Ausbildung Umfrage: Jugend sorgt sich um Azubi-Stellen

Viele junge Menschen in Deutschland fürchten, dass sie in der Pandemie keinen Ausbildungsplatz finden. Der Handwerksverband versichert: Die Ausbildungsbereitschaft im Handwerk sei trotz der Krise ungebrochen.

„Eine Ausbildung im Handwerk ist eine sichere Basis für Berufskarrieren – gerade auch in Zeiten von Corona“, sagt Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. - © Sascha Schneider

Rund 71 Prozent von gut 1.700 Befragten zwischen 14 und 20 Jahren sehen ihre Chancen auf dem Ausbildungsmarkt durch Corona verschlechtert. Bei Jugendlichen mit niedriger Schulbildung sind es sogar 78 Prozent. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervor. Mehr als jeder Zweite (53 Prozent) war bei der Befragung im Februar und März der Auffassung, dass die Politik wenig bis gar nichts für junge Leute tut, die einen Ausbildungsplatz suchen.

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge war im Corona-Jahr 2020 auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gefallen. Nur noch 465.200 Menschen begannen 2020 eine Lehre - ein Minus von 9,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt Mitte April gemeldet hatte. Im Handwerk fiel der Rückgang mit einem Minus von 7,5 Prozent etwas moderater aus. Dennoch: Seit der Finanzkrise 2008/2009 musste die Branche keinen so starken Einbruch mehr hinnehmen wie im vergangenen Jahr.

Studium der vermeintlich sicherere Weg

Betriebe hatten in der Krise ihre Ausbildungstätigkeit reduziert. Jugendliche wurden durch die unsichere Situation der Ausbildungsbetriebe abgeschreckt. Viele entschieden sich stattdessen für ein Studium oder den Besuch einer weiterführenden Schule. Noch immer wird ein Studium als der vermeintlich sicherere Weg vermutet. Wer sich demnächst an einer Universität oder Hochschule einschreiben möchte, sieht die Situation laut Umfrage deutlich positiver als auf dem Ausbildungsmarkt. Lediglich ein knappes Viertel der Befragten hält die Chancen auf einen Studienplatz infolge der Pandemie für beeinträchtigt.

Handwerkspräsident Wollseifer: „Betriebe stehen bereit und bieten Ausbildungsplätze an“

Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, ermuntert alle Ausbildungsinteressenten, sich durch Corona „keinesfalls beruflich ausbremsen zu lassen“. Die Ausbildungsbereitschaft im Handwerk sei ungebrochen: „Unsere Betriebe stehen bereit und bieten Ausbildungsplätze an.“

Tausende dieser Ausbildungsplätze seien jedoch leider im vergangenen Jahr nicht genutzt worden, was sich in diesem Jahr keinesfalls wiederholen dürfe, sagte Wollseifer dem Handelsblatt. Umso wichtiger sei es nun, die Berufsorientierung an den Schulen und gerade auch in den Gymnasien wieder zu intensivieren und Jugendliche für eine Ausbildung zu gewinnen, so der Handwerkspräsident.

41 Prozent der Schüler wollen auf jeden Fall eine Lehre machen

Man müsse jedem eine Ausbildungsperspektive geben, fordert die Bertelsmann Stiftung. Das sei eine Frage der Chancengerechtigkeit und diene der Fachkräftesicherung. Es zeige sich, dass eine Ausbildung nach wie vor sehr attraktiv sei: 41 Prozent der 14- bis 20-Jährigen, die noch eine allgemeinbildende Schule besuchen, möchten auf jeden Fall eine Ausbildung machen. Weitere 36 Prozent sind noch unentschieden.

Jugendliche, die ihren Ausbildungsplatz schon angetreten oder bereits eine Zusage erhalten haben, sind der Studie zufolge mit ihrer Wahl sehr zufrieden: Mehr als 80 Prozent geben auf einer fünfstufigen Skala die beiden positivsten Bewertungen ab. fre/dpa