Energie- und Wärmewende Taskforce Gebäudetechnik: Klimahandwerke schließen sich zusammen

PV-Anlagen, Wärmepumpen, Stromspeicher und Wärmedämmverbundsysteme, Förderkredite, Zuschüsse, Steuerboni und Einbaupflichten – wer sich um die Energie- und Wärmewende kümmert, muss technisch und politisch auf dem neuesten Stand sein. Beteiligt sind daran auch mehrere Handwerksbranchen, die sich nun zusammengeschlossen haben. Als Taskforce Gebäudetechnik treten sie mit einer gemeinsamen Stimme in die Öffentlichkeit. Sie fordern klare und verbindliche Rahmenbedingungen von der Politik.

Taskforce Gebäudetechnik
Taskforce Gebäudetechnik: Moderne und intelligente Gebäudetechnik ist ein unverzichtbares Kernelement auf dem Weg zu einem klimaneutralen Gebäudebestand. - © Frank Gärtner – stock.adobe.com / mit KI generiert

Es ist erst ein paar Jahre her, als sich das Elektrohandwerk mit dem Dachdeckerhandwerk zusammengeschlossen hat, um gemeinsam den Solarausbau voranzubringen. Die damals geschlossene Kooperation der beiden Zentralverbände der Branche setzte vorrangig in der Praxis an: mit gezielten Weiterbildungen für die Beschäftigten, einer gemeinsamen Plattform zur Vernetzung der Betriebe und auch damit, über Themen rund um die Solartechnik aufzuklären, damit beide Branchen noch besser in der Lage sind, gewerkeübergreifend zu arbeiten. Die Montage von PV-Anlagen auf Dächern erfordert von beiden das entsprechende Know-how.

Taskforce Gebäudetechnik: Mehr Zusammenarbeit und eine gemeinsame Stimme

Mit dem Voranschreiten der Energie- und Wärmewende und auch dem Bedarf, sowohl neue Techniken, Verfahren und Materialien in die Praxis zu bringen, werden Zusammenschlüsse wie das oben genannte immer wichtiger. Ob im Neubau oder bei umfassenden energetischen Sanierungen ist die Abstimmung von Heizungs- und elektrischer Steuerungstechnik, von Dämmstärken und dem Berechnen von Energiebedarfen und vielem mehr heute zentral. Nur so können Vorgaben etwa des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) und auch die Klimaziele erreicht werden.

Damit noch mehr Gewerke aus dem Handwerk gezielter zusammenarbeiten können – und auch um gegenüber der Politik mit gemeinsamer Stimme auftreten zu können – haben sechs Handwerksbranchen eine neue Kooperation gestartet: Die Taskforce Gebäudetechnik wurde am 18. März 2025 offiziell gegründet. Beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin wird eine gemeinsame Geschäftsstelle für diesen Zusammenschluss eingerichtet.

Zur Taskforce Gebäudetechnik gehören als Gründungsmitglieder der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH), der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), der Bundesinnungsverband des Deutschen Kälteanlagenbauerhandwerks (BIV), der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV) sowie der Bundesverband Metall (BVM) als ständiger Gast.

Weit mehr als den Heizungssektor im Blick

Die gebäudetechnischen Klimahandwerke werden künftig aber nicht nur ganz gezielt noch enger zusammen, sondern in den kommenden Monaten aktiv an der politischen Diskussion teilnehmen. Das kündigen sie in einer gemeinsamen Mitteilung zum Start der Taskforce an. Als ersten Schritt haben sie deshalb ein Positionspapier veröffentlicht, das ihre Kernforderungen zusammenfasst (siehe Infokasten). Die Taskforce Gebäudetechnik fordert darin klare politische Rahmenbedingungen für das Gelingen der Wärmewende, um Investitionen zu fördern und Unsicherheiten zu beseitigen. Das sollte bei der laufenden Regierungsbildung berücksichtigt werden.

