Im Herbst wird in der christlichen Tradition an die Verstorbenen gedacht. An Allerheiligen, Allerseelen und am Totensonntag besuchen viele Menschen die Friedhöfe. Wichtiger Bestandteil eines Grabes ist auch der Grabstein. Auf die Bedeutung und die Gestaltungsmöglichkeiten macht der Tag des Grabsteins am 15. Oktober aufmerksam.

Das Anfertigen von Grabsteinen ist seit hunderten von Jahren die Aufgabe von Steinmetzen und Steinbildhauern. Auf eine lange Tradition kann auch Roland Vorherr, Obermeister der Steinmetz- und Steinbildhauer-Innung Heilbronn-Franken, zurückblicken. Seine Familie ist bereits seit 1690 in Creglingen-Freudenbach ansässig. Er gehört zur 10. Generation, die mit Steinen arbeitet. Zunächst in den örtlichen Steinbrüchen, dann als Steinmetze und Steinbildhauer. Der 66-Jährige weiß um die Bedeutung von Grabsteinen. "Die Auswahl eines Grabsteins ist Teil der Trauerbewältigung. Man hat das Gefühl, noch ein letztes Mal etwas für den Verstorbenen zu tun", so Vorherr.
Mehr als nur ein Stein
Um einen passenden Stein auszuwählen, kommen Angehörige zu ihm in seine Ausstellung. Rund 100 Grabmale sind dort zu finden. Sie helfen dabei, sich zu orientieren. Welche Farbe soll der Stein haben? Soll er poliert sein, rund oder kantig? Welche Daten des Verstorbenen sollen auf dem Stein stehen? Gibt es ein Symbol, das gut zum Verstorbenen passt?

"Bei Landwirten entscheiden Angehörige sich gerne für eine Ähre oder eine Sonne auf dem Grabstein", erzählt Vorherr. Der Gestaltung von Grabsteinen seien aber Grenzen gesetzt. Jeder Friedhof verfügt über eine Friedhofsordnung, die zum Beispiel Vorgaben zur Größe des Grabsteins macht. Und jeder Grabstein muss von der Gemeinde vorab genehmigt werden. Dann kann die Arbeit in der Werkstatt beginnen. Der ausgewählte Stein wird nach den Wünschen der Hinterbliebenen behauen, geschliffen, poliert. Anschließend wird die Inschrift angebracht. Wenn der Stein fertig ist, beginnt die Arbeit auf dem Friedhof. "Wir heben für den Grabstein ein Loch aus und betonieren ein Fundament, mit dem der Grabstein verdübelt wird", so Vorherr. "Die Steine stehen – je nachdem was die Friedhofsordnung festlegt – 20 oder 30 Jahre auf dem Friedhof und sind Wind und Wetter ausgesetzt. Stabilität und Sicherheit sind wichtig."
Bestattungen im Wandel
Neben Erdbestattungen werden seit einigen Jahren vermehrt Feuerbestattungen durchgeführt. "Ich würde sagen mittlerweile entscheiden sich 50 Prozent dafür. Die Asche wird dann in einer Urne beigesetzt. Sieht die Friedhofsordnung vor, dass die Urnen in die Erde eingesenkt werden, ist die Größe der Grabstätte an die Größe von Urnen angepasst. Häufig kommen in dem Fall neben Grabsteinen auch Grabplatten zum Einsatz, die das komplette Grab abdecken", erklärt Vorherr.
Aber auch eine Bestattung ganz ohne Grabmal in einem Waldfriedhof ist möglich. "Dass sich immer mehr Menschen dafür entscheiden, liegt glaube ich auch daran, dass die Friedhofsträger ihre Friedhöfe oftmals etwas lieblos behandeln. Und nicht besonders flexibel sind bei der Gestaltung der Grabstätten. Ein Platz, aufgereiht neben dem anderen. Nur enge Wege, keine Grünflächen oder Sitzgelegenheiten. Das wirkt steril. Es gibt schöne Beispiele, bei denen sich neben Friedhofsämtern auch Gärtner und Steinmetze um die Gestaltung des gesamten Friedhofs kümmern. Diese Friedhöfe sehen aus wie Parks, in denen man sich gerne aufhält und man sich in Ruhe an seine Liebsten erinnern kann", so Vorherr.
Steinmetze und Steinbildhauer
Steinmetze und Steinbildhauer sind Experten für Steine. Sie bearbeiten Natur- oder Kunststein und gestalten damit Wände, Böden, Treppen, Skulpturen und Grabsteine. Schwerpunkte sind der gehobene Innenausbau, Restaurierungen und die Arbeit auf Friedhöfen. Im gesamten Kammergebiet gibt es 103 Betriebe. Roland Vorherr ist seit 2005 Obermeister der Steinmetz- und Steinbildhauer-Innung Heilbronn-Franken.