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Abgeschlossene Ausbildung trotz Insolvenz Übernahme von Azubis: Betriebe sollen Corona-Prämie erhalten

Stellt ein Handwerksbetrieb aufgrund der Corona-Folgen seine Arbeit ein, stehen auch die Ausbildungsplätze auf der Kippe. Wer jetzt Azubis eines insolventen Unternehmens übernimmt, soll mit einer Prämie belohnt werden. Es soll nicht die einzige Maßnahme zur Stabilisierung des Ausbildungsmarkts bleiben.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Selbst die Insolvenz eines Unternehmens soll dem erfolgreichen Abschluss einer dualen Ausbildung nicht im Wege stehen: "Mit einer Prämie für Betriebe, die Auszubildende aus insolventen Betrieben übernehmen, setzen wir einen wichtigen Impuls, damit Jugendliche eine bereits begonnene Ausbildung auch in der Corona-Krise erfolgreich zum Abschluss bringen", teilte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nach einem Treffen der Partner der Allianz für Aus- und Weiterbildung mit. Die Prämie soll zunächst bis zum Jahresende befristet sein. Die Höhe steht noch nicht fest. Die Einzelheiten würden derzeit innerhalb der Bundesregierung abgestimmt, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke sieht in der geplanten Prämie ein richtiges Zeichen, das zugleich motivierend und stabilisierend wirken dürfte.

Schwannecke: Allianz-Treffen wichtiger Impuls für betriebliche Ausbildung

Mit ihrem Treffen hat die Allianz für Aus- und Fortbildung nach den Worten Schwanneckes einen positiven Impuls gesetzt, um die Verunsicherung der Ausbildungsbetriebe zu minimieren und eine Entscheidung zugunsten von betrieblichen Ausbildungsangeboten zu stimulieren. "Es ist zu hoffen, dass mit den verabredeten Maßnahmen dazu beigetragen werden kann, das Ausbildungsengagement von Unternehmen und Handwerksbetrieben zu stabilisieren", fügte er hinzu. Jetzt gehe es vor allem darum, dass Bewerber und Betriebe gut zueinander finden und ausgefallene Veranstaltungen zur Berufsorientierung etwa durch Präsenstermine in Kleingruppen und virtuellen Angeboten nachgeholt werden.

Auszubildende sollen Lehre normal abschließen können

Wie die Vertreter von Bundesregierung, Bundesländern, Bundesagentur für Arbeit sowie von Wirtschaft und Gewerkschaften weiter mitteilten, wollten sie dafür sorgen, dass Auszubildende trotz der derzeit schwierigen Situation ihre Ausbildung fortsetzen und ihre Prüfung ablegen können. Ihr Ziel sei außerdem, auch in den kommenden Ausbildungsjahren genügend Ausbildungsplätze anbieten zu können. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig, unterstrich, dass die Länder mit ihren Berufsschulen das Ihre dafür täten, dass den Auszubildenden wegen der Corona-Epidemie keine Nachteile entstünden.

Berufsbildungsbeihilfe wird bis zum tatsächlichen Ausbildungsende bezahlt

Das gemeinsame Ziel müsse sein, einen  "Ausbildungsjahrgang Corona" zu verhindern, betonte der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, und verwies auch auf das Online-Selbsterkundungstool Check U. Außerdem würden Ausbildungsbetriebe gezielt angesprochen und bei Problemen mit Auszubildenden unterstützt. Darüber hinaus werde die BA jungen Menschen, die Berufsbildungsbeihilfe beziehen, diese bis zum tatsächlichen Abschluss ihrer Ausbildung weiter bezahlen. Dies gelte dann, wenn sich der Abschluss aufgrund der Corona-Pandemie über das im Ausbildungsvertrag vereinbarte Ende hinaus verschiebe, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung.

Verbund- und Auftragsausbildung soll stärker genutzt werden

Sofern sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt verschärfen sollte, ist nach den Worten Schwanneckes zudem ein Programm geplant, welches Betrieben die Möglichkeit bietet, Teile der Ausbildung an überbetriebliche Bildungsstätten zu übertragen. Ziel sei dabei eine möglichst schnelle Fortsetzung der Ausbildung im Betrieb, betonte er.

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