Über eine französische Filmdiva, einen schwarzer Tag für einen schwarzen Mann und trinkfeste Jungprofis. Bundesliga-Kolumne von Stefan Galler
Tanz auf drei Hochzeiten
Meisterbetrieb: Ein Mann sorgt für Schockstarre
Über peruanische Fußballer steht in diesen Tagen nicht allzu viel Gutes in den Zeitungen. Zumeist geht es um Geldwäsche, Steuerhinterziehung und verbotene Beratertätigkeiten. Ein Glück, dass es auch noch Paulo Guerrero gibt. Der HSV-Stürmer ist derzeit in Topform, sorgte schon am Donnerstag mit seinen beiden Treffern innerhalb von nur drei Minuten gegen Galatasaray für die Wende im UEFA-Pokal-Achtelfinale und versenkte am Sonntag Schalke 04 in der Bundesliga ebenfalls praktisch im Alleingang. Und wie am Bosporus ließ Guerrero auch in der Arena die gegnerischen Fans total verstummen. Wo Paulo zuschlägt, herrscht beim Kontrahenten Schockstarre. Und der HSV tanzt weiterhin auf allen drei Hochzeiten. Ganz im Gegensatz zu den Schalkern, deren Krise einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Abgesehen von der peinlichen öffentlichen Suche nach einem Manager-Nachfolger für Andreas Müller geben Mannschaft und Trainer ein jämmerliches Bild ab. Kapitän Bordon ist unter der Woche überraschend und ohne Angabe von Gründen zurückgetreten, die Routiniers im Team wirken auf dem Platz weiterhin mäßig motiviert und ausgebrannt. Und nun schwächeln auch noch Top-Talente wie Verteidiger Höwedes und Torwart Neuer. Letzterer lieferte gegen Hamburg unfreiwillig die Vorarbeit zu Guerreros erstem Streich, weshalb böse Zungen nun schon mutmaßen, Oliver Kahn soll gar nicht als Manager nach Gelsenkirchen geholt werden. In die Diskussion, wer nun die sportlichen Geschicke auf Schalke künftig lenken soll, mischte sich jüngst ja auch Manager-Rentner Rudi Assauer ein. Mit einem Plädoyer gegen Kahn im Handwerker-Jargon: „Der Klub ist sportlich zuletzt dermaßen aus den Fugen geraten, dass er eigentlich einen Meister oder mindestens Gesellen und keinen Lehrling für den erfolgreichen Neuanfang braucht.“
Gesellenstück: Filmreifes in Fröttmaning
Da war für den geneigten Cineasten wirklich alles dabei: Beim Heimspiel der Bayern gegen den KSC kamen Filmfreunde voll auf ihre Kosten. Zunächst wurde Melodramatisches mit Happy End gegeben, Bayern drängte und drückte, ehe es dem oft unterschätzten José Ernesto Sosa vorbehalten blieb, endlich sein erstes Tor für die Münchner zu erzielen. Dann gab es ein bisschen Science-Fiction, als sich die massive und gänzlich starre blaue Karlsruher Abwehrwand plötzlich in Bewegung setzte wie ein mutiertes Ungeheuer und tatsächlich so etwas wie ein Fußballspiel mit zwei Mannschaften begann. Es folgte ein Ausflug ins brutale Action-Genre – Franck Ribéry streckte seinen Gegenspieler Andreas Görlitz in bester Bud-Spencer-Manier nieder, durfte aber dennoch bis zum Schluss mitspielen, weil sich Schiri Winkmann nicht dazu durchringen konnte, die französische Diva vorzeitig zum Duschen zu schicken. Ist natürlich auch unangenehm, wenn man den absoluten Topstar von der Filmproduktion ausschließen muss, Winkmann verzichtete darauf. Irgendwie verständlich, wer hat sich früher schon mit der Bardot oder der Deneuve angelegt. Und so war Ribéry auch noch mit dabei, als der Streifen in der zweiten Halbzeit ziemliche Längen bekam und der ein oder andere Zuschauer das Freilichtkino vorzeitig verließ. Einen Oscar gab es schließlich für keines der beiden Teams, die Münchner durften sich wenigstens über drei Punkte freuen.
Erstes Lehrjahr: Neuling im Jammertal
Die Sympathien schlugen der TSG Hoffenheim in der Vorrunde geballt entgegen. Jeder lobte den bedingungslosen Offensivfußball und staunte über die sagenhafte Kondition des Aufsteigers, der prompt als Herbstmeister überwinterte. Seit die Liga nun wieder läuft, ist allerdings alles ganz anders. Das Team gewinnt nicht mehr (ein Sieg in den letzten zehn Spielen), hat mit einer geradezu unheimlichen Verletzungsmisere zu kämpfen und musste sich zuletzt ja auch noch mit einer Affäre um verspätete Dopingtests herumschlagen. Da sind auch nicht mehr viele Schulterklopfer übrig, einige attestieren der Rangnick-Elf mittlerweile Unfairness oder prangern die fehlende Tradition des angeblich 1899 gegründeten Vereins an. Das Wunder Hoffenheim hat sich jedenfalls wie ein Flaschengeist in Luft aufgelöst, am Wochenende im Heimspiel gegen das auswärts regelmäßig schwer verprügelte Hannover halfen der TSG nicht einmal die grotesken Fehlentscheidungen von Schiri Wolfgang Stark in die Erfolgsspur. Der Referee pfiff einen Elfmeter für Hoffenheim, obwohl das Foul außerhalb des Spielfeldes stattgefunden hatte und ließ Luis Gustavo weiterspielen, obwohl der bei Hannovers Bruggink mit einem gezielten Ellbogencheck für Atemnot gesorgt hatte. 96-Trainer Hecking konnte sich dementsprechend über seinen zweiten Auswärtspunkt in dieser Saison auch gar nicht freuen und trauerte einem möglichen Sieg nach. Und in Hoffenheim forschen sie nach einem neuen Zaubertrank.
Zwei linke Hände: Geburtstagsfeier unter Fußballern
So läuft das also, wenn zwei total coole junge und vor allem steinreiche Fußballprofis einen Geburtstag feiern: Zuerst ziehen sie bis 3.45 Uhr morgens um die Häuser und wenn die Stimmung dann so richtig auf dem Siedepunkt ist, werden geparkte Autos beschädigt, weil materielle Dinge sowieso total überschätzt werden – zumindest wenn man sich selbst alles leisten kann. Dass die Polizei Hertha-Kicker Patrick Ebert und seinen Dortmunder Spezi Kevin Prince Boateng dabei erwischte, konnte die beiden Nachtlichter nicht davon abhalten, hinterher alle Vorwürfe abzustreiten. Dennoch gab’s Ärger mit ihren Arbeitgebern, im Falle von Boateng aber nur auf kleiner Flamme, schließlich bleibt BVB-Coach Klopp bei Boateng seiner antiautoritären Linie treu: Auch nach dessen fiesen Tritten gegen Bayerns Klose und Schalkes Kristajic kam dem Trainer kein böses Wort über die Lippen. In Berlin fahren sie dagegen eine harte Welle, zumal Ebert schon im Sommer 2007 bei einer Verkehrskontrolle mit 1,46 Promille aus seinem Luxusschlitten gestolpert war. Bis auf weiteres suspendiert ist der junge Trunkenbold, der sich erst im Januar nach einem kurzen Abstecher zum Islam wieder dem Christentum zuwandte. Vermutlich hat ihm gerade rechtzeitig noch jemand erzählt, wie sich das bei den Muslimen mit dem Alkohol so verhält.