Die Sorge vor Attacken ist groß – die Vorsorge gering. Das geht aus einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom hervor. Welche Gefahren drohen und wie die Firmen sich dagegen rüsten.

Die Gefahren sind bekannt. Viele Unternehmen sind sich des zunehmenden Risikos hybrider Angriffe oder anderer Sabotageakte angesichts der schwierigen geopolitischen Lage bewusst. Gleichwohl sehen sich nur 12 Prozent der Unternehmen gut auf eine solche Attacke vorbereitet. "Wir müssen die Lücke zwischen Gefahrenbewusstsein und Schutzniveau schnellstmöglich schließen", sagt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst mit Blick auf eine vom Verband in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage unter 604 Unternehmen mit mehr als 10 Beschäftigten.
Gefahren reichen von Sabotage-Akten bis Cyberangriffen
Dabei sind Unternehmen nicht nur indirekt durch hybride Angriffe – wie etwa auf das öffentliche Stromnetz – betroffen. Sie können auch direkt Opfer von Cyberangriffen oder von Sabotage werden. Knapp 60 Prozent der befragten Unternehmen halten es sogar für wahrscheinlich, selbst Ziel einer Attacke zu werden. Zugleich geben 38 Prozent an, "eher schlecht" und weitere 40 Prozent "gar nicht" darauf vorbereitet zu sein. 35 Prozent planen allerdings, Vorkehrungen zu treffen.
Wintergerst: Notfall-Plan braucht jedes Unternehmen
Wie die Umfrage zeigt, verfügen nur 28 Prozent der Unternehmen über ein Krisen- oder Notfallmanagement, immerhin 25 Prozent wollen es einführen. Noch schlechter sieht es bei der Notstromversorgung aus. Nur ein Fünftel der Unternehmen hat eine, ein Drittel will sie einrichten. Nur jedes zehnte Unternehmen führt regelmäßig Krisenübungen durch. Für Bitkom-Präsident Wintergerst zu wenig: "Einen Notfall-Plan braucht jedes Unternehmen", betont er.
Bei Einzelmaßnahmen besser aufgestellt
Bei einzelnen Vorsorge-Maßnahmen sieht es laut Umfrage schon besser aus: So können mehr als die Hälfte der Unternehmen bei einem erfolgreichen hybriden Angriff auf alternative Kommunikationsmittel zurückgreifen und 57 Prozent verfügen über Backups ihrer Daten. Bei rund der Hälfte der Unternehmen könnten die Mitarbeiter zur Not auch von zuhause aus arbeiten. Weitere 28 Prozent haben sich durch zusätzliche Lagerhaltung abgesichert.
Krisenlage erfordert veränderte Personalplanung
Der Digitalverband verweist außerdem darauf, dass Unternehmen in einer Krisenlage auch auf Personal verzichten müssen. "Viele Beschäftigte, die beim Zivilschutz oder bei der Bundeswehr tätig sind, könnten fehlen", heißt es. Insgesamt wissen laut Umfrage weniger als ein Drittel der Unternehmen, wie viele ihrer Beschäftigten im Einsatzfall für Institutionen wie Feuerwehr, das Technische Hilfswerk oder die Bundeswehr tätig sind.
Bereitschaft für Schutzmaßnahmen steigt
Insgesamt steigt aber nach Bitkom-Angaben die Bereitschaft der Unternehmen, ihren Schutz zu erhöhen. 37 Prozent der Unternehmen wollten entsprechende Investitionen erhöhen, neun Prozent davon sogar "deutlich", hieß es. 44 Prozent planen unverändert hohe Investitionen. Nur fünf Prozent treffen gar keine Vorsorge.