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Überstundenvergütung Überstunden auszahlen: Was Sie steuerlich beachten müssen

Extra-Schichten gehören in vielen Handwerksbetrieben zum Alltag. Kommt es dann zur Auszahlung der Überstunden ist natürlich auch das Finanzamt mit von der Partie. Wie Sie mit der Fünftelregelung oder Zeitwertkonten Steuern sparen können - und warum GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer bei Überstundenvergütungen oftmals Probleme bekommen.

Bekommt ein Arbeitnehmer geleistete Überstunden ausbezahlt oder bekommt er als Abgeltung der Überstunden andere Vorteile zugewandt, fließt dem Arbeitnehmer Arbeitslohn zu, der grundsätzlich lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig ist.

Praxis-Tipp: Doch es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Zuflusszeitpunkt so wählen, dass entweder ein nur sehr geringer Steuersatz anfällt oder dass die Überstundenvergütung ermäßigt nach der so genannten Fünftelmethode besteuert wird.

Fünftelregelung bei Auszahlung der Überstundenvergütung für mehrere Jahre

Hat ein Arbeitnehmer über Jahre hinweg Überstunden aufgebaut und Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbaren, die Vergütung in einem Betrag auszuzahlen, kann dafür in der Steuererklärung die ermäßigte Besteuerung nach der so genannten Fünftelregelung geltend gemacht werden. Denn nach Ansicht des Finanzgerichts Münster handelt es sich bei der Überstundenvergütung für Überstunden aus den letzten Jahren um eine "Vergütung für eine mehrjährige Tätigkeit" im Sinne von § 34 Abs. 2 Nr. 4 EStG. Und solche Vergütungen werden auf Antrag ermäßigt besteuert (FG Münster, Urteil v. 23.5.2019, Az. 3 K 1007/18 E).

Doch aufgepasst: Trotz dieses steuerzahlerfreundlichen Urteils besteuern die Finanzämter solche Überstundenvergütungen für Überstunden aus mehreren Jahren nicht ermäßigt. Hintergrund ist, dass zum Urteil des Finanzgerichts Münster eine Revision beim Bundesfinanzhof anhängig ist (BFH, Az. VI R 23/19). Und nur wenn auch die BFH-Richter grünes Licht für die ermäßigte Besteuerung geben, akzeptieren die Finanzämter die ermäßigte Besteuerung.

Praxis-Tipp: Bekommt ein Arbeitnehmer Überstunden für mehrere Jahre in einer Einmalbezahlung überwiesen, empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

  • Es ist eine Steuererklärung beim Finanzamt einzureichen. In Anlage N sollte in Zeile 17 ein Eintrag über die erhaltenen Überstunden erfolgen.
  • Lehnt das Finanzamt die ermäßigte Besteuerung nach der Fünftelmethode ab (kann den Erläuterungen zum Steuerbescheid entnommen werden), sollten gegen den nachteiligen Einkommensteuerbescheid Einspruch eingelegt werden.
  • Damit das Finanzamt bis zur Entscheidung des Bundesfinanzhofs nicht über den Einspruch entscheidet, sollte mit Hinweis auf das Revisionsverfahren beim Bundesfinanzhof (BFH, Az. VI R 23/19) ein Ruhen des Einspruchsverfahrens beantragt werden.
  • Dann heißt es abwarten, wie sich die Richter des Bundesfinanzhofs entscheiden.
 

Überstundenvergütungen für Gesellschafter-Geschäftsführer tabu

Überstundenvergütungen an den Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH führen grundsätzlich zu einer verdeckten Gewinnausschüttung. Das bedeutet: Die an den Geschäftsführer überwiesenen Überstundenvergütungen sind dem zu versteuernden Einkommen der GmbH hinzuzurechnen und der Gesellschafter hat in Höhe der Überstundenvergütungen Kapitalerträge zu versteuern, für die die 25-prozentige Abgeltungsteuer fällig wird.

Dass Überstundenvergütungen an einen GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer aus steuerlicher Sicht tabu sind, hat folgenden Hintergrund: Ein Geschäftsführer muss sich in besonderem Maße mit den Interessen der GmbH identifizieren und die notwendigen Arbeiten auch erledigen, wenn dies einen Einsatz außerhalb üblicher Arbeitszeiten erfordert. Eine gesonderte Vergütung – hier Überstundenvergütungen – verträgt sich mit diesem Aufgabenbild nicht (siehe u.a. BFH, Urteil v. 10.11.2ß´009, Az. 6 V 820/09).

