buck hat einen Vorrat aufgebaut, mit dem sich noch einige Zeit überbrücken lässt. "Wenn dieser Vorrat aufgebraucht ist, müssen wir noch einmal ernsthaft mit unserem Kunden sprechen. Akzeptiert er den Zollaufschlag nicht, haben wir ein Problem.“ Alfred Buck sucht deshalb auch alternative Märkte, um den drohenden Ausfall auszugleichen.

Sorgen macht sich auch Uwe Kraft , Geschäftsführer der Uwe Kraft Reitsportgerät & Metallbau GmbH im Kreis Schwäbisch Hall. Er verkauft Führanlagen für Pferde – auch in den USA. "Als die Ankündigung von Strafzöllen auf Stahl und Aluminium kam, haben in den USA die Stahlhändler sofort die Preise erhöht. Der Schuss ging also nach hinten los.“ Noch würden keine Strafzölle auf Maschinen und Endprodukte erhoben. "Wir rechnen allerdings damit.“ Durch Fertigungen sowohl in Deutschland wie in USA könne Kraft manches abfedern. Schon bisher mussten Währungsschwankungen von 10 bis 20 Prozent zwischen Dollar und Euro abgefangen werden.

Hintergrundinformationen

Die wenigsten Handwerksbetriebe in Deutschland exportieren selbst in die USA. Aber viele sind als Zulieferer oder als Dienstleister der deutschen Metall- und Aluminiumindustrie verbunden. Die amerikanischen Zölle beziehen sich auf Stahl- und Aluminiumprodukte mittlerer Fertigungstiefe; komplexere Produkte wie Stahltanks oder Stahlöfen, in denen höhere Wertschöpfungsanteile von Zulieferern stecken, sind ausgenommen. Insgesamt ist das Volumen klein: Gerade einmal 0,05% des deutschen Bruttoinlandsproduktes ist betroffen, sagt Prof. Felbermayr vom ifo Institut München.

Beispiel Baden-Württemberg: Nach einer im Frühjahr 2016 durchgeführten Umfrage wird 4,4 Prozent des Umsatzes im baden-württembergischen Handwerk im Ausland erzielt. Dies sind etwa 3,7 Milliarden Euro. Im Jahr 2015 haben 7,3 Prozent der württembergischen Handwerksunternehmen Umsätze mit ausländischem Kunden getätigt. In absoluten Zahlen waren in Baden-Württemberg im Jahr 2015 etwa 6.500 Handwerksunternehmen im Ausland tätig. 15 Prozent der im Ausland tätigen Handwerksbetriebe sind nach eigenen Angaben auch in den USA aktiv. Damit machten fast 1.000 Betriebe in Baden-Württemberg Geschäfte in und mit den USA , zeigt eine BWHT-Umfrage.

Auslandsgeschäft nicht vorschnell aufgeben

Die Vertreter des Handwerks warnen indes davor, Geschäfte im Ausland vorschnell aufzugeben. Für Handwerksbetriebe, die gefragte Nischenprodukte anbieten und den Kunden höhere Preise abverlangen könnten, seien die USA nach wie vor ein "spannender Markt“, sagt Michael Rössler. "Ich würde keinem Betrieb empfehlen, diesen Markt vorzeitig aufzugeben.“ Der Experte von Handwerk International Baden-Württemberg rät vielmehr: "Ein Betrieb sollte sich vielmehr überlegen, wie er mit der Unsicherheit umgeht, wie sich die Rahmenbedingungen in den nächsten Jahren entwickeln.“ Handwerk International unterstützt die Unternehmen dabei.

Grundsätzlich bedauern Außenhandelsexperten und Ökonomen, dass der internationale Handel nun erschwert wird. Denn das weltweite Geschäft begünstigt auch kleine Handwerksbetriebe, selbst wenn die meisten Handwerker rund um ihren Wohn- und Arbeitsort aktiv sind. Andreas Gfall weist darauf hin, dass die Präsenz im Auslandsgeschäft häufig den inländischen Standort stärke, etwa durch die Einstellung von zusätzlichen Beschäftigten. "Eine Abschottung der Märkte schadet langfristig der Wettbewerbsfähigkeit und damit der Innovationskraft der Betriebe“, sagt Andreas Gfall.

Abschottung der Märkte

Professor Felbermayr ist skeptisch, dass der Handelsstreit zwischen Amerikanern und Europäern rasch beigelegt werden kann. "Das liegt ganz in den Händen der Politik. Leider muss man sagen: Alles ist möglich.“ Denkbar ist es natürlich auch, dass die USA eines Tages wieder zu einer Politik des Freihandels zurückkehren. "Die Globalisierung hat sich schon immer in Wellen bewegt“, sagt Prof. Felbermayr. Perioden der raschen Globalisierung folgten immer wieder Perioden der Abschwächung und Abschottung. Weil aber die technologische Entwicklung so rasend schnell vorangeht, und damit auch immer wieder neue Formen der Globalisierung - zum Beispiel im Bereich der Dienstleistungen - entstehen, würde dieses Auf und Ab zunehmen. "Aber zur Zeit haben protektionistische Tendenzen ganz klar die Vorderhand.“