Abschaltung aller Atomkraftwerke gefordert - Protest gegen CO2-Speicherung im Oderbruch Tausende bei Ostermärschen in Berlin und Brandenburg

Bei Ostermärschen haben über die Feiertage auch in Berlin und Brandenburg Tausende für Frieden und gegen Atomkraft demonstriert. Rund 4.000 Menschen gingen nach Veranstalterangaben am Samstag beim Berliner Ostermarsch 2011 auf die Straße. Redner forderten die Ächtung von Atomwaffen und die Abschaltung aller Atomkraftwerke.

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Tausende bei Ostermärschen in Berlin und Brandenburg

Berlin/Neutrebbin/Frankfurt (Oder) (dapd-lbg). Bei Ostermärschen haben über die Feiertage auch in Berlin und Brandenburg Tausende für Frieden und gegen Atomkraft demonstriert. Rund 4.000 Menschen gingen nach Veranstalterangaben am Samstag beim Berliner Ostermarsch 2011 auf die Straße. Redner forderten die Ächtung von Atomwaffen und die Abschaltung aller Atomkraftwerke. Im Oderbruch-Ort Neutrebbin protestierten laut Veranstaltern rund 500 Demonstranten gegen die geplante Speicherung von Kohlendioxid. In Frankfurt (Oder) zogen am Sonntag rund 70 Menschen vom Sowjetischen Ehrenmal zur Friedenskirche.

Zur Berliner Demonstration aufgerufen hatten Friedensaktivisten und Mitglieder der Anti-Atomkraft-Bewegung. Demonstranten hatten Fahnen mit der Aufschrift "Atomkraft? Nein Danke" mitgebracht. Die zentralen Forderungen des Ostermarsches 2011 lauteten "Raus aus Afghanistan", "Ächtung aller Atomwaffen" und "Abschaltung aller Atomkraftwerke sofort". Darüber hinaus wurde die Europäische Union nach Veranstalterangaben aufgefordert, keinen Cent mehr für die Förderung von Atomtechnologie auszugeben.

Auf Plakaten der Berliner Demonstranten war unter anderem zu lesen "Zivilisten in Libyen vor der NATO schützen", "Stoppt die kriminelle Aggression gegen Libyen" und "Vernichtet die NATO, nicht Muammar Gaddafi". Bestürzung über diese Slogans zeigte ein Passant, der am Rande der Demonstration Flugblätter verteilte, auf denen er zur Solidarität mit den Freiheitsbewegungen in den arabischen Staaten aufrief.

Die Demonstration hatte vor der Hauptstadt-Zentrale des Energieversorgers Vattenfall an der Chausseestraße in Mitte begonnen und war zum Potsdamer Platz gezogen. An der Route lagen die Dependancen der Energiekonzerne EnBW, RWE und E.ON sowie die Botschaften der Atommächte Russland, Großbritannien, Frankreich und USA.

In Neutrebbin setzten die aus Brandenburg und Berlin kommenden Teilnehmer mit einem rund einen Kilometer langen Marsch und einem anschließenden Osterfeuer ein Zeichen gegen geplante CO2-Endlager. "Die Kundgebung ist ein klares Signal an die Brandenburger Landesregierung, dass die Menschen in Ostbrandenburg die CO2-Verpressung ablehnen", sagte Ulf Stumpe von der Bürgerinitiative "Contra Endlager". Auch der Bundestagsabgeordnete Hans-Georg von der Marwitz (CDU) und die Landtagsabgeordnete Sabine Niels (Grüne) sprachen sich gegen die CO2-Verpressung aus.

Der Energiekonzern Vattenfall erprobt in der Lausitz die sogenannte CCS-Technologie zur Abscheidung von Kohlendioxid bei der Kohleverstromung. Zur Speicherung des CO2 sollen zwei mögliche unterirdische Lagerstätten in Ostbrandenburg erkundet werden. Dagegen gibt es starken Widerstand in den betroffenen Regionen.

Der Protestzug in Frankfurt (Oder) stand unter dem Motto "Über Krieg führt kein Weg zum Frieden". "Man kann mit Krieg und Rüstung keinen Frieden schaffen", sagte Initiator Reinhard Schülzke vom Frankfurter Friedensnetz. Die Teilnehmer forderten daher eine sofortige Beendigung des NATO-Einsatzes gegen Libyen und den Abzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan. Der Einsatz in Libyen könne keinen Frieden schaffen, sondern bedrohe die Zivilbevölkerung, sagte Schülzke. Diese Form der Konfliktbewältigung sei ein Irrweg.

Das Friedensnetz sprach sich für den sofortigen Beginn des Abzugs der Bundeswehr aus Afghanistan aus. Die frei werdenden Gelder sollten eingesetzt werden, um die Lebensbedingungen der afghanischen Bevölkerung zu verbessern. Darüber hinaus wurde auch eine Abkehr von der Energiegewinnung durch Atomkraft gefordert.

dapd