Auftrag für Sprengstoffattentat "von hochrangigem Al-Kaida-Mitglied erhalten" Terrorverdächtige planten offenbar Anschlag auf größere Menschenmenge

Die am Freitag in Nordrhein-Westfalen festgenommenen Terrorverdächtigen haben nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft im Auftrag von Al Kaida einen Sprengstoffanschlag in Deutschland geplant. Ein konkretes Anschlagsziel hätten sie aber noch nicht im Blick gehabt, sagte Bundesanwalt Rainer Griesbaum am Samstag vor Journalisten in Karlsruhe.

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Terrorverdächtige planten offenbar Anschlag auf größere Menschenmenge

Karlsruhe (dapd). Die am Freitag in Nordrhein-Westfalen festgenommenen Terrorverdächtigen haben nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft im Auftrag von Al Kaida einen Sprengstoffanschlag in Deutschland geplant. Ein konkretes Anschlagsziel hätten sie aber noch nicht im Blick gehabt, sagte Bundesanwalt Rainer Griesbaum am Samstag vor Journalisten in Karlsruhe. Die drei mutmaßlichen Mitglieder der Terrororganisation Al-Kaida seien beim Bau eines Sprengsatzes "noch in der Experimentierphase" gewesen.

Sie hätten aber in ihrer überwachten Kommunikation davon gesprochen, dass man in einer größeren Menschenmenge einen mit Metallteilen versetzten Sprengsatz zur Explosion bringen könne. Zudem sei davon die Rede gewesen, eine Bushaltestelle oder einen Bus ins Visier zu nehmen - also "weiche Ziele".

Der festgenommene mutmaßliche Anführer des Trios - der 29 Jahre alte Marokkaner Abdeladim El-K. - soll bereits im Frühjahr 2010 von einem hochrangigen Al-Kaida-Mitglied den Auftrag erhalten haben, in Deutschland einen Sprengstoffanschlag zu verüben. Die Al-Kaida-Führung in Afghanistan verfolge spätestens seit Anfang 2010 das Ziel, in Europa, einschließlich Deutschland, Terroranschläge zu verüben. Diese sollten sich den Erkenntnissen zufolge "gegen repräsentative Gebäude und größere Menschenmengen" richten, sagte Griesbaum, der Leiter der Abteilung Terrorismus bei der Bundesanwaltschaft ist.

Laut Bundesanwaltschaft begannen die drei Beschuldigten im Dezember 2010 mit konkreten Anschlagsvorbereitungen, indem sie sich im Internet Anleitungen zur Herstellung von Sprengstoffen und Zündern besorgten. Daneben hätten sie sich mit den Sicherheitsvorkehrungen an öffentlichen Gebäuden, Flughäfen und Bahnhöfen befasst. Zudem hätten sie nach Wegen gesucht, Wasserstoffperoxid, Aceton und weitere für die Herstellung von Sprengsätzen nötige Materialien zu beschaffen. Die Männer waren in Düsseldorf und Bochum festgenommen worden.

Gegen den Hauptbeschuldigten Abdeladim El-K. erließ der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) am Samstagvormittag Haftbefehl. Der 29-Jährige sei dringend verdächtig, als Mitglied der ausländischen terroristischen Vereinigung Al Kaida einen Terroranschlag in Deutschland geplant zu haben.

Über die Haftbefehle gegen die beiden anderen Terrorverdächtigen wollte der BGH-Ermittlungsrichter erst im Laufe des Samstags entscheiden, wie ein Sprecher der Bundesanwaltschaft sagte. Dabei handele es sich um den 31-jährigen Deutsch-Marokkaner Jamil S. und den 19-jährigen Deutsch-Iraner Amid C.

Der Zugriff erfolgte am Freitag, als Abdeladim El-K. und Jamil S. in einer Wohnung in Düsseldorf versucht hätten, aus Grillanzündern Hexamin zu gewinnen. Es sei vorgesehen gewesen, Wasserstoffperoxid und Zitronensäure mit Hexamin zu mischen, um so einen "Zünder für eine Bombe" zu erhalten. Bei der Festnahme sei Abdeladim El-K. mit einem Messer auf einen Einsatzbeamten losgegangen, habe aber überwältigt werden können. Insgesamt seien 108 Kräfte von BKA, GSG 9 und der Polizei in NRW bei dem Zugriff im Einsatz gewesen.

Nach Darstellung von BKA-Präsident Jörg Ziercke ist es gelungen, ein vom Ausland gesteuertes, mutmaßlich terroristisches Netzwerk "aufzuklären". Er gehe davon aus, dass insgesamt sieben bis acht Personen diesem Netzwerk angehörten. Eine "endgültige Entwarnung" könne deshalb nicht gegeben werden.

Der Hauptbeschuldigte Abdeladim El-K. soll Anfang 2010 von Deutschland aus in ein Lager der Al Kaida im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet gereist sein. Nach einer Ausbildung im Umgang mit Waffen und Sprengstoff soll er im Frühjahr 2010 dann den Anschlagsauftrag erhalten haben. Im Mai 2010 sei er nach Deutschland zurückgekehrt. Bei der Anschlagsvorbereitung habe er die ihm seit längerer Zeit bekannten Jamil S. und Amid C. in die Umsetzung der Attentatspläne eingebunden.

Jamil S. sollte den Ermittlungen zufolge für die notwendigen finanziellen Mittel sorgen. Außerdem habe er falsche Ausweispapiere für Adeladim El-K. beschaffen sollen. Amid C. sei dafür verantwortlich gewesen, die "verschlüsselte und konspirative Kommunikation" untereinander sicherzustellen. Laut Ziercke war es den Behörden jedoch mit umfangreichen, monatelangen Überwachungsmaßnahmen gelungen, den mutmaßlichen Terroristen auf die Spur zukommen.

dapd