US-Präsident Trump hat ein beispielloses Zollpaket angekündigt. Das schadet der deutschen Wirtschaft und macht Reformen mehr denn je nötig.

In der heißen Phase der Koalitionsverhandlungen hat die drastische Zoll-Entscheidung des US-Präsidenten Donald Trump für zusätzliche Unsicherheit gesorgt. So belegen die USA ab dem 5. April Einfuhren aus allen Ländern pauschal mit Zöllen von zehn Prozent. Angekündigt ist außerdem ein Mechanismus wechselseitiger Zölle: Ab dem 9. April sollen so für EU-Mitgliedsländer und damit auch für Deutschland auf alle Waren Einfuhrzölle von 20 Prozent gelten. Zuvor hatte Trump auf alle in die USA importierten Autos Einfuhrzölle von 25 Prozent bekannt gegeben. Sie gelten ab dem 3. April.
Handwerk: US-Zölle führen in handelspolitische Steinzeit
Für Deutschland als drittgrößte Exportnation der Welt ist ein heraufziehender Handelskrieg gefährlich. "Dieser Zollhammer führt die Welt zurück in die handelspolitische Steinzeit", warnte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke. "Deutschland und Europa müssen jetzt schnellstmöglich eine Antwort darauf finden", forderte er. Ansonsten drohten schwere weltweite Verwerfungen, die "natürlich auch das Handwerk treffen werden", fügte er hinzu.
Schwannecke: Deutschland muss wettbewerbsfähiger werden
Nach den Worten Schwanneckes erhöht sich damit der Druck auf Union und SPD. Sie müssten Tempo in den Koalitionsverhandlungen machen und alles dafür tun, dass die deutsche Wirtschaft so wettbewerbsfähig wie möglich werde. "Jeder muss jetzt begriffen haben, dass wir uns zusätzliche Belastungen nicht leisten können", betonte er. "Höhere Steuern und Abgaben sind das letzte, was die deutsche Wirtschaft in dieser Lage gebrauchen kann", sagte er.
Herausforderung für Koalitionsgespräche noch größer
CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt betonte, mit den drastischen US-Zöllen würden die wirtschaftlichen Herausforderungen größer. "Das wird weltweit dafür sorgen, dass die Handelsbeziehungen unter Druck kommen." Umso mehr müsse man darauf schauen, dass sich Deutschland und Europa wirtschaftlich stabil entwickeln könnten. Ziel müsse deshalb ein stabiles Wachstum sein. "Es muss ein Politikmix stattfinden schlichtweg aus Investieren, aus Konsolidieren, aus Reformieren. Der muss gelingen. Dann können wir auch gegen das, was da aus USA droht, bestehen." Aber diese Aufgabe sei jetzt noch mal größer geworden.
Bisher noch kein Ende der Koalitionsgespräche in Sicht
CDU-Bundesvize Karin Prien sagte, angesichts des Handelskriegs, den man jetzt erlebe, sei für die Union die Frage der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ganz vorn und von großer Bedeutung. In diesem Sinne führe man die Gespräche. Beide sagten im Vorfeld einer weiteren Runde von Koalitionsgesprächen in Berlin, man komme gut voran. Wann ein Abschluss gelingen könnte, blieb allerdings unklar.
USA sind Deutschlands wichtigster Handelspartner
Klar ist indessen, dass Deutschland als Exportnation besonders von der US-Zolloffensive betroffen ist. Dies gilt umso mehr, da die USA Deutschlands wichtigster Handelspartner sind, noch vor China und den Niederlanden und damit größter Abnehmer deutscher Exporte. Insgesamt wurden 2024 Waren im Wert von rund 253 Milliarden Euro zwischen Deutschland und den USA gehandelt. Dabei lieferten deutsche Firmen Waren im Wert von 161 Milliarden Euro in die USA, rund zehn Prozent aller Exporte.
Ifo-Institut erwartet Wachstumseinbußen durch Zollstreit
Das Ifo-Institut erwartet für die deutsche Wirtschaft "zunächst einen dauerhaften Rückgang des BIP um 0,3 Prozent", wie Handelsexpertin Lisandra Flach erklärte. Dabei seien einige Schlüsselbranchen wie Pharma, Auto und Maschinenbau stärker betroffen. So kommen nicht nur auf die deutschen Autobauer mit den bereits zuvor verkündeten Sonderzöllen von 25 Prozent in ihrem wichtigsten Exportmarkt hohe Belastungen zu. Stark betroffen ist etwa auch der Maschinenbau.
Neben Autoindustrie sind weitere Schlüsselbranchen betroffen
Allein im vergangenen Jahr exportierten die deutschen Maschinenbauer Maschinen und Anlagen im Wert von 27,4 Milliarden Euro in die USA – gut 13 Prozent der gesamten Ausfuhren. Die Chemieindustrie wiederum lieferte 2024 Erzeugnisse im Wert von 10,2 Milliarden Euro dorthin – ein Anteil von fast acht Prozent. Noch wichtiger ist der US-Markt für die deutsche Pharmabranche. Sie exportierte 2024 Waren im Wert von 27 Milliarden Euro in die USA, knapp ein Viertel ihrer gesamten Exporte.
Trump will wieder mehr Produktion in die USA holen
Trump will mit den Zöllen angebliche Handelsungleichgewichte korrigieren und mehr Produktion in die USA verlagern. Zugleich sollen die Zolleinnahmen dazu dienen, sein teures Wahlversprechen großer Steuersenkungen zumindest in Teilen gegenzufinanzieren. Die USA argumentieren, nur dort Zölle anheben zu wollen, wo internationale Partner ihrerseits Abgaben verlangten oder anderweitige Handelsbarrieren aufgebaut hätten. Wie die USA diese angeblichen Benachteiligungen aber berechnen, ist schwer nachvollziehbar, erklärten deutsche Handelsexperten.
EU bereitet Gegenmaßnahmen vor
Und wie reagiert die EU? Sie bereitet Gegenmaßnahmen vor, bleibt aber gesprächsbereit. "Wir finalisieren bereits das erste Maßnahmenpaket als Reaktion auf die Stahlzölle und bereiten nun weitere Maßnahmen vor, um unsere Interessen und Unternehmen zu schützen, falls die Verhandlungen scheitern", sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Zugleich betont sie, es sei noch nicht zu spät für Verhandlungen und appelliert an die US-Seite, sich auf Gespräche einzulassen. Ziel müsse es sein, Handelshemmnisse abzubauen und nicht, sie zu erhöhen.
Welche Gegenmaßnahmen sind geplant?
Details nannte von der Leyen zunächst nicht. Nach Angaben aus Kommissionskreisen würden sie aber unter anderem die Einführung weitreichender Gegenzölle beinhalten. Zudem werden Abgaben auf digitale Dienstleistungen von US-Unternehmen in der EU erwogen. Sie könnten die Plattform X von Trump-Unterstützer Elon Musk und Firmen wie Google, Amazon oder Netflix treffen. Bereits angekündigt ist, dass Mitte April die derzeit ausgesetzten Sonderzölle auf US-Produkte wie Jeans, Bourbon-Whiskey, Motorräder und Erdnussbutter wieder eingeführt werden. Dies ist aber die Reaktion auf die US-Sonderzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte, die bereits in Kraft getreten sind. bir/dpa