Deutschland erlebt einen Boom. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet für dieses Jahr mit einem Wachstum von 3,5 Prozent, ähnlich wie im Vorjahr. Er sehe ein "überschäumend positives Bild", sagte IW-Chef Michael Hüther am Montag in Berlin. Für 2012 seien 2,25 Prozent Wachstum zu erwarten.
"Überschäumend positives Bild" der deutschen Wirtschaft
Berlin (dapd). Deutschland erlebt einen Boom. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet für dieses Jahr mit einem Wachstum von 3,5 Prozent, ähnlich wie im Vorjahr. Er sehe ein "überschäumend positives Bild", sagte IW-Chef Michael Hüther am Montag in Berlin. Für 2012 seien 2,25 Prozent Wachstum zu erwarten. Die Wirtschaft sei derzeit zu 86 Prozent ausgelastet und arbeite an den Kapazitätsgrenzen der Jahre 2006 bis 2008. Dies werde zu verstärkten Investitionen führen. Sie würden im kommenden Jahr um 11 Prozent steigen, 2012 um 6 Prozent.
Als Folge des Wachstums wird die Zahl der Arbeitslosen nach Einschätzung von Volkswirten im Mai unter drei Millionen fallen und im Jahresverlauf auch nicht mehr über diese Marke steigen, wie Arbeitsmarktexperten der Nachrichtenagentur dapd sagten.
Passend dazu berichtete ThyssenKrupp in Duisburg, dass das Unternehmen rund 300 Millionen Euro in seine Warmbandwerke in Bochum und Duisburg investiert. Auch der Export der deutschen Elektroindustrie brummt. Im März 2011 beliefen sich die Ausfuhren auf 14 Milliarden Euro und lagen damit um zehn Prozent über dem Vorjahreswert, wie der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektroindustrie e.V. (ZVEI) in Frankfurt am Main mitteilte. "Dies ist der dritthöchste jemals erzielte Monatswert", sagte ZVEI-Chefvolkswirt Andreas Gontermann.
1,5 Prozent Wachstum im ersten Quartal 2011
Im vergangenen Herbst hatte das IW für 2011 nur 2,25 bis 2,5 Prozent Wachstum vorhergesagt. Doch das erste Quartal 2011 sei mit 1,5 Prozent Wachstum im Vergleich zum Vorquartal derart stark gewesen, dass er die Schätzung für 2011 auf 3,5 Prozent nach oben korrigiert habe, sagte Hüther in Berlin. 61 Prozent der vom IW befragten Unternehmen rechneten 2011 mit einer höheren Produktion, nur neun Prozent mit einem Rückgang. Der Saldo aus beiden Zahlen zeige damit einen "neuen Rekordwert". Vor allem die Branche der Investitionsgüterhersteller "strotzt vor Zuversicht". 82 Prozent der Unternehmen erwarteten eine stärkere Produktion, nur gut 2 Prozent einen Rückgang.
Als Folge rechne das IW mit einem Rückgang der Finanzierungslücke des Staates auf 37 Milliarden Euro oder 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung, sagte Hüther. 2012 werde das Staatsdefizit sogar auf 0,5 Prozent oder 15 Milliarden Euro schrumpfen. Die Regierung sollte 2012 beginnen, die "kalte Progression" abzumildern, das heißt das langsame Hereinwachsen der Beschäftigten in höhere Steuersätze bei höherem Einkommen. Die deutschen Exporte sollen laut IW 2011 um 11 Prozent zulegen, 2012 noch um 5,5 Prozent.
Die Zahl der Erwerbstätigen werde 2011 um 1,5 Prozent steigen und 2012 um knapp 1 Prozent, ergänzte Hüther. Im Jahresdurchschnitt 2012 rechnet das IW nur noch mit 6 Prozent Arbeitslosigkeit oder 2,6 Millionen Menschen.
Volkswirte: Unter drei Millionen Arbeitslose im Mai
Holger Schäfer vom IW sagte, zwar werde die Arbeitslosigkeit im Sommer mit den Werks- und Schulferien und im Dezember durch den Winter wieder steigen. "Das reicht aber bei weitem nicht aus, um über drei Millionen zu kommen." Als Entlastung sieht er neben der Frühjahrs- und Herbstbelebung auch die schrumpfende Bevölkerungsentwicklung, die durch Zuwanderung aus Osteuropa zunächst nicht ausgeglichen werden könne.
Rolf Schneider von der Allianz Economic Research sagt ebenfalls einen Rückgang der Arbeitslosigkeit voraus. "Das ist aber keine zu optimistische Prognose, weil wir davon ausgehen, dass sich das bisherige Tempo der Besserung nicht fortsetzt", sagte er. Gleichwohl sprach auch er von einem sehr kräftigen Beschäftigungsaufbau in fast allen Branchen, der bis Herbst zu einem Abbau der Arbeitslosigkeit auf 2,6 bis 2,7 Millionen führen dürfte.
Einen Grund für das gute Abschneiden des Arbeitsmarkts sieht Volkswirtin Ulrike Rondorf von der Commerzbank auch darin, dass in der Krise letztlich doch mehr Menschen als befürchtet ihre Stelle behalten konnten. Ihr Institut erwartet für Mai einen Rückgang der Arbeitslosigkeit um rund 100.000.
Export von Elektroartikeln nach Japan gesunken
Der Export von Elektroartikel stieg im ersten Quartal dieses Jahres um 14 Prozent auf 37 Milliarden Euro. Damit sei das Exportvolumen des ersten Quartals des Rekordjahres 2010 noch einmal deutlich übertroffen worden, sagte Gontermann.
"Zugleich wurden aber auch erste Spuren des japanischen Unglücks sichtbar", fügte der ZVEI-Chefvolkswirt hinzu. Die Ausfuhren nach Japan seien im März um knapp drei Prozent gesunken.
dapd
