Beim Thema Bausparen gingen die Meinungen schon immer weit auseinander. Dann tat noch die Niedrigzinsphase ihr Übriges, um Bausparen unattraktiv erscheinen zu lassen. Doch stimmt das heute noch?

Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch an Thomas? Immer zur Hauptsendezeit flimmerte er in unsere Wohnzimmer: Von Freunden umringt und bewundert, amüsierte er sich über den Klassenkameraden, der zum Schulabschluss nicht wie er ein Mofa, sondern einen Bausparvertrag geschenkt bekommen hatte. "Wie uncool." Dann allerdings blendete die LBS-Werbung weiter. Der einst blamierte Junge, inzwischen ein gestandener Mann, trifft Thomas wieder. Und der wohnt noch immer bei Mutti. "Wie uncool." Er selbst dagegen betritt in der letzten Szene sein eigenes schickes Haus. Bausparen sei Dank.
Über 20 Jahre ist der Spot jetzt alt und macht klar: Besonders hipp war der Bausparvertrag noch nie. Trotzdem galt das Prinzip, traditionelles Sparen mit einem Immobiliendarlehen zu kombinieren, jahrzehntelang als sehr solide – und ebnete vielen Häuslebauern den Weg in die eigenen vier Wände.
Prinzip Verlässlichkeit
Der Vorteil: Sowohl die Sparzinsen als auch die auf das spätere Darlehen stehen von vorneherein fest. Wobei jahrzehntelang galt, dass sie in der Ansparphase niedriger sind als bei anderen Sparformen – in der Kreditphase aber auch. Für den Kunden rechnete sich das vor allem, wenn die Kreditzinsen während der Laufzeit des Vertrages stiegen.
Mit Beginn der Niedrigzinsphase verlor das Prinzip seinen Reiz, was sich vor allem an den Neuabschlüssen zeigte. Ab 2013 sanken die Zahlen kontinuierlich. Und von vielen Medien wurde das Bausparen daraufhin regelrecht totgeschrieben. Wer davon ausgeht, dass die Zinsen niedrig bleiben, zahlt nicht unbedingt erst jahrelang in einen Bausparvertrag ein, sondern wendet sich gleich an die Bank, so die Argumentation.
2022 stieg der Leitzins wieder – und auch Bausparen wurde wieder attraktiver. Zwar ging es dann im September 2023 wieder in die andere Richtung. Dennoch, betont Maik Korpjuhn, Spezialist für Baufinanzierung beim Lübecker Finanzdienstleister Dr. Klein, "kann Bausparen derzeit sehr sinnvoll sein".
Und auch in der Branche zeigt man sich zufrieden. Rund 22 Millionen Bausparverträge gibt es derzeit in Deutschland, was bedeutet, dass etwa jeder vierte Bundesbürger auf einen Bausparvertrag setzt. Oder wie es auf der Homepage des Verbands der Privaten Bausparkassen (VdPB) heißt: "Bausparkassen sind an rund jeder dritten privaten Wohnungsbaufinanzierung beteiligt."
Unterschiedliche Szenarien
Dabei sind es verschiedene Szenarien, bei denen Experten heute zum Abschluss eines Bausparvertrages raten: Erstens natürlich, wenn jemand sicher weiß, dass er in den nächsten sieben bis zehn Jahren eine Immobilie kaufen oder bauen will und sich hierfür niedrige Zinsen für ein späteres Darlehen sichern möchte. Oder, zweitens, wenn er weiß, dass eine bestehende Finanzierung ausläuft, und nach einem guten Anschluss sucht.
Laut dem Zinsbarometer der Interhyp AG, dem größten deutschen Vermittler für private Baufinanzierungen, liegen die Zinssätze für zehnjährige Annuitätendarlehen derzeit im Schnitt knapp unter 3,6 Prozent. Wobei sie im Einzelfall auch deutlich höher ausfallen. Langfristig gehen die Interhyp-Experten von einer Entwicklung Richtung vier Prozent aus.
Wobei die Zinssätze für langfristige Verträge von 20 oder 30 Jahren je nach Eigenkapital-Einsatz auch bei 4,3 bis 4,5 Prozent liegen können, wie Korpjuhn betont. "Die Sätze für Bauspardarlehen dagegen bewegen sich schon seit mehreren Jahren zwischen zwei und drei Prozent, sind also spürbar günstiger." Und auch von deutlichen Erhöhungen in den nächsten Jahren geht der Spezialist für Baufinanzierung nicht aus.
