Die Metzgerei Glasauer verbindet traditionelles Metzgerhandwerk mit digitalem Verkauf. Über eine rund um die Uhr zugängliche Abholbox können Kunden ihre Bestellungen unabhängig von den Öffnungszeiten abholen. Metzgermeister Dominik Glasauer erklärt, worauf es bei der Umsetzung ankommt.

Dominik Glasauer ist 36 Jahre alt, gelernter Metzgermeister und technikbegeistert. Sein Ziel? Den Familienbetrieb, die Metzgerei Glasauer in Münnerstadt, fit für das digitale Zeitalter zu machen: "Mit wachsendem Geschäft wird die Nachfrage der Kunden größer. Um dem gerecht zu werden, haben wir begonnen, Prozesse zu automatisieren, um die Kundschaft auch außerhalb der Öffnungszeiten bedienen zu können."
Seit 2025 bietet die Metzgerei deshalb eine 24/7-Genussbox an, die die Abholung von Bestellungen auch sonntags oder nach Feierabend ermöglicht. Bestellen können die Kunden bequem über die zugehörige Genuss-App, die das gesamte Sortiment der Metzgerei abbildet.
Positives Feedback kommt nicht nur von der Kundschaft: 2026 wurde die Metzgerei Glasauer vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie als einer von sechs Betrieben landesweit zum "Digitalen Champion im bayerischen Handel" gekürt. Eine Auszeichnung, die sich auch auf den Arbeitsalltag auswirkt. "Pro Woche haben wir aktuell 50 bis 60 Bestellungen über die Genussbox. Die Nachfrage ist regelrecht explodiert, seitdem wir den Preis verliehen bekommen haben", sagt Dominik Glasauer.
Vorbereitung auf die Betriebsübernahme
Nicht nur die Begeisterung für Technik treibt Dominik Glasauer an, sondern auch der Blick in die Zukunft. Aktuell ist die Aufteilung im Betrieb Glasauer noch recht klassisch: Inhaber Stephan Glasauer ist stark in der Produktion präsent, kümmert sich um die Wurstwaren und den Fleischzuschnitt. Sohn Dominik organisiert das Catering und treibt die Digitalisierung voran: "Meine Eltern werden in den kommenden Jahren in Rente gehen und dann verteilt sich unser aktuelles Arbeitspensum nicht mehr auf drei Paar Schultern."
Deswegen möchte er automatisierte Lösungen schaffen, die sich langfristig positiv auf das Geschäft auswirken und die Arbeitsbelastung verringern. Die moderne Website der Metzgerei, die Genuss-App und die Anbindung an die 24/7-Genussbox hat er selbst entwickelt, ohne externen Dienstleister, dafür unter Zuhilfenahme von künstlicher Intelligenz.
Sparringpartner KI
Wenn er eine neue Idee hat, brainstormt er mit der KI: "Mein bester Tipp: sich die KI in solchen Fragestellungen zunutze zu machen." Dass er sich dafür Zeit nehmen kann, sieht er durchaus als Privileg: "Aktuell kann ich mir im Tagesgeschäft noch Freiräume schaffen, die ich nach der Betriebsübernahme vielleicht nicht mehr habe." Die 24/7-Genussbox vereinfacht vieles, bringt aber auch Herausforderungen mit sich. "Was wir unterschätzt haben, ist, dass man den Kundenkontakt ein Stück weit verliert", sagt Dominik Glasauer.
Um neue Kunden dennoch in Bezug auf die Produkte der Metzgerei an die Hand nehmen zu können, soll daher der KI-Chatbot "Glasi" einspringen, der seit Kurzem auf der Website der Metzgerei verfügbar ist. Glasi beantwortet Fragen zu den Öffnungszeiten, zum Mittagstisch oder zur Zubereitung bestimmter Fleischgerichte – schriftlich oder per Sprachausgabe. Trainiert wurde der Bot von Dominik Glasauer und seinem Team, damit er echtes Metzgerei-Fachwissen wiedergeben kann.

Mitarbeiter mitnehmen
Doch nicht nur der Kundenkontakt muss digital neu gedacht werden. Auch fürs Team ändert sich vieles, wenn Prozesse automatisiert werden. Dominik Glasauer ist bewusst, dass manche Mitarbeiter auf solche Veränderungen zunächst skeptisch reagieren: "Den Leuten genug Zeit zu geben, vernünftig zu planen und sie gut zu schulen, ist aus meiner Sicht das A und O. Dann klappt das auch mit der Einführung neuer Prozesse."
Gemeinsam Richtung Zukunft
In der Metzgerei Glasauer ist alles vernetzt. Die Bildschirme im Ladengeschäft in Münnerstadt werden automatisch mit Inhalten bespielt (beispielsweise dem Mittagsmenü der aktuellen Woche), zeitgleich werden passende Social-Media-Posts generiert und wenn ein Kunde über die Genuss-App bestellt, landet die Bestellung direkt auf Dominik Glasauers Smartphone.
Sein Rat an alle Handwerkerinnen und Handwerker, die ebenfalls digitaler werden möchten: "Klingelt einfach mal bei den Kollegen durch und geht in den direkten Austausch!" Praxisnäher könne man die Digitalisierung im Handwerk nicht vorantreiben, davon ist er überzeugt. Diese steht für ihn nicht im Widerspruch zum traditionellen Handwerk: "Die Digitalisierung gehört inzwischen zum Geschäft dazu, aber das Handwerk wird immer als Grundlage bestehen bleiben."