Überblick Betrieb digitalisieren: Das sind die wichtigsten Fördermittel

Förderungen für Digitalisierung gibt es genug – auch fürs Handwerk. Das ­Angebot reicht von Krediten über Zuschüsse bis zur Überbrückungshilfe III. Ein Überblick.

Digitalisierung Bauplan Tablet
Zuschüsse gibt es etwa für neue Softwaresysteme. - © wutzkoh - stock.adobe.com

Stephan Blank, Referatsleiter für Digitalisierung im Zentralverband des Deutschen Handwerks ist sich sicher: "Das Angebot an Förderprogrammen ist grundsätzlich gut." Selbst für ganz kleine Betriebe gibt es Angebote, betont der Experte, der als Projektleiter im Kompetenzzentrum Digitales Handwerk die digitale Transformation aktiv mitgestaltet. Blank weiß aber auch: "Viele Betriebsinhaber scheuen den bürokratischen Aufwand." Doch auch wenn dieser im betrieblichen Alltag, in dem viele Probleme auf einmal zu lösen sind, mitunter übermächtig erscheint, lohnt es sich, sich mit dem Thema zu beschäftigen. "Digitalisierung zahlt sich aus."

Und das nicht nur, weil durch gute Software Geschäftsprozesse optimiert werden können, was, so Blank, auch im Handwerk zunehmend geschieht. Wichtig sind auch Investitionen in neue Technologien wie 3D-Drucker oder Drohnen. Oder ein digitaler Blick auf das Geschäftsmodell an sich, um insbesondere auch auf geänderte Kundenbedürfnisse reagieren zu können. Websites mit Buchungs- oder Verkaufsoptionen, Intelligente Routenplanung, vorausschauende Wartung, die Liste der Möglichkeiten und Chancen ist lang.

Dachdecker etwa, erläutert Blank, könnten in ihre Regenrinnen Sensoren verbauen, die den Betrieb informieren, sobald diese verstopft sind. So ließen sich nach dem Erstauftrag zusätzliche Services anbieten, die den Kunden Mehrwert an den Betrieb binden. Dadurch ließe sich aufwändigere Neukundenakquise reduzieren.

Gerade auf diesem Gebiet, beobachtet der Fachmann, hinkt das Handwerk deutlich hinterher, obwohl es inzwischen gute Förderangebote gibt. Das Spektrum reicht von echten Zuschüssen, die vor allem für Beratungen und Begleitung gewährt werden, bis hin zu zinsgünstigen Krediten. Hardware, bemängelt Andreas Diehl, wird zwar noch deutlich weniger gefördert. Aber auch hier lässt sich was finden. Diehl hat einen eigenen Blog (www.digitaleneuordnung.de), in dem er sich mit digitaler Transformation und neuer Arbeitskultur befasst.

Wie Blank betont auch Diehl, dass es sich lohnt, nicht nur auf überregionale Förderungen zu schauen. Fast alle Länder haben eigene Programme aufgelegt. So gibt es beispielsweise in Baden-Württemberg den Innovationsgutschein High Digital des Landes-Wirtschaftsministeriums. Mit ihm erhalten Unternehmen, die älter als fünf Jahr sind, bis zu 20.000 Euro Zuschuss für die Entwicklung und Realisierung von digitalen Produkten und Dienstleistungen.

In Bayern heißt ein vergleichbares Programm Digitalbonus, in der Standardvariante bekommen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) dort 10.000 Euro Zuschuss, im Rahmen der Plus-Aufstockung bis zu 50.000 Euro. Dabei wird ausdrücklich auch Hardware gefördert, was mit vielen anderen Programmen nicht geht. Die Anträge werden über die Bezirksregierungen gestellt.

In beiden Ländern gibt es außerdem auch interessante Kreditprogramme mit Tilgungszuschüssen. Einen übersichtlichen Überblick über alle Programme der Länder bietet die Non-Profit-Plattform des Instituts für Digitale Transformation (transformation-it.de/foerderprogramme-digitalisierungsprojekten-durch-die-bundeslaender/).

Kurzporträts der aktuell wichtigsten überregionalen Fördermaßnahmen gibt es nachfolgend:

Zuschüsse

Digital jetzt

Das neueste Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) wurde erstmalig Anfang September aufgelegt, Ende September war der Fördertopf bereits ausgeschöpft. Inzwischen wurde aufgestockt.
Wie viel: Zuschuss bis 50.000 Euro, Förderquote 40-70 Prozent
Für wen: KMU, 3-499 Beschäftigte
Für was: Entwicklung von digitalen Lösungen/Prozessen und Plattformen, Qualifizierungsmaßnahmen für Mitarbeiter
Besonderheit: Unter bestimmten Voraussetzungen, z.B. bei Verbundprojekten mit Lieferanten, Auftraggebern und Kunden, kann die Förderquote noch erhöht werden.
Digital jetzt

Go-Inno

Weiteres Programm des BMWi mit anlogen Rahmenbedingungen zu go digital. Beantragung ist nur alternativ, nicht zusätzlich möglich.
Wie viel: Zuschuss 27.500 Euro, Förderquote 50 Prozent
Für was: Beratungsleistung für Potenzialanalysen, Realisierungskonzepte, Projektmanagement
Für Startups (4.000 Euro), Bestandunternehmen oder Unternehmen in Schwierigkeiten (jeweils 3.000 Euro) gibt es außerdem die Möglichkeit, Zuschüsse für die Einführung neuer Softwaresysteme über das BAFA-Programm „Förderung unternehmerischen Know-hows“ zu beantragen. Anträge hierfür werden bei der Leitstelle für freiberufliche Beratung und Schulungsveranstaltungen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks eingereicht.
Innovation - Beratung - Förderung

KfW-Kredite

ERP-Mezzanine für Innovationen

Wie viel: 25.000 bis 5 Millionen, Zins ab 1 Prozent, Nachrangkapital
Für wen: Unternehmen (<500 Mio. Euro Umsatz) und Freiberufler, die mindestens zwei Jahre am Markt sind.
Für was: Vorhaben, die sich vom Stand der Technik in Europa abheben und auch neu sind für das zu fördernde Unternehmen.
Besonderheit: Die Neuartigkeit des Vorhabens muss im Rahmen der Antragstellung von einem von der KfW zertifizierten Gutachter attestiert werden.
KfW Mezzanine für Innovationen

ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit

Wie viel: bis zu 25 Millionen, Zins ab 1 Prozent
Für wen: Freiberufler, Unternehmen in Gründung, mittelständische Unternehmen
Für was: Das Programm ist angelegt, dass fast die ganze Breite digitaler Vorhaben finanziert werden kann, darunter auch Fertigungsverfahren wie 3D-Druck oder der Aufbau digitaler Plattformen beziehungsweise Vertriebskanäle.
KfW Innovationskredite

Was gerade kleine Unternehmen aktuell nicht aus dem Auge verlieren sollten: Betriebe, die aufgrund der Coronakrise Einbußen hinnehmen mussten oder noch müssen, können für Digitalisierungsmaßnahmen auch die Überbrückungshilfe III nutzen. Auf den Seiten des BMWi werden als förderfähige Kosten unter anderem die Investitionen in den Aufbau oder die Erweiterung eines Online-Shops und die Anschaffungskosten von IT-Hardware (wie zum Beispiel Computer, Tablets, Smartphones etc.) aufgelistet. Voraussetzung ist allerdings, dass es einen Umsatzrückgang von mindestens 30 Prozent gibt und die Kosten bis spätestens Juni 2020 anfallen. Wer das noch nutzen will, muss sich also sputen. Ausführliche Infos gibt es unter: ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de.