Neue Kooperationen, mehr Pick-ups und das Bemühen, trotz baugleicher Fahrzeuge eigene Akzente zu setzen – drei Trends haben 2016 den Markt für Transporter bestimmt.
Ulrich Steudel

Vor allem der Absatz von Kastenwagen wird in den kommenden Jahren kräftig wachsen. Davon gehen alle Experten aus. Getrieben vom Internet-Versandhandel, der immer mehr Pakete zur Haustür der Kunden bringen muss, wächst das Angebot. Davon profitiert auch das Handwerk, denn die Betriebe können bei Neuanschaffungen im Fuhrpark auf ein größeres Angebot zurückgreifen – wie die Neuheiten des Jahres 2016 unter Beweis stellen.
VW baut MAN
Allen voran der neue VW Crafter. Volkswagen Nutzfahrzeuge hat die Kooperation mit Daimler aufgekündigt und in Polen ein neues Werk auf die grüne Wiese gestellt. Dort rollen seit einigen Wochen nun die ersten 3,5-Tonner vom Band.
Im markentypischen Design, das der Handwerker vom T6 her kennt, kommt der neue Crafter mit vielen technischen Neuerungen daher, darunter die elektromechanischen Lenkung. Sie soll gegenüber der hydraulischen Steuerung den Kraftstoffverbrauch senken, aber vor allem den Einsatz neuer Assistenzsysteme ermöglichen. So wird es für den neuen Crafter optional Hilfe beim Rangieren mit Anhängern geben (Trailer Assist) genauso wie einen Park-Lenk-Assistenten, den es bisher nur für Pkws gab. Im März sollen die ersten Crafter zum Einstiegspreis ab 28.300 Euro netto zu den Kunden rollen.
Im Gefolge des neuen Crafter steuert nächstes Jahr ein weiterer Akteur den Markt für leichte Nutzfahrzeuge an. Denn um das Werk in Polen mit bis zu 3.000 Beschäftigten auszulasten, hat sich VW die Konzerntochter MAN an die Seite geholt.
Der Name des neuen MAN-Transporters TGE führt die Reihe von TGX, TGS, TGM und TGL in der leichteren Gewichtsklasse fort. Um den ersten Transporter der Marke im Markt zu platzieren, setzt MAN vor allem auf seine Kompetenzen im Werkstattservice, die ausdem Erfahrungsschatz im Lkw-Segment stammen.
Wechsel bei PSA und Renault
Wechsel von Kooperationspartnerschaften beim Bau von Transportern hat es 2016 gleich mehrere gegeben. So ist Fiat mit Einstellung des Scudo, der zusammen mitdem Peugeot Expert unddem Citroën Jumpy beim französischen PSA-Konzern gebaut wurde, zu Renault gewechselt. Der neue Fiat Talento rollt nun mitdem Renault Trafic, dem Nissan NV300 unddem Opel Vivaro vom Band. Die Lücke, die Fiat bei PSA hinterlassen hat, wird künftig von Toyota gefüllt. Die Japaner vertrauen bei ihrem neuen Proace auf das Know-how der Traditionsmarken Peugeot und Citroën.
Pick-up für Handwerk und Lifestyle
Für einen weiteren Trend im Jahr 2016 sorgten die Pick-ups, die offenbar immer beliebter werden. Das mag daran liegen, dass diese Fahrzeuggattung sowohl bei Gewerbetreibenden gut ankommt, aber auch im privaten Bereich stärker nachgefragt wird. Die Freizeitgesellschaft lässt grüßen. Ob Jäger oder Wassersportler, Reiter oder Abenteurer – der Handwerker ist längst nicht mehr der Einzige, der ein geländegängiges, kompaktes Pritschenfahrzeug mit Pkw-Niveau nachfragt.

So haben mit Fiat und Renault dieses Jahr zwei neue Anbieter einen Pick-up in Stellung gebracht. Beide bauen dabei ebenfalls auf Kooperationspartner mit langjähriger Erfahrung. Der neue Fiat Fullback ist eine Kopie des Mitsubishi L200. Renault lässt seinen Alaskan zusammen mitdem Nissan Navara fertigen.
Für das bevorstehende Jahr hat auch Mercedes-Benz einen Pick-up angekündigt. Zwei Konzeptcars der neuen X-Klasse haben die Schwaben schon präsentiert. Obwohl auch sie ihren Pick-up bei Nissan in Barcelona bauen lassen, wollen sie doch bei der Ausstattung die Akzente einer Premium-Marke setzen – auch das ein Trend, der schon in diesem Jahr zu beobachten war.
Um sich von den baugleichen Fahrzeugen der Kooperationspartner abzusetzen, versuchen die Automobilkonzerne mit speziellem Service oder Zusatzangeboten auf sich aufmerksam zu machen. So offeriert Nissan seinen neuen NV300 mit einer fünfjährigen Herstellergarantie, die bis zu einer Laufleistung von 160.000 Kilometer gilt. Das gab es für einen Transporter noch nie.