Trends der CeBIT Technik, die das Handwerk verändern wird

Implantate, die Türen öffnen, oder Zahnersatz aus dem Drucker – die Computermesse CeBIT zeigt Technologien, die neue Arbeitsprozesse im Handwerk entstehen lassen.

Steffen Guthardt

Für autonome und ferngesteuerte Fluggeräte hat die CeBIT 2016 gleich eine Messehalle reserviert - © CeBIT

Unter dem Motto "d!conomy" hat die Computermesse CeBIT zu ihrem 30-jährigen Jubiläum die Digitalisierung der ganzen Wirtschaft und Gesellschaft in den Mittelpunkt gerückt.

Fünf Messetrends im Überblick, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten auch das Handwerk nachhaltig beeinflussen werden .

Drohnen

Für autonome und ferngesteuerte Fluggeräte hat die CeBIT 2016 gleich eine Messehalle reserviert, was den Stellenwert der Technik unterstreicht. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Die Schweiz – Partnerland der CeBIT in diesem Jahr – will die Drohnen künftig als fliegende Paketboten einsetzen. Mithilfe von Drohnen könnten aber z.B. auch Flüchtlinge im Mittelmeer geortet und mit Hilfsmitteln versorgt werden. Eine Drohne mit Gestensteuerung hat die Hochschule RheinMain (Wiesbaden/Rüsselsheim) vorgestellt. Eine Kombination aus Kamera und Bewegungssensoren ermöglicht es, die Drohne nur durch Handbewegungen zu steuern.

Auch im Handwerk werden Drohnen künftig verstärkt in Arbeitsprozesse integriert. Beispielsweise können im Bauhandwerk ganze Gebäude durch Luftaufnahmen der Drohnen schneller als bisher fotografiert und vermessen werden.

3D-Druck

Welche Möglichkeiten 3D-Drucktechnik für die Wirtschaft bietet, zeigt unter anderem das Techologie-Start-up BigRep. Der 29.000 Euro teure 3D-Drucker des Unternehmens verfügt über ein Arbeitsvolumen von 1,3 m³ und kann damit Möbelstücke wie Tische und Stühle an einem Stück ausdrucken. Auf der Messe wurde sogar eine 1,7 Meter hohe Rakete ausgedruckt .

Weniger spektakulär, aber nicht minder bedeutend ist der Einfluss, den der 3D-Druck auf die Arbeitsprozesse im Handwerk nimmt. In der Kfz-Branche entstehen bereits Prototypen von Automobilen am Drucker. Und bei den Zahntechnikern wird sich die Arbeitsweise durch die 3D-Technik nachhaltig verändern. Zahnersatz könnte künftig komplett von 3D-Druckern hergestellt werden. Bernhard Rohleder, Geschäftsführer des Branchenverbandes Bitkom, gibt eine düstere Prognose für das Handwerk ab. So könnte es in zehn Jahren keine Zahntechniker mehr geben und die gesamte Arbeit wird von den Maschinen erledigt.

Biohacking

Menschen werden zu Cyborgs: Was früher nur in Science-Fiction-Filmen funktioniert hat, wird immer mehr zur Realität. Auf der CeBIT demonstrierten mehrere Aussteller, wie sich Chip-Implantate ohne große Operation unter die Haut pflanzen lassen. Der Chip, der von einer kleinen Kapsel umhüllt ist, kann z.B. zwischen Daumen und Zeigefinger in die Hand "gespritzt“" werden. Im so genannten "Smart Home" – durch Elektronik vernetzte Wohnräume – dient der Chip zur Identifizierung von Personen und damit als Zugangskontrolle. Auch in anderen sensiblen Bereichen der IT-Sicherheit – z. B. bei kontaktlosen Bezahlverfahren – können die Chips zum Einsatz kommen.

Biohacking wird vor allem für das elektro- und informationstechnische Handwerk künftig eine Rolle spielen. Betriebe müssen sich neues Fachwissen für die ablaufenden Prozesse zwischen Gebäudetechnik und Chiptechnologien aufbauen. Auch für die Gesundheitshandwerke könnte die Technik wichtig werden, z. B. der Einsatz von Chiptechnologien im Augenoptiker- oder Hörgeräteakustiker-Handwerk.

5G-Netze

Während viele Handwerksbetriebe in Deutschland noch auf eine Versorgung mit Breitband-Internet warten, wurde auf der CeBIT schon der nächste Standard für das Mobilfunknetz vorgestellt. 5G-Netze sollen es ermöglichen, bis zu 15 Gigabit pro Sekunde zu senden. Zum Vergleich: Mit der heutigen LTE-Technik ist nur eine Geschwindigkeit von 300 MBit/Sekunde möglich.

Profitieren könnte vom 5G-Netz unter anderem das Bauhandwerk. Digitale Arbeitsmappen, die den Baufortschritt dokumentieren, könnten binnen weniger Sekunden zu Architekten und Bauherren gesendet werden. Das könnte vor allem Bauplanungen mit moderner Software – das sogenannte Building Information Modelling – deutlich beschleunigen.

Autonomes Fahren

Auf deutschen Straßen sind selbstfahrende Autos noch Zukunftsmusik. Doch mehrere Hersteller arbeiten daran, die Vision schnellstmöglich Realität werden zu lassen. Der Internetkonzern Google testet schon seit längerem unbemannte Fahrzeuge im amerikanischen Straßenverkehr. Und auch die deutschen Autobauer wollen den Trend nicht verschlafen. Audi ließ bereits einen Wagen mit Journalistenvertretern 900 Kilometer durch die Wüste von Nevada selbstfahren und Daimler testet in den USA selbstfahrende Lastwagen.

Zulieferer aus dem Kfz-Handwerk, aber auch Reparaturwerkstätten werden künftig verstärkt digitale Arbeitsprozesse anwenden müssen – das Auto wird zum fahrenden Computer. Das dürfte sich mittelfristig noch mehr auf die Ausbildungsinhalte im Kfz-Handwerk auswirken.