Ein weiteres Szenario, bei dem Bausparverträge viel Sinn machen, ist zudem die Vorsorge für künftige Modernisierungen. Wobei dann sogar noch ein weiterer Pluspunkt hinzukommt, so Korpjuhn. "Seit 2021 dürfen die Bausparkassen Blankodarlehen bis zu 50.000 Euro ohne Grundbucheintrag vergeben." Für alle interessant, die beispielsweise aufgrund der Energiewende in den kommenden Jahren mit größeren Investitionen rechnen, oder auch ihr Eigentum altersgerecht umbauen wollen.
Verbesserte Förderungen
Und was Bausparen darüber hinaus noch attraktiv macht, sind die verschiedenen Förderungen. Das sehen in der Regel auch Verbraucherschützer so, die sich ansonsten immer wieder skeptisch äußern. Denn, so ihre Warnung, sei Bausparen eine Wette. Schließlich weiß keiner sicher, ob die Darlehenszinsen wirklich steigen oder ob sie vielleicht doch sinken.
Insgesamt gibt es drei Förderungen, die alle in den letzten Jahren noch einmal angepasst und verbessert wurden. So können heute mehr Menschen von der Wohnungsbauprämie profitieren, da – ebenfalls 2021 – die Einkommensgrenzen angepasst wurden. Für Alleinstehende von 25.600 Euro im Jahr auf 35.000, für Ehepaare auf 70.000. Voraussetzung für den Erhalt ist, mindestens 50 Euro pro Monat anzusparen. Die nicht rückzahlbare Prämie beträgt dann zehn Prozent der jährlichen Sparleistung, maximal jedoch 70 Euro für Singles und das Doppelte für Verheiratete. Und ebenfalls deutlich angehoben wurden auch die Einkommensgrenzen für die Arbeitnehmersparzulage, die ebenfalls in einen Bausparvertrag fließen kann und jetzt bei 40.000 Euro beziehungsweise 80.000 Euro jährlich liegt.
Besonders für Familien interessant ist die Riesterförderung, oft auch als Wohn-Riester oder Eigenheimrente bezeichnet. Für die maximale Förderung müssen vier Prozent des Bruttovorjahreseinkommens (maximal aber 2.100 Euro) eingezahlt werden, mindestens jedoch 60 Euro pro Jahr. Die Grundzulage beträgt dann 175 Euro und für jedes kindergeldberechtigte Kind gibt es noch was obendrauf. 185 Euro für Kinder, die vor 2008 geboren wurden, 300 für alle, die danach auf die Welt kamen. Damit kann ein Paar mit zwei Kindern immerhin maximal 950 Euro jährlich einstreichen.
Allerdings können nie alle Förderungen auf einen Bausparvertrag fließen. Einzelpersonen benötigen hierzu mindestens zwei, Ehepaare sogar drei Verträge. Und auch ansonsten gibt es für alle Förderungen detaillierte Bedingungen. Wie das Bauspardarlehen selbst sind zudem sowohl Wohnungsbauprämie als auch Riester streng an wohnungswirtschaftliche Zwecke gebunden.
Uncool für Sparer
Wobei Bausparen als reine Geldanlage ohnehin unattraktiv ist. Die aktuellen Sparzinsen, die etwa zwischen 0,1 und einem Prozent liegen, lassen sich mit jedem Tagesgeldkonto toppen. "Entscheidend ist, ein klares Ziel vor Augen zu haben", so formuliert es denn auch Fachmann Korpjuhn – und damit "der feste Wille, das Darlehen auch zu nutzen". Auch wer sich noch nicht sicher ist, ob er überhaupt irgendwann mal bauen oder kaufen will, für den ist Bausparen keine gute Idee.
Einzige Ausnahme: Als Vorsorge für Kinder oder Jugendliche kann der Bausparvertrag auch heute noch sinnvoll sein. Denn während die angesparte Summe für über 25-Jährige eben einen wohnwirtschaftlichen Nutzen haben muss, ist er für Jüngere nicht zweckgebunden. Er kann später also auch für einen Auslandsaufenthalt, den Führerschein oder als Eigenkapital für eine Autofinanzierung dienen. Einzige Voraussetzung ist, dass er sieben Jahre bespart wurde.
Die Zinsen bleiben dann zwar gering, aber mit der Wohnungsbauprämie, die ab 16 Jahren in Anspruch genommen werden kann, kommt die staatliche Förderung hinzu. Zudem bieten fast alle Bausparkassen sogenannte Jugendprämien von bis zu 200 Euro an. Und arbeitet der Jugendliche selbst, kriegt er auch noch die Arbeitnehmersparzulage. Uncool ist das dann auch heute nicht.