Haftbefehle erlassen - Auftrag für Sprengstoffattentat "von hochrangigem Al-Kaida-Mitglied erhalten" Terrorverdächtige planten offenbar blutigen Anschlag in Deutschland

Die drei am Freitag festgenommenen mutmaßlichen Al-Kaida-Terroristen haben nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft einen blutigen Splitterbomben-Anschlag in Deutschland geplant. Ein konkretes Ziel habe es aber nicht gegeben, sagte Bundesanwalt Rainer Griesbaum am Samstag in Karlsruhe. Die Männer seien beim Bau des Sprengsatzes "noch in der Experimentierphase" gewesen.

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Terrorverdächtige planten offenbar blutigen Anschlag in Deutschland

Karlsruhe (dapd). Die drei am Freitag festgenommenen mutmaßlichen Al-Kaida-Terroristen haben nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft einen blutigen Splitterbomben-Anschlag in Deutschland geplant. Ein konkretes Ziel habe es aber nicht gegeben, sagte Bundesanwalt Rainer Griesbaum am Samstag in Karlsruhe. Die Männer seien beim Bau des Sprengsatzes "noch in der Experimentierphase" gewesen. Nach BKA-Angaben hätte Düsseldorf ein Anschlagsziel sein können. Dort und in Bochum waren die drei verhaftet worden. Gegen das Trio wurde Haftbefehl erlassen.

Den Angaben zufolge wurde die Kommunikation der Männer überwacht. Dabei hätten sie davon gesprochen, dass man in einer größeren Menschenmenge einen mit Metallteilen versetzten Sprengsatz zur Explosion bringen könne, hieß es. Zudem sei davon die Rede gewesen, eine Bushaltestelle oder einen Bus ins Visier zu nehmen. Der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, sagte dazu, Veranstaltungen im Großraum Düsseldorf hätten ein "potenzielles Ziel" sein können. Am 14. Mai wird in der Düsseldorf Arena das Finale des "Eurovision Song Contest" ausgetragen.

Gegen den Hauptbeschuldigten Abdeladim El-K. erließ der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) zuerst Haftbefehl. Der 29-Jährige sei dringend verdächtig, als Mitglied der ausländischen terroristischen Vereinigung Al Kaida einen Terroranschlag in Deutschland geplant zu haben.

Später wurde auch gegen die beiden anderen Verdächtigen - den 19-jährigen Deutsch-Iraner Amid C. und den 31-jährigen Deutsch-Marokkaner Jamil S. - Haftbefehl erlassen und Untersuchungshaft angeordnet, wie ein Sprecher der Bundesanwaltschaft sagte.

Wasserstoffperoxid und Aceton sollte beschafft werden

Der Zugriff erfolgte am Freitag, als zwei der Verdächtigen den Angaben zufolge in einer Wohnung in Düsseldorf versuchten, aus Grillanzündern Hexamin zu gewinnen. Offenbar hatten sie vor, Wasserstoffperoxid und Zitronensäure mit Hexamin zu mischen, um einen "Zünder für eine Bombe" zu bauen.

Der mutmaßliche Anführer des Trios - der 29 Jahre alte Marokkaner Abdeladim El-K. - soll bereits im Frühjahr 2010 von einem hochrangigen Al-Kaida-Mitglied den Auftrag erhalten haben, in Deutschland einen Sprengstoffanschlag zu verüben, erklärte Griesbaum, der Leiter der Abteilung Terrorismus bei der Bundesanwaltschaft ist.

Laut Bundesanwaltschaft begannen die drei Beschuldigten dann im Dezember 2010 mit konkreten Anschlagsvorbereitungen, indem sie sich im Internet Anleitungen zur Herstellung von Sprengstoffen und Zündern besorgten. Außerdem hätten sie sich mit den Sicherheitsvorkehrungen an öffentlichen Gebäuden, Flughäfen und Bahnhöfen befasst. Zudem hätten sie nach Wegen gesucht, Wasserstoffperoxid, Aceton und weitere Materialien für die Herstellung von Sprengstoff zu beschaffen.

BKA-Präsident: Keine endgültige Entwarnung

Nach Darstellung von BKA-Präsident Ziercke ist es mit der Festnahme gelungen, ein vom Ausland gesteuertes, mutmaßlich terroristisches Netzwerk "aufzuklären". Er gehe davon aus, dass insgesamt sieben bis acht Personen diesem Netzwerk angehörten. Eine "endgültige Entwarnung" könne deshalb nicht gegeben werden.

Der Hauptbeschuldigte Abdeladim El-K. - ein ehemaliger Student von technischen Fächern in Bochum - soll Anfang 2010 von Deutschland aus in ein Lager der Al-Kaida im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet gereist sein. Nach einer Ausbildung im Umgang mit Waffen und Sprengstoff soll er im Frühjahr 2010 dann den Anschlagsauftrag erhalten haben. Im Mai 2010 sei er nach Deutschland zurückgekehrt. Bei der Anschlagsvorbereitung habe er die ihm seit längerer Zeit bekannten Jamil S. und Amid C. in die Umsetzung der Attentatspläne eingebunden. Der 31-jährige Jamil S. arbeitete den Angaben zufolge zuletzt als Elektriker bei Zeitarbeitsfirmen, der 19-jährige Amid C. stand kurz vor dem Abitur.

Jamil S. sollte den Ermittlungen zufolge für die notwendigen finanziellen Mittel sorgen. Außerdem habe er falsche Ausweispapiere für Adeladim El-K. beschaffen sollen. Amid C. sei dafür verantwortlich gewesen, die "verschlüsselte und konspirative Kommunikation" untereinander sicherzustellen. Laut Ziercke war es den Behörden jedoch mit umfangreichen, monatelangen Überwachungsmaßnahmen gelungen, den mutmaßlichen Terroristen auf die Spur zukommen.

dapd