Joachim Krause ist Pionier in Sachen Umweltschutz und Energieeffizienz im Betrieb. Jetzt ist der Textilreinigermeister aus dem oberfränkischen Rödental für den Energy Efficiency Award der Deutschen Energie Agentur (Dena) nominiert worden.
Frank Muck

Joachim Krause ist ein Datensammler. Der Textilreinigermeister bezeichnet sich gerne mal als Statistikverrückten. Krause sagt, er habe alle Betriebsdaten seines Coburger Handtuch- und Matten-Service (CHMS) aus den letzten 25 Jahren zur Verfügung. Das ist für den 62-Jährigen jedoch kein reiner Selbstzweck. Die Daten waren und sind immer Grundlage für das, was Krause in den letzten 25 Jahren an Umweltschutz und Verbrauchsoptimierung erreicht hat. Und sie sprechen für sich: 90 Prozent weniger Wasser, 80 Prozent weniger thermische Energie und 50 Prozent weniger Strom.
Für die ganzheitliche Betrachtung des Energieverbrauchs inklusive der Optimierung des Wärmebedarfs durch Kaskadennutzung des Waschwassers ist der CHMS jetzt für den Energy Efficiency Award der DENA (Deutsche Energie Agentur) nominiert worden und ist damit international unter den zwölf Besten. Krause rechnet sich gute Chancen aus, bei der Verleihung am 11. November unter die ersten Drei zu kommen.
Initialzündung war ein Firmenumzug
Angefangen hat alles mit dem Umzug 1990 von Coburg nach Rödental. Die alten Maschinen zogen mit um und wurden zuerst noch genutzt. Allerdings fing Krause damals auch an, die Verbrauchsdaten zu überprüfen und erkannte schnell das Potenzial. Schon zu jener Zeit ließ sich durch das Ersetzen veralteter Technik eine Menge Energie und Wasser sparen. Krause ersetzte beispielsweise die Waschtechnik durch Waschmaschinen, die über eine Wasserrückgewinnung verfügen. Es folgten einige Investitionen in umweltfreundliche und effiziente Technik, etwa die Installation einer neuen Heizanlage und ein Regenwasserauffangbecken.
"So gesellte sich ein Thema zum anderen und die Sache bekam eine gewisse Eigendynamik", erinnert sich Krause, der so viel Ehrgeiz bei dem Thema entwickelte, dass er einen eigenen – inzwischen patentierten – Trommelfilter erfand. Die Filter dienen dazu, das verwendete Waschwasser wieder aufzubereiten. Die Schwebstoffe werden herausgefiltert, um das Wasser für alle Wärmertauschertypen nutzbar zu machen. Qualitativ hochwertigeres Wasser kann außerdem besser im Prozess wiederverwendet werden. Verbrauchte CHMS 1990 noch 24 Kubikmeter Wasser pro Tonne Wäsche, so sind es heute nur noch 2,2 Kubikmeter.
Andere Betriebe profitieren von Krauses Arbeit
Krause verließ sich bei den Optimierungsmaßnahmen jedoch nicht nur auf sein eigenes Geschick, sondern baute Kontakte zur Technischen Hochschule in Nürnberg auf. Auch der Technologieberater der Handwerkskammer für Oberfranken Wolfgang Lautner unterstützte Krause bei der Ausarbeitung von langfristigen Energieverbrauchszielen. Lautner preist Krause als weitsichtigen Unternehmer. " Joachim Krause vereinigt in seiner Person einen Kaufmann und einen umweltengagierten Techniker", sagt der Verfahrensingenieur. Eine ganz seltene Kombination sei das. Es gebe auch heute kaum Unternehmer, die Ökonomie, Ökologie und soziale Betriebsführung auf diese Weise in Einklang bringen könnten.
Durch die Arbeit Joachim Krauses in Umweltausschüsssen des Deutscher Textilreinigungs-Verband (DTV) und anderen Verbänden profitierten weitere Unternehmen von seinen Kenntnissen. Krause fragte erst einmal die Verbrauchsdaten der Betriebe ab. Zum Teil lagen diese doppelt so hoch wie in seiner eigenen Firma zu ihren schlechtesten Zeiten. Da auch die Maschinentechnik deutlich verbessert wurde zu jener Zeit, konnten jedoch in den Betrieben maßgebliche Effizienzsteigerungen erzielt werden. Die durchschnittlichen Verbrauchswerte fielen von 24 Kubikmeter Wasser auf sieben bis zehn Kubikmeter pro Tonne Wäsche.
Mit Beraterfirma bleibt Krause seinem Steckenpferd treu
Wurde Krauses Engagement am Anfang noch mit Argwohn betrachtet, kommen heute die Inhaber schon allein wegen der hohen Energiekosten auf ihn zu, um nach Effizienzpotenzialen zu fragen. Inzwischen lassen sich nach Einschätzung von Krause zumindest in seinem Betrieb nur noch Einsparungen in homöopathischen Dosen erzielen. Dennoch bleibt er am Thema und arbeitet an der Optimierung der unterschiedlichen Betriebsteile.
Aus seinem eigenen Betrieb will er sich nach und nach zurückziehen, um die Geschäftsführung an seinen Sohn zu übergeben. In einer eigens gegründeten Beraterfirma bleibt er der energetischen Optimierung von Betrieben durch eine ganzheitliche Betrachtung seinem Steckenpferd Energie und Umwelt jedoch treu.