Von Karin Birk
Terrordrohung
Eine besinnliche Adventszeit sieht anders aus: Nach der Terrorwarnung von Innenminister Thomas de Maizière patroullieren Sicherheitskräfte verstärkt über Weihnachtsmärkte, sichern Bundespolizisten Berlins Hauptbahnhof, schützen Uniformierte den Reichstag. Im Gebäude debattieren die Abgeordneten über den Haushalt 2011. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) geht auf die erschwerten Arbeitsbedingungen ein. Der Bundestag werde sich von nichts und niemandem an der Wahrnehmung seiner Aufgaben hindern lassen. Die Debatte selbst verläuft nach dem üblichen Muster. Die Koalition verteidigt ihre Pläne. Die Opposition kritisiert sie als ungerecht und unsozial.
Der Innenminister, der nach eigenem Bekunden nicht allzu viel davon hält, immer wieder neue Terrorwarnungen in die Welt zu setzen, hatte es zuvor als notwendig angesehen, auf die erhöhte Gefahrenlage hinzuweisen. Er sprach von konkreten Hinweisen, dass ein Anschlag Ende November in Deutschland geplant sei: „Es gibt Grund zur Sorge, aber keinen Grund zur Hysterie.“ Er erinnerte an die versuchten Anschläge auf den internationalen Frachtflugverkehr von Ende Oktober. Sie waren nur dank der guten Zusammenarbeit der Geheimdienste rechtzeitig aufgedeckt worden. Nun ist die Rede von einem möglichen „Mumbay-Angriff“. Vor zwei Jahren hatten in der indischen Metropole eingeschleuste Terroristen ein Luxushotel, ein Krankenhaus, einen Bahnhof und eine jüdische Einrichtung gestürmt und etwa 170 Menschen getötet. Als mögliche Anschlagsorte wurden Berlin, Hamburg, München und das Ruhrgebiet genannt.
In der Hauptstadt bemüht man sich um Normalität in diesen bedrohlichen Zeiten. Auf dem Arbeitgebertag spricht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wie geplant vor Spitzenkräften aus der Wirtschaft. Sie nährt in ihrer Rede die Hoffnung der Arbeitgeber, dass der Grundsatz „ein Betrieb, ein Tarifvertrag“ wieder gesetzlich festgeschrieben wird. Ein lohnendes Ziel aus Sicht von potenziellen Attentätern ist auch das Hotel Adlon beim Brandenburger Tor, dort gibt es ein Spitzentreffen, an dem neben Merkel der russische Ministerpräsident Vladimir Putin teilnimmt.
Das gesellschaftliche Ereignis „Bundespresseball“ mit rund 2.500 Gästen findet ebenfalls unter dem Eindruck verstärkter Sicherheitsbemühungen statt. Selten hat man das Bundespräsidentenpaar von so vielen Bodygards umringt tanzen sehen. Auf dem Parkett waren mehr gut gebaute junge Männer als üblich.
Der eine oder andere Prominente soll den Ballabend in letzter Minute abgesagt haben. Die, die sich nicht abschrecken ließen, wurden abseits der Tanzfläche mit weniger Gedränge belohnt.