Parlament der Chefs Unternehmer übernehmen das Herz Europas

Zum ersten Mal trafen sich 774 Unternehmer aus ganz Europa, um beim "Europäischen Parlament der Unternehmen" ihre Probleme und Anliegen mit der Politik zu diskutieren.

Unternehmer übernehmen das Herz Europas

Das Handwerk ist in Brüssel schon lange präsent. Die Statuen rund um den Petit Place Sablon symbolisieren Gewerke wie den Fliesenleger oder Dachdecker. Nun sind die Handwerksunternehmer auch im Europaeischen Parlament einige Strassen weiter angekommen. Beim ersten “Europäischen Parlament der Unternehmen” entsandten der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) 96 Delegierte.

Damit stellte die deutsche Gruppe die größte aller EU-Mitgliedstaaten. “Wir wollen deutlich machen, wo die Interessen des Mittelstandes liegen”, erklärten ZDH-Präsident Otto Kentzler und DIHK-Präsident Ludwig-Georg Braun. Insgesamt trafen sich 774 Unternehmer aus allen EU-Mitgliedstaaten als “Abgeordnete” im “Herz der Europäischen Institutionen”, dem Europäischen Parlament, um über Probleme und Vorschläge der KMU in der Finanzkrise und beim grenzenlosen Handel zu diskutieren. Ebenso standen Beschlüsse zu den Themen Energie- und Umweltpolitik sowie zur Schaffung eines “unternehmerischen Europas” auf der Agenda.

Georg Haber aus Regensburg war ein Mitglied der deutschen Delegation und als Vertreter der Handwerkskammer Niederbayern•Oberpfalz in Brüssel. Eigentlich hat er einen Metallrestaurationsbetrieb, doch hat der Handwerker sich auf die Denkmalpflege mit seinem 40 Mitarbeiter zählenden Betrieb spezialisiert. In diesem Nischenmarkt sucht Haber sich Aufträge in ganz Europa. “Wir arbeiten in Polen, Italien, Österreich oder auch in den Niederlanden”, erzählt der Unternehmer. Während dieser Arbeiten und auch bei seiner Tätigkeit bei einem europäischen Forschungsprojekt hat er Tücken, aber auch Chancen der Europäischen Union festgestellt. Diese wollte er als Handwerkunternehmer in das Unternehmerparlament einbringen.

Negative Erfahrungen machte Haber mit der großen Bürokratie. “Wir haben Probleme mit dem Reverse-Charge-Verfahren (das Abzugsverfahren ist eine Sonderform im Umsatzsteuerrecht, d.Red.)”, sagt Haber. Immer noch muss er sich mit Rechnungen aus dem Jahr 2004 befassen, die er an eine österreichische Behörde gestellt hat. “Ich muss mich mit so etwas altem herumschlagen, obwohl ich mit meinem Betrieb an die Zukunft denken sollte”, erklärt Haber. “Die meisten Projekte waren aber erfolgreich.”

Dass die Anliegen der Unternehmer ernsthaft von der EU-Politik aufgenommen werden, ist Haber sicher. Alle Abgeordneten oder Kommissare wurden nicht müde zu betonen, wie wichtig es ist, direkt mit den Unternehmern zu diskutieren. Welche Wichtigkeit die Veranstaltung hatte, wurde durch die Anwesenheit von EU-Kommissionpräsident José Manuel Barroso, Kommissionsvizepräsident Günter Verheugen oder EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering untermauert.

Für Haber stand neben den Beschlüssen des Unternehmerparlaments jedoch ein anderer Aspekt im Mittelpunkt: “Europa ist nicht so weit weg”, hat er festgestellt. In Diskussionen mit den Europaabgeordneten Andreas Schwab oder Thomas Mann lernte er direkte Ansprechpartner für seine Anliegen kennen. “Die sind spontan und packen zu. Beim nächsten Problem bekommen sie eine E-Mail von mir.” Das könnte schon bald sein. Denn beim Rundgang durch Brüssel hat Georg Haber zahlreiche Objekte gefunden, an denen er als Denkmalpfleger tätig werden kann.