Praxis-Tipp: Eine Ausnahme zu dieser strengen Auffassung der Finanzämter gibt es jedoch. Denn ist ein weiterer GmbH-Geschäftsführer für die GmbH tätig, der aber nicht an der GmbH beteiligt ist und bekommt dieser fremde GmbH-Geschäftsführer dasselbe Gehalt inklusive Überstundenvergütungen wie der GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer, könnte das Finanzamt von einer verdeckten Gewinnausschüttung für die Überstundenvergütungen an den Gesellschafter absehen. In diesem Fall läge kein Verstoß gegen den Fremdvergleichsgrundsatz vor.

Verlagerung des Zuflusses von Arbeitslohn in die Zukunft

Interessant ist bei Überstundenvergütungen auch die Verlagerung der Besteuerung in die Zukunft, am besten in ein Jahr, in dem der Einkommensteuersatz aufgrund nur geringer Einkünfte sehr niedrig ist. Diese Verlagerung der Einkünfte schaffen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, wenn die geleisteten Überstunden auf einem Zeitwertkonto angespart bzw. erfasst werden. Dazu werden die Überstunden in Geld umgerechnet und diesem Zeitwertkonto gutgeschrieben.

Der steuerliche Clou an einem solchen Zeitwertkonto: Weder die Vereinbarung über die Führung eines Zeitwertkontos, noch die die Gutschrift auf diesem Konto führen zu steuerpflichtigem Arbeitslohn. Steuern fallen erst an, wenn das angesammelte Guthaben an den Arbeitnehmer ausbezahlt wird.

Überstunden auszahlen: Darum geht es bei Zeitwertkonten

Die Vereinbarung eines Zeitwertkontos hat folgendes Ziel: Arbeitnehmer und Arbeitgeber vereinbaren, dass fälliger Arbeitslohn ganz oder teilweise auf einem Konto gutgeschrieben wird, um ihn erst in Zeiten der Arbeitsfreistellung auszuzahlen. Möglich ist die Freistellung von der Arbeit oder eine Verringerung der Arbeitszeit.

Zeitwertkonten sind insbesondere für folgende Situationen interessant:

  • Für einen gleitenden Übergang in den Ruhestand.
  • Für die Reduzierung der Arbeitszeiten nach dem Teilzeitgesetz.
  • Für die Umsetzung flexibler Arbeitszeitmodelle (z.B. um ein Jahr Urlaub zu machen und trotzdem Geld ausbezahlt zu bekommen).

Beispiel: Ein Arbeitnehmer leistet über Jahre Überstunden. Die Vergütungen für diese Überstunden werden einem Zeitwertkonto gutgeschrieben. Im Jahr des Ruhestands geht der Arbeitnehmer sechs Monate früher. In dieser Zeit bekommt er die Zahlungen aus seinem Zeitwertkonto überwiesen. Da der Steuersatz des Arbeitnehmers im Jahr seines Ruhestands sehr niedrig ist, muss er für den ausbezahlten Arbeitslohn deutlich weniger Steuern zahlen als zu seiner Zeit als aktiver Arbeitnehmer. 

Praxis-Tipp: Bei beherrschenden GmbH-Geschäftsführern einer GmbH (= Beteiligung zu mehr als 50 Prozent) scheidet die Möglichkeit, ein Zeitwertkonto zu führen, aus. Das Finanzamt stellt in diesem Fall eine verdeckte Gewinnausschüttung fest. Das bedeutet: Die Gutschriften auf dem Zeitwertkonto erhöht in diesem Fall das zu versteuernde Einkommen der GmbH und der GmbH-Gesellschafter muss Kapitalerträge versteuern. Nur bei nicht beherrschenden GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführern ist die Führung eines Zeitwertkontos ausnahmsweise erlaubt, wenn auch für andere Arbeitnehmer im Betrieb ein Zeitwertkonto geführt wird (BMF, Schreiben v. 8.8.2019, Az. IV C 5 – S 2335/07/0004:004).

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