Mit der Energiewende ergeben sich gerade für das Baugewerbe viele Chancen, denn die energetische Gebäudesanierung birgt mit ihren Einsparmöglichkeiten ein hohes Auftragspotenzial. Doch unklare gesetzliche Regelungen und Förderungshöhen sorgen für Verunsicherung bei Betrieben und Hausbesitzern.
Frank Muck
Unklare Situation für das Baugewerbe
Gerade das Baugewerbe kann mit der Gebäudesanierung von der Energiewende profitieren. Nichts verspricht größere Einsparpotenziale als die Umrüstung von Häusern auf moderne Standards. Doch viele Marktteilnehmer sowohl Betriebe als auch Hausbesitzer sind unentschlossen, weil die Förderungshöhen und mögliche Steuereinsparmöglichkeiten vor allem nicht langfristig festgelegt werden.
Felix Pakleppa hat noch Hoffnung, dass es demnächst nicht zu einer Sanierungslücke kommt. Der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugwerbes kann sich vorstellen, dass eine steuerliche Förderung der Gebäudesanierung noch für dieses Jahr ins Gesetz zur Energiewende einfließt. Geplant ist sie so oder so. Demnach soll die energetische Sanierung von Gebäuden ab dem 1. Januar 2012 steuerlich absetzbar sein. Sollte dieser Teil der Förderung erst im kommenden Jahr einsetzen, sei zu befürchten, so Pakleppa, dass viele Bauherren ihre Sanierungspläne ins kommende Jahr verschieben.
Sein Verband appelliert daher, die Förderung schon zur Jahresmitte einzuschieben. Angesichts des Streits um die Finanzierung der Gebäudesanierung scheint das jedoch eher unwahrscheinlich (siehe Kasten). Die 1,5 Milliarden Euro Förderung über die KfW dagegen sieht Pakleppa zwar als guten Anfang, doch seiner Ansicht nach müsste die Förderung viel höher sein. „In keinem Jahr haben die Mittel ausgereicht“, sagt Pakleppa. Ein Einfamilienhaus benötige 40.000 bis 50.000 Euro. Zur Erreichung der angepeilten Sanierungsrate von zwei Prozent sei die Förderungshöhe deswegen zu gering.
Programme werden trotz allem nachgefragt
Das bestätigt auch Christian Stolte. Nach Ansicht des Bereichsleiters energieeffiziente Gebäude bei der Deutschen Energie Agentur (dena) müsste für dieses Ziel die Förderung bis zum Jahr 2020 auf fünf Milliarden Euro gesteigert werden. Dieser Betrag wäre einerseits nötig, um die angepeilte Sanierungsrate von zwei Prozent sowie die energiepolitischen Ziele mit der Senkung des Wärmebedarfs von 20 Prozent bis 2020 und des Primärenergiebedarfs um 80 Prozent bis 2050 zu erreichen.
Die dena weiß, dass solche Programme trotz der wechselnden Förderbeträge erfolgreich sind. Zwischen 2008 und 2011 hätten 5,8 Milliarden Euro zur Verfügung gestanden. 2009 seien die Mittel bereits vorgezogen worden, weil bereits ein Anteil von zwei Milliarden abgerufen gewesen war. Danach sei die Förderung nach und nach wegen fehlender Haushaltsmittel bis zum laufenden Jahr auf eine knappe Milliarde zurückgefahren worden. Trotzdem sich der Einsatz lohnt, habe sich die Dynamik am Markt nicht in der Förderung fortgesetzt. Aus einem Euro Förderung entstehen nach den Erkenntnissen der dena neun Euro an Investitionen.
Stolte hält jedoch nicht nur die Höhe der Förderung für entscheidend, sondern auch die Qualität der Sanierungsbemühungen. Nach seiner Ansicht ist es ratsam, hocheffiziente Standards schmackhaft zu machen, die auf Langfristigkeit angelegt sind. In Modellversuchen lotet die dena immer weiter aus, in welcher Höhe Effizienzstandards realisierbar sind. Inzwischen seien zum Beispiel Förderprogramme aufgelegt wie KfW 50 und 70, bei denen sanierte Häuser lediglich einen 50- bzw. 70-prozentigen Jahresprimärenergiebedarf eines gleichwertigen Neubaus aufweisen. Ganz entscheidend ist letztlich die Kontinuität dieser Programme. „Stop and go ist fatal für die Marktentwicklung“, sagt Stolte. Die Betriebe könnten sich nur schwer auf eine nicht absehbare Marktsituation einstellen. Wenn immer wieder unsicher ist, ob eine Förderung forgesetzt wird und von Jahr zu Jahr neu darüber entschieden werde, könnten Unternehmer keine Kapazitäten bei Mitarbeitern und Know-how aufbauen. Ähnliches gelte für die Hausbesitzer. Gebäudesanierungen hätten nun einmal einen größeren Planungshorizont.
Neben dem, was machbar ist an Effizienzsteigerung und Ersparnis, untersucht die dena auch die Hemmnisse, mit denen die Markteilnehmer noch zu kämpfen haben. Christian Stolte führt drei wesentliche Faktoren auf, die allesamt den Endverbraucher in seiner Absicht bremsen, ein Gebäude zu sanieren. „Dem fehlen zu oft verlässliche konkrete Informationen“, so Stolte. Neben den Verständnisfragen zu bestimmten Programmen und der Frage der Finanzierung sei für viele noch unklar, wie und wo sie einen Experten finden. Die dena sei dabei, eine Liste qualifzierter Energieberater aufzubauen. Für die Betriebe ist es deshalb wichtig, ihre Mitarbeiter nicht nur weiterzubilden zum Gebäudeenergieberater, sondern sich in die entsprechenden Expertenlisten wie unter zukunft-haus.info eintragen zu lassen, empfiehlt Stolte.
Felix Pakleppa weiß, dass viele Unternehmer einfach noch abwarten. Bevor die Förderung nicht gesetzlich festgelegt und verstetigt sei, scheuten die Betriebsinhaber Investition. Aber er ist optimistisch, dass die Politik den Förderungsbetrag weiter anheben wird, denn Versorgungssicherheit und Klimaschutz ließen sich schneller über Energieeffizienz und Einsparung realisieren als über erneuerbare Energien, die nicht so schnell zur Verfügung stünden.
Betriebe finden unter zukunft-haus.info ein Handwerkerportal mit Handlungsanleitungen und Infos für Beratungen sowie Expertenlisten