Zusätzliches Monatseinkommen gefordert Tarifgespräche im Gebäudereiniger-Handwerk scheitern vorerst

Die Verhandlungen über eine zusätzliche Jahressonderzahlung für Gewerkschaftsmitglieder sind ohne Einigung vertagt worden. Die Positionen der Tarifpartner liegen weit auseinander. Beide Seiten argumentieren mit der schlechten wirtschaftlichen Lage. Wie es weitergeht.

Die Tarifparteien liegen noch weit auseinander. Die Gewerkschaft fordert einen zusätzlichen Monatslohn als Bonus für ihre Mitglieder, die in Innungsbetrieben im Gebäudereiniger-Handwerk arbeiten. - © Andrey Popov - stock.adobe.com

Keine Einigung: Die erste Verhandlungsrunde zwischen der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und dem Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks endete ergebnislos. Im Zentrum der Gespräche stand ein zweiter Gewerkschaftsbonus, gerne zum Jahresende. Die Gespräche waren bereits bei den Lohntarif-Verhandlungen vereinbart worden – beide Tarifpartner hatten sich darauf verständigt, sich ab November 2025 über eine mögliche zusätzliche Leistung auszutauschen.

Nach rund drei Stunden vertagten beide Seiten die Gespräche auf Januar 2026. Die Gewerkschaft fordert eine Jahressonderzahlung von 100 Prozent eines Monatseinkommens für ihre Mitglieder, die in Innungsbetrieben arbeiten. Für Teilzeitkräfte soll die Regelung analog gelten.

Arbeitgeber verweisen auf wirtschaftliche Belastung

Die Arbeitgeberseite begründete ihre ablehnende Haltung mit der schwierigen Wirtschaftslage. Christian Kloevekorn, Vorsitzender der BIV-Tarifkommission, verwies auf die seit Jahren stagnierende deutsche Wirtschaft, schwache Geschäftsaussichten und ein angespanntes Marktumfeld in der Gebäudereinigung.

Laut Kloevekorn sei der Tarifabschluss vom November 2024 bereits an die Schmerzgrenze gegangen. Die Löhne steigen demnach um rund 11 Prozent für 2025 und 2026 in der größten Lohngruppe. Der Einstiegslohn erhöhe sich zum 1. Januar 2026 um 5,3 Prozent auf 15 Euro. "Wir haben der IG BAU Gespräche zugesagt, aber weder Zugeständnisse noch einen Abschluss", sagte Kloevekorn. Die inhaltlichen Differenzen könnten "größer kaum sein" und seien bei weitem nicht ausgeräumt worden.

Gewerkschaft pocht auf Jahresbonus

Die IG BAU zeigte sich nach eigenen Angaben verhandlungsbereit und signalisiert, dass der Bonus auch stufenweise erreicht werden könne. "Wir haben so ziemlich alle Brücken gebaut, über die man gehen kann. Jetzt ist der Innungsverband am Zuge, zu sagen, was ihm die Beschäftigten wirklich wert sind", sagte Ulrike Laux, IG BAU-Vorstandsmitglied und Verhandlungsführerin.

Laux argumentierte mit der angespannten finanziellen Situation der Reinigungskräfte: "Abermals haben die Arbeitgeber mit der schlechten wirtschaftlichen Lage argumentiert. Genau das tun wir auch: Die wirtschaftliche Lage der Reinigungskräfte ist ebenfalls nicht rosig." Gerade zur Weihnachtszeit spürten die Beschäftigten, dass nichts mehr im Geldbeutel sei. "Es kann doch nicht sein, dass die Beschäftigten des größten Handwerks in Deutschland keinen zusätzlichen Jahresbonus bekommen", sagte Laux.

Die Gewerkschaft verwies darauf, dass Jahresboni in fast allen anderen Branchen üblich seien. Zudem kritisierte Laux die Personalsituation: Viele Arbeits- und Fachkräfte würden die Reinigungsbranche verlassen, obwohl sie dort gerne arbeiten würden, weil das Geld nicht ausreiche. "Um die Branche attraktiv zu machen, muss die Entlohnung stimmen. Der Pflegebereich macht es uns doch vor", sagte sie.

Bestehender Bonus seit 2007

Im Gebäudereiniger-Handwerk existiert bereits seit 2007 ein Gewerkschaftsbonus. Reinigungskräfte, die sowohl IG BAU-Mitglied sind als auch in einem Innungsbetrieb arbeiten, erhalten zusätzliches Urlaubsgeld. Bei den aktuellen Verhandlungen geht es um einen zweiten, zusätzlichen Bonus in Form einer Jahressonderzahlung. ewö