Kaufen oder Bauen? Vor dieser Frage steht jeder, der sich den Traum vom Eigenheim erfüllen will. Ein Neubau ist auch nach wenigen Jahren noch teurer als eine ältere Immobilie. So die Ergebnisse einer aktuellen Studie. Über 100.000 Euro müssen Käufer in manchen Regionen mehr bezahlen. Wo die Unterschiede am größten sind.

Wer ein Eigenheim möchte, rechnet, was sich am ehesten lohnt: Ein Neubau oder eine Bestandsimmobilie? Immobilienkäufer müssen zwischen Vor- und Nachteilen abwägen. Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat für den Postbank Wohnatlas die Angebote in 401 kreisfreien Städten und Landkreisen untersucht und gibt einen Überblick über die regionalen Preisabstufungen.
Bestandsimmobilien deutlich günstiger
In vielen Kreisen ist eine neue 70 Quadratmeter Wohnung, die nach 2013 gebaut wurde, wesentlich teurer als eine Bestandswohnung. Die Unterschiede sind teils gravierend: In 329 von 401 Kreisen kosten Neubauten über 50.000 Euro mehr. In etwa jedem fünften Kreis sind es sogar mehr als 100.000 Euro Differenz, unter anderem in Düsseldorf, Berlin, Köln und Frankfurt am Main. Der Spitzenreiter unter den Städten ist Stuttgart: Dort kostet eine Neubauwohnung 166.580 Euro mehr als eine vergleichbare aus dem Bestand.
Top 10 größte Preisdifferenz zwischen Neubau und Bestandsimmobilie
| Rang | S tadt/Kreis | Bundesland | Differenz in Euro |
| 1 | Stuttgart | Baden-Württemberg | 166.580 |
| 2 | Ludwigslust-Parchim | Mecklenburg-Vorpommern | 154.662 |
| 3 | Landkreis Leipzig | Sachsen | 150.512 |
| 4 | Lübeck | Schleswig-Holstein | 142.527 |
| 5 | Meißen | Sachsen | 141.135 |
| 6 | Stadt Hof | Bayern | 136.366 |
| 7 | Starnberg | Bayern | 135.693 |
| 8 | Krefeld | Nordrhein-Westfalen | 135.526 |
| 9 | Teltow-Fläming | Brandenburg | 135.505 |
| 10 | Garmisch-Partenkirchen | Bayern | 135.260 |
Preisdifferenz Neubau zu Altbau in den "Big Seven" der deutschen Städte
| Rang | Stadt | Preisdifferenz in Euro |
| 1 | Stuttgart | 166.580 |
| 2 | Düsseldorf | 120.211 |
| 3 | Berlin | 108.500 |
| 4 | Köln | 104.353 |
| 5 | Frankfurt am Main | 100.613 |
| 6 | München | 82.431 |
| 7 | Hamburg | 71.454 |
Durchschnittlich sind Bestandswohnungen 86.500 Euro günstiger als ein Neubau. "Wenn die Preisdifferenz zwischen Bestands- und Neubau bei einem nach Lage und Ausstattung vergleichbarem Objekt allerdings deutlich darüber liegt, ist Vorsicht geboten", sagt Jörg Koschate, Vorstand Produkte der BHW Bausparkasse. Dann müssen Besitzer oft noch besonders viel in die Sanierung investieren, auch wenn die Immobilie augenscheinlich gut aussieht. Will der Käufer sicher gehen, sollte er einen professionellen Gutachter den Zustand der Wohnung prüfen lassen.
Bessere Energieeffizienz bei Neubauten
Aber auch bei durchschnittlichen Bestandsbauten müssen Käufer mit Sanierungsmaßnahmen rechnen. Vor allem Energiesparmaßnahmen und Modernisierungsarbeiten an der Haustechnik sollten die neuen Eigentümer einkalkulieren. Die Energieeffizienz alter Immobilien liegt meist deutlich unter der eines Neubaus und macht sich bei den Heizkosten finanziell bemerkbar.
Wo die Preisunterschiede zwischen einer neuen Wohnung und einer vergleichbaren Bestandswohnung gering sind, kann es deswegen sinnvoll sein, sich für einen Neubau zu entscheiden. Neben einer besseren Energieeffizienz besteht in der Regel auch eine längere Gewährleistung auf Baumängel.
Preisunterschied in Metropolen und Städten besonders groß
"Neubau entsteht vor allem da, wo Platz ist", erklärt Koschate. Die Preisschere zwischen Neu- und Bestandsbau ist deswegen vor allem in Gegenden mit einem hohen Anteil an "echten" Altbauwohnungen mit Baujahr vor 1979 deutlich. Trotzdem können Altbauten in diesen Gegenden mit einer guten Lage und Infrastruktur punkten.
Top 10 Regionen mit überdurchschnittlich altem Immobilienbestand
| Rang | S tadt/Kreis | Bundesland | Anteil Immobilien vor 1979 |
| 1 | Stadt Pirmasens | Rheinland-Pfalz | 86,1 Prozent |
| 2 | Stadt Bremerhaven | Niedersachsen | 86,0 Prozent |
| 3 | Stadt Essen | Nordrhein-Westfalen | 85,7 Prozent |
| 4 | Stadt Gelsenkirchen | Nordrhein-Westfalen | 85,1 Prozent |
| 5 | Stadt Wilhelmshaven | Niedersachsen | 84,4 Prozent |
| 6 | Stadt Wuppertal | Nordrhein-Westfalen | 83,9 Prozent |
| 7 | Stadt Herne | Nordrhein-Westfalen | 83,4 Prozent |
| 8 | Stadt Braunschweig | Niedersachsen | 83,3 Prozent |
| 9 | Hagen | Nordrhein-Westfalen | 83,2 Prozent |
| 10 | Duisburg | Nordrhein-Westfalen | 82,9 Prozent |
Besonders alt ist der Immobilienbestand zum Beispiel im südlichen Niedersachsen, im Ruhrgebiet, im Saarland und in den östlichen Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. In Metropolen und Städten machen Bestandsbauten einen Anteil von mehr als 70 Prozent am gesamten Wohnungsbestand aus. In vielen Kreisen Bayerns, im nördlichen Niedersachsen und im Umland von Berlin sind hingegen mehr als 40 Prozent der Wohnungen erst nach 1978 entstanden.
Top 10 Regionen mit überdurchschnittlich jungem Immobilienbestand
| Rang | S tadt/Kreis | Bundesland | Anteil Immobilien ab 1979 |
| 1 | Erding | Bayern | 56,1 Prozent |
| 2 | Cloppenburg | Niedersachsen | 56,0 Prozent |
| 3 | Vechta | Niedersachsen | 54,5 Prozent |
| 4 | Freising | Bayern | 54,3 Prozent |
| 5 | Emsland | Niedersachsen | 53,2 Prozent |
| 6 | Pfaffenhofen an der Ilm | Bayern | 52,5 Prozent |
| 7 | Landshut | Bayern | 51,7 Prozent |
| 8 | Eichstätt | Bayern | 51,1 Prozent |
| 9 | Landsberg am Lech | Bayern | 51,1 Prozent |
| 10 | Regensburg | Bayern | 50,7 Prozent |
jk