Kraftstoffkosten Tankrabatt kommt zurück: Ab Oktober wird Sprit 17 Cent billiger

Ab 1. Oktober sinkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um rund 17 Cent je Liter – drei Monate lang. Wann fallen die Preise, drohen Engpässe, und kommt die Ersparnis wirklich an der Zapfsäule an? Die Antworten auf die drängendsten Fragen

Blick auf die Preistafel einer Tankstelle. Der Weg für einen erneuten Tankrabatt wegen der hohen Spritpreise ist frei. - © picture alliance/dpa | Jan Woitas

Bundestag und Bundesrat haben den Tankrabatt beschlossen. Ab Donnerstag, dem 1. Oktober, sinkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14,04 Cent pro Liter. Weil auf diesen Betrag auch keine Mehrwertsteuer anfällt, ergibt sich eine Gesamtersparnis von rund 17 Cent je Liter. Die Regelung gilt bis Ende Dezember – also drei Monate. Bevor das Gesetz in Kraft tritt, muss es noch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterzeichnen.

Die Maßnahme ist eine Reaktion auf gestiegene Kraftstoffpreise infolge des Irankriegs und entlastet Millionen Autofahrerinnen und Autofahrer sowie Handwerksbetriebe.

Wann werden Diesel und Benzin billiger?

Die Tankstellen sind nicht verpflichtet, die Steuersenkung vollständig weiterzugeben. Die Erfahrung aus dem ersten Tankrabatt im Mai und Juni zeigt aber: Die Preise fallen in der Nacht zum 1. Oktober schnell – oft schon um Mitternacht.

Technisch gilt der Steuerrabatt nur für Kraftstoff, der nach Mitternacht Raffinerien oder Großtanklager verlässt. Bis überall steuerverbilligter Sprit in den Tanks ist, kann es einige Tage dauern. Durch den Wettbewerb fallen die Preise aber voraussichtlich flächendeckend – und steigen am Ende des Rabattzeitraums dort wieder, wo noch steuerreduzierter Sprit lagert.

Sollte man am 1. Oktober früh tanken?

Wer am ersten Tag des Rabatts tanken will, muss nicht früh aufstehen. Der Preis darf vor 12 Uhr mittags nicht erhöht werden – er kann also nur sinken. Eine Erhöhung ist nur um 12 Uhr zulässig. Typischerweise ist der späte Nachmittag die günstigste Tageszeit zum Tanken. Wer noch ausreichend Sprit im Tank hat, spart sich mögliche Warteschlangen am ersten Tag.

Kommt der Rabatt vollständig beim Kunden an?

Beim ersten Tankrabatt im Mai und Juni hatten das Ifo-Institut, die Monopolkommission und das Bundeskartellamt nur eine unvollständige Weitergabe an die Kunden errechnet. Die Mineralölwirtschaft bestreitet das. Grundsätzlich ist die Weitergabe schwer messbar, weil der Spritpreis stark von äußeren Einflüssen abhängt. Gerade zu Beginn des Rabatts kann es je nach Tankstelle große Unterschiede geben – ein Preisvergleich lohnt sich dann besonders.

Wird der Sprit so billig wie vor dem Krieg?

Am letzten Tag vor Kriegsausbruch Ende Februar kostete ein Liter Super E10 laut ADAC im bundesweiten Tagesdurchschnitt 1,78 Euro, Diesel 1,75 Euro. Der Abstand zu den aktuellen Preisen ist deutlich größer als die geplanten 17 Cent Ersparnis.

Drohen Engpässe?

Weil der Steuerrabatt nur für Kraftstoff gilt, der nach Mitternacht zum 1. Oktober ausgeliefert wird, haben Tankstellen einen Anreiz, mit kleinen Lagerbeständen in den Oktober zu starten. Auch viele Autofahrer werden ihre Tanks kurz vorher nicht mehr auffüllen. Beim ersten Rabatt führte das zu mehr Andrang an den Zapfsäulen – aber nicht zu ernsthaften Engpässen.

Was kostet das alles – und wer bezahlt?

Die Bundesregierung rechnet mit 2,485 Milliarden Euro weniger Steuereinnahmen. Die Hälfte sollen diesmal die Länder tragen. Der Bund tritt ihnen dafür einen geringeren Anteil an den Umsatzsteuereinnahmen ab.

Wie viel spart der Durchschnittsfahrer?

Das durchschnittliche Auto in Deutschland legt laut Kraftfahrtbundesamt rund 900 Kilometer pro Monat zurück. Bei einem Verbrauch von sieben bis acht Litern auf 100 Kilometer spart ein Verbrennerfahrer über drei Monate grob 32 bis 36 Euro. Je nach Fahrleistung, Verbrauch und geschicktem Tanken kann der Wert deutlich abweichen.

Für viele Handwerksbetriebe dürfte die Ersparnis deutlich höher ausfallen: Wer mit mehreren Fahrzeugen täglich weite Strecken zu Kunden fährt, summiert die 17 Cent pro Liter schnell zu einem spürbaren Betrag – über den gesamten Fuhrpark und drei Monate gerechnet.

Was sagen Ökonomen zum Rabatt?

Die große Mehrheit der Wirtschaftsforscher steht dem Rabatt skeptisch gegenüber. Die Hauptkritikpunkte:

  • Der Rabatt ist teuer und trifft nicht nur Bedürftige. Wer kein Auto hat, aber über Heizkosten oder andere Folgekosten unter hohen Spritpreisen leidet, profitiert nicht.
  • Er dämpft das Preissignal: Hohe Preise bremsen normalerweise den Verbrauch – dieser Mechanismus wird durch den Rabatt abgeschwächt.
  • Es ist nicht sichergestellt, dass er vollständig beim Verbraucher ankommt.

Eine Gegenstimme kommt von Manuel Frondel vom Institut RWI. Er sagte dem "Spiegel": "Besser wäre es natürlich, der Staat würde bedürftigen Haushalten gezielt helfen. Da er solche Direktzahlungen aber noch immer nicht ohne Weiteres umsetzen kann, halte ich den Tankrabatt für eine pragmatische und faire Lösung."

Was sagen Handwerk und Kfz-Gewerbe?

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) begrüßt die schnelle Spritpreissenkung, betrachtet einzelne Rabatte aber nicht als Dauerlösung. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) ist noch zurückhaltender: Kurzfristige Entlastungen seien "zweite Wahl".

Beide fordern strukturelle Reformen. Der ZDH verlangt dauerhaft bezahlbarere Energie sowie sinkende Steuern, Abgaben und Lohnzusatzkosten. Der ZDK fordert eine langfristige Senkung und Neuordnung der staatlichen Belastung von Kraftstoffen, verbunden mit verlässlichen Anreizen für alternative Kraftstoffe.

ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke hatte bereits zu Wochenbeginn gegenüber der Rheinischen Post gewarnt: "Hohe Spritpreise treffen das Handwerk hart. Wer mehr fürs Tanken ausgeben muss, hat weniger für anderes übrig. Das spüren Friseure, Bäcker und andere Betriebe des Ladenhandwerks schnell." Betriebe mit vielen Fahrzeugen und hohen Fahrleistungen träfen die Preise besonders hart – dazu kämen steigende Material- und Transportkosten.

ZDK-Präsident Thomas Peckruhn reagierte unmittelbar auf den Beschluss: "Mobilität darf nicht immer stärker durch sich überlagernde Steuern und Abgaben belastet werden." Deutschland gehöre an der Zapfsäule zu den vier teuersten EU-Ländern. Beide Verbände fordern deshalb strukturelle Reformen statt weiterer Einzelmaßnahmen. dpa/fre