Überholverbot für Lastwagen auf Autobahnen?

Verkehrsministerium plant Beschränkungen

Überholverbot für Lastwagen auf Autobahnen?

Pro: Wolfgang Tiefensee (SPD), Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung

Jeder Autofahrer kennt diese Situation: Man ist zügig auf der Autobahn unterwegs und plötzlich liefern sich mehrere Lastwagen ein Elefantenrennen. Oft genug ist die Autobahn über Kilometer verstopft. Gerade da, wo es oft eng wird, sollten Pkw und Lkw auf getrennten Spuren unterwegs sein. Ich bin jedoch strikt gegen ein generelles Lkw-Überholverbot. Auf den 12.200 km Autobahn in Deutschland sind 2.500 staugefährdet. Auf 1.300 km regeln bereits moderne elektronische Anlagen den Verkehr. Für die übrigen Staustrecken müssen die Länder schnell prüfen, ob ein Überholverbot verhängt werden sollte. Im Masterplan Güterverkehr und Logistik, der noch im Juli vom Bundeskabinett beschlossen werden soll, habe ich 37 konkrete Maßnahmen beschrieben, von denen Auto- und Lkw-Fahrer gleichermaßen profitieren. Wir brauchen mehr intelligente Anlagen zur Verkehrslenkung, die flexibel auf die jeweilige Straßensituation reagieren. Wir werden dafür sorgen, dass Baustellen auf Autobahnen schneller verschwinden, und schaffen 11.000 neue Lkw-Parkplätze. Zu diesem Bündel an Maßnahmen gehört auch das Lkw-Überholverbot auf stark befahrenen Strecken. Wir werden damit Staus vermeiden, Emissionen verringern und die Benzinkosten senken.

Contra: Michael Kubenz, Präsident des Deutschen Speditions- und Logistikverbandes (DSLV).

Bei stark belasteten Autobahnabschnitten können temporäre Überholverbote durchaus zur Verflüssigung der Verkehrsströme beitragen. Derartige Beschränkungen sollten aber von der jeweiligen aktuellen Verkehrssituation abhängig gemacht werden. Moderne Telematiksysteme sind hier ein probates Mittel. Auch stellt die temporäre Freigabe von Standspuren für Lastwagen, wie sie bereits praktiziert wird, eine sehr sinnvolle Lösung dar. Ansonsten führen Überholverbote für Lastwagen in den Dauerstau. Denn gibt es ein Überholverbot, wird der langsamste Lastwagen die Geschwindigkeit aller Fahrzeuge auf der rechten Spur bestimmen.Verzögerungen im Güterkraftverkehr führen zu Verzögerungen in Produktion und Handel, zu Zeitverlusten und damit Kostensteigerungen sowie zu zusätzlichen ökologischen Belastungen. Wollen wir keinen Dauerstau, ist die einzige richtige Antwort auf das weitere enorme Wachstum sowohl im Güter- wie auch im Personenverkehr deshalb der langfristige Ausbau von Autobahnen, von Schienenstraßen, von Terminals und die Förderung des kombinierten Verkehrs. Und kurzfristig sollte dort, wo faktisch Flaschenhälse bestehen, der Ausbau der bestehenden zweispurigen Autobahnen auf eine dritte Spur vorangetrieben werden.