Klassische Stellenausschreibung als Aushang im Supermarkt, moderner KI-Chatbot oder irgendwas dazwischen? Was bringt im Handwerk wirklich neue Mitarbeiter? DHZ-Kolumnistin Kathrin Post-Isenberg hat sich umgeschaut – und verrät ihre Top 3 der erfolgreichsten Wege zur Mitarbeitersuche.

Beim letzten Mal ging es darum, wie man eine Stellenanzeige schreibt, die wirklich was hermacht. Heute geht’s einen Schritt weiter: Welche Wege der Mitarbeitersuche lohnen sich im Handwerk wirklich? Ich habe mich umgeschaut und präsentiere Ihnen drei Methoden, die sich in der Praxis besonders bewährt haben.
In der Welt der Personalgewinnung tut sich einiges. Wer schon einmal eine Messe zur Personalgewinnung besucht hat, kennt das Bild: Hier innovative KI-Lösungen, dort renommierte Agenturen, und gleich nebenan ein digitaler Schaukasten für Benefits, die neue Mitarbeitende nicht nur anlocken, sondern auch langfristig binden sollen.
In dieser Welt geht es bunt und schrill zu. Es gibt scheinbar nichts, was es nicht gibt, und alle präsentieren stolz die neuesten Trends auf dem Arbeitsmarkt.
Viel Angebot, wenig Brauchbares fürs Handwerk
Neulich war ich auf der "Zukunft Personal" in Köln. Nach einem kurzen Austausch mit ein paar bekannten Gesichtern zog ich mit meiner "Handwerksbrille" los, um die Messe nach praktischen Ideen, Techniken und Trends für das Handwerk zu durchforsten. Mein Fazit? Ernüchternd. An elf Ständen habe ich mir die Pitches angehört. Das Ergebnis: Nur zwei weckten mein Interesse für mehr Details, und am Ende landete gerade mal eine einzige Visitenkarte in meiner Tasche.
Überzeugt hat mich ein KI-Chatbot. Die Idee dahinter: Interessierte können direkt nach dem Lesen einer Stellenanzeige mit dem Chatbot in Kontakt treten, um erste Fragen zu klären. Besonders praktisch für kleine Betriebe, wo Interessenten oft Hemmungen haben, den Inhaber mit Fragen zu überhäufen. Die Anbindung an WhatsApp? Kein Problem – und damit für nahezu jeden erreichbar. Mein Fazit: Cool für den Einstieg, aber der persönliche Kontakt darf nicht fehlen.
Meine Top 3: Erfolgreiche Methoden zur Mitarbeitersuche
In meinen Workshops zur Mitarbeitergewinnung kommt oft die Frage auf: "Welche Methoden funktionieren wirklich?" Aus meiner Erfahrung haben sich für das Handwerk und kleine Betriebe ohne eigene Personalabteilung drei Ansätze als besonders erfolgreich erwiesen:

1. Authentische Stellenanzeigen vor Ort platzieren
Aushänge im Supermarkt, Kiosk, Fitnessstudio oder an anderen Orten, wo sich "Menschen wie wir" aufhalten, funktionieren nach wie vor. Eine gedruckte Stellenanzeige kombiniert mit einem QR-Code oder klassischen Abreißzetteln ist eine einfache, aber effektive Methode.
2. Präsenz zeigen – subtil, aber wirksam
Warum nicht Ihr Team für einen Firmenlauf anmelden? Das ist nicht nur eine tolle Teambuilding-Maßnahme, sondern auch eine unaufdringliche Möglichkeit, Ihr Unternehmen bekannter zu machen. Fachkräfte vor Ort bekommen einen Eindruck von Ihrer Unternehmenskultur und der Dynamik in Ihrem Team. Mit individuell bedruckten T-Shirts – zum Beispiel mit QR-Codes oder knackigen Botschaften – bleiben Sie im Gedächtnis und erleichtern Gespräche im Nachgang. Und natürlich eignet sich ein solches Event hervorragend für die Begleitung auf Social Media.
3. Mitarbeiterempfehlungsprogramme nutzen
Eine der nachhaltigsten Methoden zur Mitarbeitersuche bleibt die Rekrutierung über das eigene Team. Mitarbeiterempfehlungen sind deshalb so erfolgreich, weil die Mitarbeitenden selbst dafür sorgen, dass neue Kollegen gut ins Team passen. Ob Sie dafür einen Bonus anbieten, bleibt Ihnen überlassen – entscheidend ist vor allem, dass Sie dem Team klar kommunizieren, dass die finale Verantwortung für Neueinstellungen bei Ihnen liegt. Andernfalls könnte die Sorge aufkommen, für eine falsche Empfehlung haftbar gemacht zu werden.
Mein Fazit
Keine Methode ist das ultimative Allheilmittel. Es braucht immer einen Mix aus verschiedenen Ansätzen, und alle erfordern Zeit, Geduld und Ausdauer. Rekrutierung ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Solange wir nicht wieder in teure Zeitungsanzeigen investieren, können wir auf bewährte, zielgruppenorientierte Methoden zurückgreifen, die die richtigen Interessierten direkt ansprechen. Lassen Sie sich nicht von den großen, glänzenden Trends in der Personalgewinnung verunsichern – Not macht erfinderisch, und oft führen die einfacheren Wege zum Ziel.
Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint alle 14 Tage exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Abonnieren Sie den kostenlosen DHZ-Newsletter, um keine Ausgabe zu verpassen.