Dabei geht die Wärmewende für das gebäudetechnische Handwerk nach eigenen Angaben weit über den Heizungssektor hinaus. So sei nach wie vor die Energie die beste, die nicht verbraucht wird. Das betont Alexis Gula, der Präsident des Bundesverbandes des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV), auf die Frage nach den Aufgaben der neuen Taskforce. "Wir richten das Augenmerk auf das gesamte Gebäude bzw. die Gebäudehülle. Dabei möchten wir individuelle Lösungen für jedes Gebäude anbieten – gerade im ländlichen Raum." Umso besser die Gewerke dabei zusammenarbeiten, umso mehr Vertrauen entstehe zwischen dem Kunden und den Handwerksbetrieben. Laut Gula müsse das Handwerk aber generell noch digitaler werden, um Synergieeffekte untereinander nutzen zu können. So sollte es künftig auch gemeinsame Schulungen bzw. Weiterbildungen der Handwerksbetriebe geben.

Taskforce Gebäudetechnik: Energie- und Wärmewende planbar machen

Gefordert ist aber auch die Politik. So betont Michael Hilpert, Präsident des ZVSHK, bei der Gründung der Taskforce, dass Deutschland vor gewaltigen Herausforderungen stehe wie Klimaschutz, Energiewende und auch die Tatsache, dass man dabei die Wirtschaft mit Inlandswertschöpfung wieder ankurbeln müsse. "Unsere Gewerke sind die Macher und Umsetzer im Markt. Deshalb ist es gut und richtig, dass wir Kräfte bündeln und unsere Stärken gemeinsam ausspielen", sagt er. Sein Kollege Stefan Ehinger, Präsident des ZVEH, schließt Forderungen an: "Um die gewaltigen Aufgaben der Energiewende, der Erneuerung der deutschen Infrastruktur und insbesondere der Sanierung unserer Gebäude erfüllen zu können, brauchen wir mehr Kooperation im Handwerk und klare Rahmenbedingungen aus der Politik".

Konkret benennt Alexis Gula, dass aus Sicht seiner Branche insbesondere das GEG besser gemacht werden sollte. Die geforderten Maßnahmen sollten planbarer und für den Verbraucher bezahlbar und umsetzbar sein. "Die Förderlandschaft im Heizungssektor und im Gebäudesektor muss auch in Zukunft planbar und zuverlässig sein – auf diese Weise entsteht wieder mehr Vertrauen in die Politik, welches in letzter Zeit leider verloren gegangen ist", sagt er. Zudem würden die Verbraucher dazu motiviert, Modernisierungsmaßnahmen in Angriff zu nehmen.

Positionspapier der Taskforce Gebäudetechnik: Die Forderungen

Die Taskforce Gebäudetechnik hat zum Start ihrer Kooperation ein erstes Positionspapier verfasst und darin die zentralen Aspekte und notwendigen Maßnahmen benannt, die nun angegangen werden sollten. Zusammengefasst lauten sie wie folgt:

  • Verbindliche Rahmenbedingungen: langfristige Planungssicherheit für Investoren durch stabile Vorgaben und marktorientierte Preissignale.
  • Nachhaltige Förderprogramme: eine verlässliche Förderstrategie, die abrupten Stopps und Kürzungen entgegenwirkt, um das Vertrauen der Verbraucher zu stärken.
  • Faire Strompreise: Senkung der Strompreise zur Förderung von strombasierten Wärmelösungen wie Wärmepumpen.
  • Vereinfachung von Genehmigungsverfahren: Abbau bürokratischer Hürden zur Beschleunigung von Bauprojekten.
  • Dezentrale Lösungen: Förderung eines freien Wärmemarktes, der dezentrale Systeme priorisiert und Fernwärme im Wettbewerb hält.
  • Stärkung der Gebäudeautomation: intelligente Gebäudetechnik zur Optimierung des Energieverbrauchs und zur Integration erneuerbarer Energien.
  • Sektorenkopplung: Förderung des Austauschs zwischen verschiedenen Energiesektoren zur Effizienzsteigerung.
  • Rolle des Handwerks: Potenziale der Fachbetriebe und ihrer Kundennähe stärker nutzen in der Beratung, in kommunalen Wärmeplanungsprozessen, digitalen Anschluss- und Genehmigungsverfahren sowie für praxistaugliche politische Rahmensetzung.
  • Qualifikationsansatz: Sicherstellung des Fachkräftebedarfs durch ganzheitliche Bildungsstrategien und Förderung der dualen Ausbildung.