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Brotbier: Gegen Lebensmittelverschwendung Unverkauftes Brot zum Trinken

Zwei Schweizer Unternehmer stellen Bier aus Brotresten her. Die ersten Flaschen sind verkauft, das Medienecho ist groß. Wie es dazu kam und was sie als nächstes planen.

Richard Keiser und Dominic Meyerhans geht es um auserlesene Zutaten, um Geschmack, um Handwerk und um einen Weg gegen die Lebensmittelverschwendung. Deshalb setzen sie auf Brot, das keiner mehr essen will. Es ist Brot, das trotz seiner guten Zutaten und liebevollen Verarbeitung abends nach Geschäftsschluss noch in den Auslagen von Bäckereien liegt und nicht gekauft wurde – Reste, in denen ein hoher Wert an Ressourcen, Energie und Zeit des Bäckers steckt. Die beiden Unternehmensgründer lassen aus diesem Brot Bier brauen.

Dafür haben Richard Keiser und Dominic Meyerhans, der aus einer Familie der Mühlenunternehmer stammt und deshalb enge Kontakte zu Bäckern pflegt, die Damn Good Food & Beverages AG gegründet, die nun der offizielle Hersteller des "Bread Beer" ist. Seit Mai dieses Jahres kann man es kaufen – bislang allerdings nur in der Schweiz.

Unverkauftes Brot: einzigartige Aromen

"Der Verkaufsstart war sehr erfolgreich. Wir füllen seitdem bereits den dritten Sud ab", berichtet Richard Keiser, der mit rund 800 Hektoliter Bier im ersten Jahr rechnet, das gebraut und verkauft wird.  Das Brauen übernimmt für die beiden Gründer die  Brauerei Locher in Appenzell. Den Brauprozess mussten diese für das Brotbier nicht wesentlich verändern. "Die klassischen Zutaten mussten angepasst werden. Die Rezeptur ist jedoch ein Geheimrezept", sagt Keiser.

Zu kommen zu Wasser, Hefe, Hopfen und Malz noch das zermahlene getrocknete Brot, das im Brauprozess bis zu einem Drittel des Braumalzes ersetzt. Das Brot stammt von Schweizer Handwerksbäckern. Sie haben es nach Angaben der Bier-Unternehmer auf traditionelle Weise hergestellt. Das sei gut fürs Bier, denn das Brot enthalte viele einzigartige Aromen, die sich während der Teigreifung und im Ofen entwickelt haben.

Das Brotbier ist das erste Produkt, das die Damn Good Food & Beverages AG im Sortiment hat, herstellen lässt und vertreibt. Doch es sollen mehr werden – alle mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit gegen die Verschwendung von Ressourcen. Weitere Produkte seien bereits in der Planung.

Viele Experimente mit neuen Biersorten

Für die Entstehung des "Bread Beer" spielt es nach Aussage von Geschäftsführer Richard Keiser auch eine Rolle, dass Dominic Meyerhans aus einer Müllerfamilie stammt und damit aus einem Handwerksbetrieb der Lebensmittelbranche. "Wir vermahlen das getrocknete Restbrot in der Meyerhans-Mühle und geben es nach diversen Labortests frei für den Brauprozess", erzählt er und weist darauf hin, dass das Ausprobieren mit den Zutaten und Geschmacksrichtungen in der Schweiz immer mehr an Bedeutung gewinnt: "So entstanden in den letzten fünf Jahren viele verschiedenen Biere, welche die Bierkonsumenten sehr zu schätzen wissen." Das Deutsche Reinheitsgebot wird in der Schweiz nicht angewendet.

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