Unterwegs in fremden Welten

Die Dokusoap „Stellungswechsel“ schickte deutsche Handwerker nach Indien und Afrika. Ein Friseurmeister und ein Bauunternehmer berichten über ihre Erfahrungen

Unterwegs in fremden Welten

Jeweils eine Woche lang haben deutsche Unternehmen bei einem Mitarbeitertausch der besonderen Art mitgemacht. Für die Dokusoap-Serie „Stellungswechsel“ ließen sich unter anderen auch Friseure und Hochbau-Facharbeiter auf die jeweils andere Berufswelt in Namibia und Indien und von dort kommend in Bayern ein.

Der Schock war groß, als Friseurmeister Rainer Schmauder und seine Mitarbeiterin Helga Hipp im namibischen Katutura, einem 100.000 Einwohner zählenden Vorort von Windhoek, ankamen. Der Friseursalon, in dem sie eine Woche lang mitarbeiten sollten, bestand aus einem Schuppen und die Inneneinrichtung aus zwei Stühlen. In „Alberto’s Hair Salon“ gab es kein fließendes Wasser, es wurde morgens im Eimer von der etwa einen Kilometer entfernten Zapfstelle herbeigeschleppt.

Die aus Deutschland mitgebrachten Scheren kamen nicht zum Einsatz: „Die Frauen lassen ihre Haare wachsen, bis diese abbrechen, Friseure sind für die Flechtfrisuren zuständig. Die Männer bekommen nur Maschinenhaarschnitte“, so der deutsche Friseurmeister. Der dafür benötigte Strom muss im nahe gelegenen Supermarkt gekauft werden. Für die benötigten Kilowattstunden erhält man einen Zahlencode. Das Prinzip ähnelt dem einer Prepaid-Karte.

Ein Salon ohne Scheren
und Haartrockner

Die namibischen Gastgeber hatten extra für Schmauder und Hipp eine Wellblechhütte gebaut. Dass das zu teilende Matratzenlager nicht den Vorstellungen ihrer Gäste entsprach, konnten sie nicht verstehen. Schmauder: „Wir haben dann in der Mission gewohnt, sehr idyllisch an einem Stausee.“

Während die beiden Deutschen erschüttert waren von der Armut der Namibier bei gleichzeitiger Lebensfreude und Sorglosigkeit, fühlten sich Asser und Fiina, die beiden namibischen Austauschfriseure, im badischen Pfullendorf wie die Könige. Noch nie zuvor hatte einer von ihnen ein Zimmer für sich allein. Im Gasthof gehörten das eigene Bad mit warmem und kaltem fließend Wasser sowie Toilette, die Handtücher, ein weiches Bett, der Fernseher, die Lampen selbstverständlich zur Ausstattung. Im Familiensalon Schmauder war es allerdings vorbei mit dem Hochgefühl. „Sie konnten weniger als bei uns ein Azubi am ersten Tag“, sagt Rainer Schmauder. Kein Wunder, denn in „Alberto’s Hair Salon“ gibt es keine Scheren, Trockenhauben, Haartrockner und Lockenstäbe. Aber die 29-jährige Fiina verstand sich auf Extensions und einige Kundinnen ließen sich von ihr sogar mutig Rastazöpfe flechten.

Rainer Schmauder ist seit seiner Rückkehr aus Namibia zufriedener: „Ich weiß jetzt erst recht, was es heißt, auf hohem Niveau zu klagen. In Namibia freut man sich schon über einen Kugelschreiber, den wir als Massenartikel geringschätzen.“ Im Salon Schmauder soll es zum Sendetermin ein als Benefizveranstaltung organisiertes Public Viewing geben. „Den Erlös überbringe ich meinen Kollegen in Namibia persönlich“, verspricht Schmauder.

Staunen über das grüne Deutschland

Über das grüne Deutschland staunten Takur und Ravi schon auf dem Weg vom Frankfurter Flughafen ins unterfränkische Karlstadt. Auf der Baustelle staunten sie noch mehr: über die vielen Maschinen, die unbekannten Werkzeuge und die Sicherheitsstandards. Geradezu begeistert waren sie von der einheitlichen Berufsbekleidung. Toni Romero, Geschäftsführer der Bau und Dach Romero & Hufnagel GmbH, muss noch immer schmunzeln, wenn er daran zurückdenkt: „Am liebsten hätten die beiden die Sicherheitsschuhe nicht mehr ausgezogen!“ Es sei eine recht lockere Woche gewesen. Für den familiären und kollegialen Anschluss der Inder und gemeinsame Freizeitaktivitäten war gesorgt. Eine Radtour durch die Weinberge, Biergartenbesuche, Einfamilienhäuser mit gepflegten Vorgärten - all das steht in krassem Gegensatz zu ihrem Leben in einem Vorort der 15-Millionen-Stadt Mumbai.

Dort mussten sich zur gleichen Zeit die Hochbau-Facharbeiter Stefan Nätscher und Georg Schäfer akklimatisieren. 40 Grad und eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit stellten noch die kleinste Herausforderung dar. Ihr Einsatzort war die Baustelle eines zehnstöckigen Hauses, auf der, so Stefan Nätscher, „ein unglaubliches Gewusel“ herrschte. Was in Deutschland längst unter Einsatz von Maschinen erledigt wird, geschieht hier noch von Hand, zum Beispiel das Mischen des Mörtels. „Die Arbeit ist wesentlich härter, Zentnersäcke werden ganz selbstverständlich auf dem Kopf transportiert.“

Unabdingbare Hilfsmittel wie Wasserwaage und Zollstock seien unbekannt, von Arbeitsschutzbestimmungen ganz zu schweigen. „Der einzelne Mensch zählt in Indien wohl nicht viel“, sagt der 35-Jährige, der nach der einen Woche froh war, wieder in Deutschland zu sein. Er hätte zwar auch noch gerne mehr von Mumbai gesehen als den Pub und das Einkaufszentrum, aber mitgebracht haben er und sein Kollege zumindest die Erkenntnis, dass sie in Deutschland tolle Arbeitsbedingungen haben.

Sendetermine: Auf Kabel Eins läuft am 23. August um 20.15 Uhr die Folge „Pfullendorf vs. Windhoek“,
am 30. August um 20.15 Uhr die Folge mit den Bauarbeitern aus Karlstadt und Mumbai