Mehr zu Hause, mehr zahlen? Tipps, wie Sie Stromkosten einsparen können

Wer viel Zeit zu Hause verbringt, verbraucht mehr Strom. Es gibt Möglichkeiten, diesen einzusparen – und nicht immer ist dafür erst mal die Investition in neue Geräte nötig.

Wer viel Zeit zu Hause verbringt, verbraucht mehr Strom. Mit einfachen Tricks, lässt sich dieser einsparen. - © lovelyday12 – stock.adobe.com

In jedem Haushalt gibt es Stromfresser, die uns das Geld aus der Tasche ziehen. Manche sind offensichtlich, andere sind versteckte Nimmersatte. Wer letztere entdeckt, kann viel sparen – und das häufig, ohne auf Komfort verzichten zu müssen.

Was sind die größten Stromverbraucher?

"Es sind nicht unbedingt der Kühlschrank oder die Waschmaschine, die den meisten Strom verbrauchen", berichtet Martin Brandis vom Energieteam der Verbraucherzentrale. "Das war in der Vergangenheit oft der Fall und trifft heute noch in Haushalten zu, die weiterhin ältere Geräte nutzen." Neuere Geräte sind energieeffizient.

Um ein Gefühl für den Verbrauch zu bekommen, ein paar Zahlen: Ein durchschnittlicher Drei-Personen-Haushalt in Deutschland verbraucht nach Angaben der Deutschen Energieagentur (Dena) im Jahr etwa 3.700 Kilowattstunden Strom. Für Informationstechnik gehen davon laut Branchenstatistiken (2019) 27 Prozent ab. Es folgen Kühl- und Gefriergeräte mit 17 Prozent, 13 Prozent nehmen Waschen und Trocknen in Anspruch, Kochen elf Prozent.

Welche Geräte hat man oft nicht im Blick beim Stromverbrauch?

"In den Haushalten gibt es immer mehr Elektronik, die ständig läuft", sagt Brandis. WLAN-Router zum Beispiel werden Tag und Nacht betrieben – sie zwischendurch auszuschalten, ist für die meisten keine Option.

"Aber man kann beim Router nicht benötigte Funktionen ständig oder zeitweise ausschalten", rät Brandis. "Das lohnt sich durchaus, denn ein Router mit zwölf Watt Dauerleistung verbraucht beispielsweise im Jahr etwa 105 Kilowattstunden." Sparsame Kühlschränke benötigen weniger.

Auch die Ladegeräte von Smartphones oder Laptops sind Stromfresser, wenn sie dauerhaft in der Steckdose sind. Tom Raulien, Projektleiter für den Dialog Energieeffizienz bei der Dena erklärt: "Ihr Stromverbrauch ist unter anderem daran erkennbar, dass sie warm werden. Hier empfiehlt es sich, konsequent den Stecker zu ziehen oder eine Mehrfachsteckdose mit Ein- und Ausschalter zu nutzen."

Und da ist in manchen Haushalten das eigentlich schon entsorgte alte Elektrogerät, das aber immer noch an der Steckdose hängt. Der Klassiker: Das alte Kühlgerät im Keller, "das für eine Party aktiviert und dann nie wieder ausgeschaltet wurde", sagt Claudia Oberascher von der Initiative Hausgeräte+.

Sind smarte Haushaltsgeräte stromsparend oder energieintensiver?

Sowohl als auch. Smarte Haushaltsgeräte benötigen einerseits aufgrund der umfangreicheren IT wie Modem, WLAN-Verstärker, etc. zusätzlichen Strom, erklärt Tom Raulien. "Andererseits bieten Smart-Home-Geräte verschiedene Optionen, um im Haushalt Strom zu sparen."

Laut einer Studie des Öko-Instituts im Auftrag der Verbraucherzentrale NRW steigt der Stromverbrauch für smarte Geräte je nach Komfort und Sicherheitsausstattung um drei bis maximal 19 Prozent an. Zugleich lassen sich zwischen neun Prozent Heizenergie in der Wohnung und 14 Prozent im Haus mit entsprechender Technik einsparen.

Wie kann man den Stromverbrauch der Geräte messen?

Es gibt Strommessgeräte zum Leihen, etwa bei einigen Stromanbietern und den Verbraucherzentralen (Angebot kann coronabedingt eingeschränkt sein). Das Messgerät wird einfach eine Zeit lang zwischen Steckdose und Elektrogerät gesteckt, wobei das nicht bei eingebauten Geräten wie Kühlschrank oder Ofen möglich ist. Auch in den Bedienungsanleitungen vieler Geräte steht, wie viel Strom sie durchschnittlich verbrauchen.

Wann ist es Zeit, sich ein neues Gerät anzuschaffen, um Strom zu sparen?

"Früher galt die Faustregel, dass Kühlschränke, Waschmaschinen und Co. etwa zehn Jahre nach der Anschaffung ausgetauscht werden sollten", sagt Claudia Oberascher. Denn es waren in der Zwischenzeit viel effizientere Geräte entwickelt worden, so dass sich die Neuanschaffung schnell amortisiert hat. "Das ist heute anders, die Entwicklungsschritte sind nicht mehr so groß. Ein Gerät, das vor zehn Jahren sparsam war, ist es heute auch noch."

In manchen Produktgruppen aber hat sich zuletzt noch viel getan: Bei Wäschetrocknern etwa kann es sinnvoll sein, ein älteres Gerät auszutauschen, weil sich eine neue Technik etabliert hat, sagt Martin Brandis. "Mit der Wärmepumpentechnik lässt sich der Stromverbrauch gegenüber den bisherigen Abluft- oder Kondenstrocknern mehr als halbieren."

Wie findet man sparsame Geräte?

Im Handel gibt das EU-Energielabel Auskunft über die Energieeffizienz. Doch da stehen aktuell Veränderungen an. Ab März 2021 wird für einige Hausgeräte ein neues Label eingeführt. Das betrifft die Produktgruppen Waschmaschinen, Waschtrockner, Fernsehgeräte, Geschirrspüler und Kühl- und Gefriergeräte.

Die Geräte werden dann in neue Effizienzklassen eingeteilt, die sich nur noch auf der Skala zwischen A (höchste Energieeffizienz) und G (niedrigste Energieeffizienz) bewegen. Die bisherigen Plusklassen A+ bis A+++ entfallen. Das kann dazu führen, dass ein Produkt aus der bisherigen Klasse A+++ bei gleichem Energieverbrauch zukünftig in die Klasse B oder C eingeordnet wird. dpa