Die Universität Potsdam hat gegen den niedersächsischen Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) wegen dessen Doktorarbeit ein förmliches Plagiatsverfahren eingeleitet. Der Dekan der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät habe in einer Vorprüfung festgestellt, "dass die Verdachtsmomente nicht hinreichend ausgeräumt werden konnten", teilte die Universität am Mittwoch in Potsdam mit.
Uni startet Plagiatsverfahren gegen Althusmann
Potsdam/Hannover (dapd-lbg). Die Universität Potsdam hat gegen den niedersächsischen Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) wegen dessen Doktorarbeit ein förmliches Plagiatsverfahren eingeleitet. Der Dekan der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät habe in einer Vorprüfung festgestellt, "dass die Verdachtsmomente nicht hinreichend ausgeräumt werden konnten", teilte die Universität am Mittwoch in Potsdam mit. Die Arbeit werde daher einem formellen Untersuchungsverfahren unterzogen, das vermutlich Monate dauert. Althusmann reagierte gelassen.
"Eine neue Sachlage ist nicht eingetreten", sagte der CDU-Politiker am Mittwoch in Hannover. Die Einsetzung der Kommission sei ein "normaler Vorgang". Althusmann, der derzeit auch Präsident der Kultusministerkonferenz ist, soll in seiner 2007 abgeschlossenen Dissertation mit dem Titel "Prozessorganisation und Prozesskooperation in der öffentlichen Verwaltung" viele Übernahmen aus Werken anderer Autoren nicht korrekt als Zitate gekennzeichnet haben.
Auch am Mittwoch gab er zwar handwerkliche Fehler zu, wies aber eine bewusste Täuschung zurück. "Ich habe in keiner Weise versucht, weder die Doktorväter, noch die Öffentlichkeit zu täuschen", sagte er. Beim Erstellen seiner Doktorarbeit habe er sich an die an der Fakultät üblichen Zitierregeln gehalten. Einen Rücktritt lehnte Althusmann vorerst ab. Er sei sich sicher, weiterhin "mit gutem Gewissen Bildungsfragen vertreten" zu können.
Die Opposition sieht das anders. Nach Angaben der SPD ist der Minister "bis auf die Knochen blamiert". Es bleibe fraglich, wie der Minister Schülern überhaupt noch gegenüber treten und über Bildungsstandards sprechen wolle, "ohne dass die Gegenseite das Lachen anfängt", sagte die schulpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Frauke Heiligenstadt. Zusammen mit der Vorsitzenden des Bundestagsbildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), forderte sie Althusmann auf, das Amt des Präsidenten der Kultusministerkonferenz ruhen zu lassen.
Die Prüfung übernimmt nach Angaben der Universität nun die "Kommission zur Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens". Geprüft werden die Arbeit, die Dokumentation der Wochenzeitung "Die Zeit", die die Affäre mit der Überprüfung der Arbeit auslöste, sowie eine Stellungnahme von Althusmann, welche aus einem inhaltlichen Teil sowie einer juristischen Bewertung besteht.
Am 26. August werde sich die Kommission unter Vorsitz des Juristen Tobias Lettl erstmals mit der Arbeit befassen, hieß es. Die weitere Prüfung werde dann "eine Sache von Wochen oder Monaten sein", sagte eine Uni-Sprecherin am Mittwoch.
Wenn das Gremium eine Täuschung oder ein Plagiat feststellt, muss sich danach der Promotionsausschuss der Fakultät erneut mit der Arbeit beschäftigen. Erst dann geht es nach Angaben der Universität um eine Aberkennung der Doktortitels des Kultusministers.
Neben Althusmann wurden am Mittwoch auch Plagiatsvorwürfe gegen Sachsens Kultusminister Roland Wöller (CDU) laut. Auf der Internetplattform "VroniPlag" sind Auszüge der Doktorarbeit des 41-Jährigen veröffentlicht, die Plagiate aus einer Magisterarbeit eines Studenten belegen sollen. Wöller räumte auf dapd-Anfrage ein, dass es bereits 2008 einen Plagiatsvorwurf gegen ihn an der Technischen Universität Dresden gegeben habe, der aber weitgehend ausgeräumt worden sei. Er gehe davon aus, dass der nun erhobene Verdacht keine neuen Erkenntnisse bringe.
dapd
