Bei den Tarifverhandlungen für die rund 160.000 Beschäftigten der deutschen Druckindustrie ist keine Einigung in Sicht. Die Gespräche in Frankfurt am Main wurden am Dienstag auf den 31. Mai vertagt, wie der Bundesverband Druck und Medien (bvdm) mitteilte. Es sei nicht zu einer Annäherung gekommen, hieß es weiter.
Tarifverhandlungen für Druckindustrie ohne Annäherung vertagt
Frankfurt/Main (dapd). Bei den Tarifverhandlungen für die rund 160.000 Beschäftigten der deutschen Druckindustrie ist keine Einigung in Sicht. Die Gespräche in Frankfurt am Main wurden am Dienstag auf den 31. Mai vertagt, wie der Bundesverband Druck und Medien (bvdm) mitteilte. Es sei nicht zu einer Annäherung gekommen, hieß es weiter. ver.di fordert eine Lohnerhöhung von 5,5 Prozent für zwölf Monate sowie die Rückkehr zum von den Arbeitgebern gekündigten Manteltarifvertrag.
Der bvdm kritisierte, angesichts der seit Jahren rückläufigen Umsätze in der Branche seien dies Forderungen, die die Realität in den Betrieben ausblendeten. Es sei zu bemerken, dass die Druckindustrie als eine der wenigen Branchen in Deutschland noch die 35-Stunden-Woche habe und zudem hohe Zuschläge für Überstunden sowie Nacht- und Feiertagsarbeit zahle.
Der Druckverband hat daher die Reform des aufgekündigten Manteltarifvertrags zum Ziel. Die Betriebe benötigten dringend mehr Flexibilität, um den Anforderungen der Kunden besser gerecht werden zu können, erklärte Verhandlungsführer Wolfgang Pütz. Das könne durch eine Öffnung der Arbeitszeit von der immer noch geltenden 35-Stunden-Woche auf bis zu 40 Stunden pro Woche erreicht werden. Der Verband fordert zudem die Abkehr von der Regel, dass die Druckmaschinen nur von Fachkräften bedient werden dürfen.
Der Hauptgeschäftsführer des Druckverbands, Paul Albert Deimel, erklärte, die Branche stehe in einem zunehmenden Wettbewerb mit anderen Medienanbietern, und das bei steigenden Rohstoff- und Energiepreisen. Die größtenteils familiengeführten, mittelständischen Betriebe der Druckindustrie könnten sich mit den starren und kostenträchtigen Regelungen des alten Tarifvertrags kaum mehr behaupten.
Der ver.di-Fachbereichssekretär Jörg Jungmann sagte nach den Verhandlungen auf dapd-Anfrage, eine Annäherung sei "in keinster Weise drin gewesen". Eine Arbeitszeiterhöhung bedrohe bis zu 25.000 Arbeitsplätze und sei daher für die Gewerkschaft unannehmbar.
ver.di-Verhandlungsführer Frank Werneke hatte vor den Verhandlungen angekündigt: "Wir werden über gar keine Verschlechterung verhandeln." Darauf habe sich ver.di mit dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV) verständigt.
Werneke erinnerte noch einmal daran, dass die Verleger - als Reaktion auf das generelle Nein der Gewerkschaften zu Tarifverschlechterungen wie etwa Leiharbeit, Lohndumping oder die Verlängerung der Wochenarbeitszeit - die Verhandlungen im Sommer 2010 abgebrochen und den bestehenden Manteltarifvertrag gekündigt hatten. "Das war eine Kampfansage. Es würde mich nicht wundern, wenn die Arbeitgeber in der anstehenden Tarifrunde und darüber hinaus das gleiche Lied singen würden."
Er erwarte keinen schnellen Abschluss der Verhandlungen, räumte der ver.di-Vize ein. "Es wird eine Tarifrunde des langen Atems werden. Wir wollen anständige Verbesserungen. Und wenn die Verleger sich sträuben, dann gibt es für uns auch irgendwann, das kann im Herbst sein, keine Friedenspflicht mehr."
dapd
