In der Großen Koalition zeichnet sich Streit über einen Rechtsanspruch auf den Hauptschulabschluss ab. Gerade das Handwerk braucht dringend qualifizierte Hauptschulabsolventen.

Union und SPD streiten über Hauptschulabschluss
Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), wies in der in Essen erscheinenden "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" entsprechende Pläne der SPD zurück. "Wir müssen gezielt die Schulen stärken, damit sie es schaffen, jeden Jugendlichen zu einem Abschluss zu führen. Doch die Forderung nach einem Rechtsanspruch geht an der Situation vorbei", sagte sie.
Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) will erreichen, dass Niedrigqualifizierte unabhängig vom Alter ihren Hauptschulabschluss nachholen können.
Gleichzeitig forderte die SPD Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) auf, mehr Berufstätigen auch ohne Abitur ein Studium zu ermöglichen. Hierfür sei eine bundesweit einheitliche Regelung nötig, sagte die Vorsitzende des Bildungsausschusses im Bundestag, Ulla Burchardt (SPD), dem Blatt. "Alle Berufstätigen mit einem qualifizierten Abschluss sollten studieren dürfen", sagte Burchardt. So könnten Arbeitnehmer, die eine Meisterprüfung ablegen, automatisch die allgemeine Hochschulreife erlangen. "Aufstieg für alle setzt voraus, dass der dritte Bildungsweg geebnet wird", sagte Burchardt. Ziel sei es, die Zahl der Studierenden ohne Abitur von aktuell knapp 10.000 auf bis zu 50.000 zu steigern.
"Es steht außer Frage, dass der Berufsnachwuchs angesichts steigender Anforderungen in den Handwerksberufen noch besser auf eine Ausbildung vorbereitet werden muss", betont ZDH-Vizepräsident Heinrich Traublinger. "Die im Rahmen der Hauptschulinitiative geplanten Angebote zur Ganztagsbeschulung sowie die individuelle, berufsorientierte Förderung der einzelnen Schülerinnen und Schüler können dazu einen wichtigen Beitrag leisten", sagt Traublinger.
ddp/pc