Meldung und Bericht sind die häufigsten Darstellungsformen in Zeitungen sowie auf Online-Nachrichtenseiten. Diese Textformen folgen klaren Regeln. Meldungen liegt eine Information mit Neuigkeitswert zugrunde. Die längere Version der Meldung nennt man Bericht.

Nachrichtenfaktoren
Vor dem Abfassen einer Meldung oder eines Berichts ist folgende Frage zu klären:
- Hat ein Thema Neuigkeitswert? (Aktualität)
- Ist das Thema von Interesse? (Relevanz, Folgen)
- Enthält das Thema weitere Nachrichtenfaktoren? (Nähe, Gefühl, Prominenz, Konflikt, Abenteuer, Humor)
Aufbau
Für klassische Nachrichten und Kurzberichte typisch ist folgender Aufbau:
- Kernaussage
- Quelle
- Einzelheiten
- Hintergrund und Zusammenhänge
Bei klassischen Nachrichten oder Berichten nimmt die Wichtigkeit der Informationen im Verlauf des Textes ab.
W-Fragen
Die ersten Sätze müssen die wichtigsten W-Fragen beantworten: Wer? Was? Wann? Wo?
Danach werden weitere W-Fragen beantwortet: Warum? Wie? Womit?
Überschrift
Die Überschrift ist das wichtigste Element. Sie bringt die Geschichte auf den Punkt. Sie muss auf den ersten Blick auch ohne Dachzeile verständlich sein. Sie gibt die zentrale These oder einen spannenden Aspekt des Textes wieder.
Die Dachzeile/Unterzeile unterstützt die Hauptzeile und hilft, mehr W-Fragen zu beantworten. Sie liefert aber nur Zusatzinformationen und ordnet den Beitrag generell ein. In der Dachzeile/Unterzeile sollten keine Informationen stehen, die zum Verständnis des Textes unabdingbar sind. Dachzeile/Unterzeile knapphalten.
Sprache und Stil
- Kurz ist immer gut. Verwenden Sie kurze, geläufige Wörter; sie sind fast immer verständlicher und anschaulicher als lange
- Umgehen Sie Passivkonstruktionen; besser ist ein aktiver Satzbau (SPO: Subjekt, Prädikat, Objekt)
- Ersetzen Sie Substantive durch Verben. Mit Verben werden Texte konkret und anschaulich. Vermeiden Sie Substantivierungen und langgestreckte Verben. Sie machen Texte bürokratisch, steif und schwer verständlich
- Vermeiden Sie Behördendeutsch ("lethale Vergrämung"), Silbenschleppzüge (Wachstumsbeschleunigungsgesetz, Netzwerkdurchsetzungsgesetz, Lastwagenaufbautenhersteller) und Blähwörter (Nichtsdestotrotz, insbesondere)
- Die Hauptsache steht im Hauptsatz, nicht im Nebensatz. Das Wichtigste steht am Anfang
- Schachtelsätze werden aufgelöst. Mehr als 20 Wörter pro Satz vermeiden (verständlicher sind Sätze mit 10 bis 15 Wörtern)
- Vorsicht vor Verneinungen: "nicht" und "kein" vermeiden (besonders unverständlich: doppelte Verneinung "nicht unwesentlich")
- Meinung und Wertungen im Text vermeiden (nur, wenigstens, immerhin, behauptet)
- Indirekte Rede durch den Konjunktiv I richtig wiedergeben ("sei" statt "ist", "habe" statt "hat", "komme" statt "kommt")
- Hüten Sie sich vor Fremdwörtern (Kollateralschaden), Anglizismen (Handout, Task Force), Fachjargon
- Prüfen Sie Abkürzungen (KdF, Isaf) und altertümliche Wörter (Vettel, blümerant) auf Verständlichkeit
- Entfernen Sie Füllwörter (also, eigentlich, einigermaßen), Wortblähungen (verbringen, Räumlichkeiten),Doppelungen (vorprogrammiert, auseinanderdividieren), Phrasen (Abzuwarten bleibt, die Zeit wird es zeigen...) sowie überflüssige Adjektive
- Verwenden Sie Zitate nur dann, wenn sie für die Geschichte wichtig sind
- Ungern gesehen sind verbrauchte Metaphern (Die Besucherzahlen brachen alle Rekorde, Handwerk hat goldenen Boden)
- Verboten sind Ironie und schwammige Formulierungen ("das wohl schnellste", "die wohl schönste", "vor einiger Zeit")
- In Meldungen und Berichten haben Witze nichts verloren. Viele Leser verstehen keine Ironie
Quellen
Die genaue Prüfung von Quellen ist unabdingbar.
