Nach einem außergewöhnlich umsatzstarken Jahr blickt das Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe optimistisch in die Zukunft. "Unsere Betriebe sind positiv gestimmt", sagte Robert Rademacher, Präsident des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), in Berlin mit Blick auf das abgelaufene Geschäftsjahr und die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage. Drei Viertel der Betreibe bezeichneten ihre derzeitige Geschäftslage als gut beziehungsweise befriedigend. Tendenz steigend.
Karin Birk

Schon das vergangene Jahr hat der Branche deutlich mehr Umsatz im Autohandel und im Service gebracht. Insgesamt hat das Kfz-Gewerbe mit seinen rund 38.000 Betrieben den Umsatz um 8,2 Prozent auf 140,7 Milliarden Euro erhöht. "Ein Sprung wie in die Branche seit vielen Jahren nicht mehr zu verzeichnen hatte“, sagte Rademacher. Auch bei der Rendite hätten die Betriebe im vergangenen Jahr um rund 0,5 Prozentpunkte auf zwei Prozent zulegen könnten. Der Verbandspräsident gab allerdings zu bedenken, dass in einem "Bilderbuchjahr wie 2011“ die Rendite deutlich über zwei Prozent hätte liegen müssen.
"Händler ruinieren sich das Preisniveau."
Als Grund nannte Rademacher einen sehr starken Preiswettbewerb. Dieser sei hervorgerufen durch Internet-Angebote und Eigenzulassungen von Herstellern und Händlern. Im Neuwagengeschäft hätten diese mit mittlerweile 27 Prozent des Gesamtmarktes eine "bedenkliche Größenordnung“ erlangt, warnte er. Obwohl nur sehr wenig gefahren, würden die Autos entsprechend günstiger beispielsweise als Jahreswagen verkauft. "Die Händler ruinieren sich so das Preisniveau“, klagte Rademacher. Dies habe auch negative Auswirkungen auf den Gebrauchtwagenmarkt.
Wie der Verband weiter mitteilte, hat das Kraftfahrzeuggewerbe 2011 den Umsatz im PkW-Neuwagengeschäft und hier insbesondere im "nicht echten“ gewerblichen Neuwagengeschäft um 13,7 Prozent auf 59,3 Milliarden Euro erhöht. Im Geschäft mit Gebrauchtwagen hätten die Umsätze im gleichen Zeitraum um 5,2 auf 41,8 Milliarden Euro zugelegt. Wie ZDH-Vize-Präsident und Bundesinnungsmeister, Wilhelm Hülsdonk, sagte, war auch das Servicegeschäft mit einem Umsatzzuwachs von um 1,2 Prozent auf 29,3 Milliarden Euro eine "tragende Säule des Kfz-Gewerbes.“ Die Werkstätten seien nicht zuletzt wegen der Winterreifenpflicht, dem erhöhten Fahrzeugbestand insgesamt und dem allgemein besseren Konsumklima im Schnitt zu 84 Prozent ausgelastet gewesen.
Lehrverträge der Mechatroniker um knapp zehn Prozent gestiegen
Hülsdonk warnte allerdings vor "nicht kostendeckende Servicepaketen“ und "All-inclusive-Flatrates“ als Verkaufsinstrument. Sie verlagerten die "Rabattitis“ beim Neuwagenverkauf inzwischen in die Werkstatt und schmälerten die Umsatzrenditen. Dies gelte auch für das wachsende Angebot von Serviceleistungen über so genannte "Werkstatt-Portale“. "Je mehr Betriebe sich an solchen Portalen beteiligen, desto größer wird der Preisdruck – auch auf alle anderen Betriebe“, gab er zu bedenken.
Angesichts der guten Branchenkonjunktur und des drohenden Fachkräftemangels hat die Branche 2011 auch ihre Ausbildungsleistungen deutlich erhöht. So nahm die Zahl der Lehrverträge für Kfz-Mechatroniker um knapp zehn Prozent auf 20.500 und für Automobilkaufleute um mehr als 20 Prozent auf 4.400 Verträge zu. Insgesamt hat das Kfz-Gewerbe die Zahl der Mitarbeiter bis zum Jahresende 2011 um rund 3000 Mitarbeiter auf 456.000 Mitarbeiter erhöht.
Für das laufende Jahr bleibt das Servicegeschäft nach Einschätzung des Verbandes stabil mit "leicht positiver Tendenz“. Auch bei den Pkw-Neuzulassungen und im Gebrauchtwagengeschäft rechnet er mit einer stabilen Entwicklung. Alles in allem seien die Betriebe recht optimistisch, sagte Rademacher mit Blick auf den verbandsinternen Geschäftsklimaindex.