Branchenspiegel: Produktion wieder im Plus
Von Andreas Bücherl und Lothar Semper
Trendwende im Maschinenbau
Baugewerbe: Die Bautätigkeit kam im zweiten Vierteljahr richtig in Fahrt. Hierbei spielten Nachholeffekte eine entscheidende Rolle, da zu Jahresbeginn die Bauproduktion durch den ungewöhnlich strengen Winter in allen Sparten massiv behindert wurde. Unabhängig von diesen Sondereinflüssen profitierte der Wohnungsbau von den historisch niedrigen Hypothekenzinsen und der recht stabilen Entwicklung der real verfügbaren Privateinkommen. Zudem stärkt die energetische Sanierung, gefördert durch die KfW-Programme, die Wohnungsbauinvestitionen. Im öffentlichen Bau setzte sich der Aufwärtstrend des vergangenen Jahres fort, insbesondere dank der staatlichen Konjunkturpakete. Der gewerbliche Bau befindet sich hingegen weiterhin auf Talfahrt. Die Unternehmen sehen in der momentanen konjunkturellen Erholungsphase noch keinen Grund, Erweiterungsinvestitionen zu forcieren. Alles in allem war die Stimmung im Bauhandwerk recht positiv; rund 85 Prozent der befragten Firmen beurteilten die aktuelle Lage als gut oder befriedigend.
Handwerk für gewerblichen Bedarf: Der Maschinenbau war im Berichtszeitraum deutlich im Aufwind. Nach dem katastrophalen Einbruch im Jahr 2009 beginnen sich die Orderbücher mit wachsendem Tempo zu füllen. So lag der Bestelleingang im Mai 2010 um real 61 Prozent über dem - allerdings extrem niedrigen - Vorjahresergebnis, wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mitteilte. Die Auslandsnachfrage legte dabei erneut überdurchschnittlich kräftig zu. Das seit einigen Monaten zunehmende Auftragsvolumen hat mittlerweile auch die Produktion erreicht und hier eine Trendwende eingeleitet. Dementsprechend meldeten die handwerklichen Zulieferer erstmals nach dem Krisenjahr eine ansteigende Kapazitätsauslastung. Die verbesserte Auftragslage hat außerdem zu einer Stabilisierung des Personalbestandes geführt.
Kraftfahrzeuggewerbe: Der Neuwagenmarkt war immer noch von den Auswirkungen der Abwrackprämie des vergangenen Jahres gekennzeichnet. In den ersten sechs Monaten gingen die Pkw-Neuanmeldungen um 28,7 Prozent erwartungsgemäß drastisch zurück. Bei den Kleinwagen haben sich die Zulassungszahlen sogar fast halbiert. Zulegen konnten hingegen die obere Mittelklasse sowie das Premiumsegment, weil Flottenfirmen und Autovermieter wegen der Konjunkturbelebung wieder mehr Autos bestellen. Der Gebrauchtwagenhandel erwies sich bisher als recht robust. Von Januar bis Juni stiegen die Besitzumschreibungen um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig sind die Standzeiten der Gebrauchtautos seit Jahresbeginn kontinuierlich gesunken, was für eine gewisse Erholung in diesem Bereich spricht. Das Servicegeschäft verlief in den letzten Monaten nach Einschätzung der befragten Betriebe recht passabel. Dafür spricht auch die im Vorjahresvergleich etwas höhere Werkstattauslastung.
Lebensmittelhandwerke: Die Bäcker und Metzger verzeichneten im Frühjahrsquartal eine saisonübliche Verkaufsbelebung. Die konjunkturelle Grundtendenz im Lebensmittelhandwerk ist weiterhin seitwärts gerichtet. So bewegten sich der aktuellen Umfrage zufolge die Betriebsauslastung und das Geschäftsklima in etwa auf dem Vorjahresniveau. Auch die gesamtwirtschaftlichen Konjunkturindikatoren wie das stabile Konsumklima, der robuste Arbeitsmarkt sowie das anhaltend ruhige Preisklima auf der Verbraucherstufe sprechen für eine konstante Nachfrageentwicklung. Die Brauereien meldeten im April und Mai aufgrund der nasskalten Witterung spürbare Absatzverluste. Erst im Juni ließen die sommerlichen Temperaturen und die Fußballweltmeisterschaft den Bierkonsum rapide ansteigen, so dass die schlechten Vormonatsergebnisse zumindest teilweise ausgeglichen werden konnten.
Gewerbe für privaten Bedarf: Die Gesundheitshandwerker registrierten im Laufe des Berichtszeitraums eine moderate, vorwiegend saisonale Beschleunigung der Geschäftsaktivitäten. Mit konjunkturbedingten Umsatzsteigerungen nach gesundheitshandwerklichen Leistungen und Produkten ist angesichts des stagnierenden Privatkonsums derzeit kaum zu rechnen. Andererseits stützen die demografische Entwicklung und das tendenziell zunehmende Gesundheitsbewusstsein die Kundennachfrage. Insgesamt dürfte daher der Branchenumsatz das Vorjahresergebnis wieder leicht übertroffen haben. Nachdem der Friseurmarkt 2009 nur noch geringfügig geschrumpft ist, scheint sich der Umsatz in der ersten Jahreshälfte 2010 weiter stabilisiert zu haben.