- Stimmen alle Informationen?
- Sind alle Informationsquellen genannt?
- Sind die Urheber von Zitaten genannt?
- Stimmen Titel, Vor, Zu- und Eigennamen von Personen?
- Sind alle Zahlenangaben schlüssig?
- Stimmen Rechtschreibung, Interpunktion und Grammatik?
Häufige Fehler
- Erster Satz im Imperfekt. Meldungen beginnen in der Regel im Präsens oder Perfekt
- Chronologische Reihenfolge ("Nach der Begrüßung durch Obermeister X und Bürgermeister Y wurde der Verstorbenen gedacht")
- Unwichtige und nebensächliche Informationen ("Es gibt eine kleine Bewirtung", "Den Jungen und Mädchen, die im Vorfeld ausdrücklich ihr Interessen an einer Teilnahme am Tag der offenen Tür bekundet und zugesagt hatten…")
- Floskeln ("Handwerk hat goldenen Boden", "Für Groß und Klein", "Für Jung und Alt") und abgegriffene Sprachbilder ("Spitze des Eisbergs")
- Überflüssige Anmoderationen ("Damit hatte keiner gerechnet: …", "Das Jubiläumsjahr ist ein ganz besonderes: …", "Überraschung bei der Meisterfeier: …")
- Anbiedernde und liebedienerische Adjektive ("sehr gelungene Veranstaltung", "kurzweiliger Mitmachtag", "stimmungsvolles Programm")
- Aufgeblähte Formulierungen ("einen Beschluss fassen" statt "beschließen", "Er gab seinem Bedauern Ausdruck" statt "bedauern")
Checkliste
Wortwahl und Satzbau
- Enthält der Text viele starke Verben?
- Wurden Substantivierungen vermieden?
- Sind die Fremdwörter verständlich und treffend?
- Werden Fachwörter erläutert?
- Sind Abkürzungen notwendig?
- Sind Abkürzungen eingeführt?
- Sind Silbenschleppzüge abgehängt?
- Ist der Text phrasen- und schwulstfrei?
- Wurden verbrauchte Bilder vermieden?
- Erfüllen die Adjektive ihre Funktion?
- Sind die Sätze klar gebaut?
- Steht die Hauptsache im Hauptsatz?
- Wird Passiv dort vermieden, wo es nicht notwendig ist?
- Sind die Verneinungen erforderlich und verständlich?
- Gibt es Redundanzen?
- Gibt es unnötige Einschübe?
- Gibt es weitschweifige Formulierungen?
Textaufbau
- Steht am Anfang das, was für die Leserinnen und Leser interessant ist?
- Steht das Was und Warum vor dem Wer und Wann?
- Beginnt der Text mit dem wichtigsten oder spannenden Aspekt?
- Löst der Text die Erwartungen ein?
- Kann der Text gekürzt, von überflüssigen Informationen befreit werden?
- Steht weder "im Rahmen“ noch “am" in der ersten Zeile?
- Ist die Überschrift griffig, informativ und kurz?
- Ist die Überschrift frei von Substantivierungen?
- Kommt die Überschrift ohne Passiv und überflüssige Artikel aus?
- Hält der Text, was die Überschrift verspricht?
- Ist der Text stimmig gegliedert, angemessen gestaltet?
- Stimmen Länge und Gewicht der Absätze?
- Sind die Textteile logisch verknüpft?
- Reihen sich die Gedanken logisch aneinander?
- Stimmen die Zeiten? (Text beginnt nie im Imperfekt, sondern immer Präsens oder Perfekt)
Literatur
La Roche, Walther, Hooffacker, Gabriele, Meier, Klaus: Einführung in den praktischen Journalismus. Wiesbaden 2013
Häusermann, Jürg: Schreiben. Konstanz 2008
Schneider, Wolf: Deutsch für Profis: Wege zu gutem Stil. München 2001
Widmann, Joachim: Die Nachricht. Journalisten-Werkstatt. Salzburg o.J. (www.newsroom.de)
Wolff, Volker: Zeitungs- und Zeitschriftenjournalismus. Konstanz 2011