Tankkarten sind als bargeldloses Zahlungsmittel sehr beliebt. Viele Angebote beschränken sich längst nicht mehr auf das Bezahlen von Kraftstoff.
Ralf Johanning

Damit der bürokratische Aufwand nicht überhandnimmt, wird bei Handwerksunternehmen die Tankkarte für das Bezahlen von Diesel oder Benzin oder anderen Leistungen wie Reparaturen oder turnusmäßige Wartungen immer beliebter. Je nach Wunsch flattert die Rechnung dann wöchentlich, 14-tägig oder auch monatlich ins Haus.
Das vereinfacht die Buchführung und erlaubt eine gute Kontrolle über die gesamten variablen Fahrzeugkosten. Viele Tankkartengesellschaften bieten zudem Auswertungsprogramme an, mit denen die Firmen ihre Verbräuche gut überblicken können und bei Auffälligkeiten schnell eingreifen können.
Tank- wird zur Servicekarte
Die zusätzlichen Services sowie die Konditionen und Preise der Karten sind Kriterien bei der Auswahl des Anbieters. Generell ist der Leistungsumfang der Tankkarten sehr unterschiedlich. Viele Kartenanbieter setzen auf immer mehr zusätzliche Angebote. Daher kann in diesem Fall der Name Tankkarte gar nicht mehr gelten, Servicekarte wäre besser.
Häufig kommen Leistungen wie Pannendienst, Bergungs- und Abschleppservice, Reifen- und Kühlsystemdienst, Mautservice, Mehrwertsteuerrückerstattung, Verbrauchsanalysen sowie ein Datenmanagement hinzu. Das gilt auch für die Euro-Shell-Karte oder die Aral-Flotten-Karte.
Außerdem haben viele Handwerkskammern Verträge mit Mineralölgesellschaften, die über die Tankkarte Rabatte gewähren. Total Deutschland kooperiert zum Beispiel mit der Handwerkskammer für Ostthüringen, deren Mitgliedsunternehmen durch Nachlässe beim Kraftstoffpreis oder der Autowäsche profitieren können.
Wie Scheckkarte behandeln
Die großen Mineralölgesellschaften zeichnen sich im Vergleich zu den freien und mittelständisch geprägten Tankstellen dadurch aus, dass sie in mehr Ländern mit mehr Stationen vertreten sind. Ihr Netz ist einfach dichter.
Davon profitieren die unabhängigen Kartenanbieter, die mit sehr vielen Gesellschaften Kooperationen geschlossen haben. Zudem lassen sie sich immer weitere Dienstleistungen einfallen. So haben beispielsweise DKV Euroservice und UTA eigene On-Board-Units für die Straßengebühren in vielen europäischen Ländern eingeführt. Dabei erhalten die Flottenbetreiber alle auf sie zutreffenden Rabatte automatisch. Für Handwerker, die auch viel im angrenzenden Ausland unterwegs sind, ist das eventuell eine lohnende Alternative.
Die vielen zusätzlichen Leistungen der unabhängigen Kartenanbieter kommen nicht von ungefähr. Sie haben nur sehr geringe Möglichkeiten, an der Preisschraube beim Diesel zu drehen. Da haben die Mineralölgesellschaften die Nase vorn. Sie gewähren auf bestimmte Abnahmemengen teilweise Rabatte.
Anbieter wollen Bonität prüfen
Tankkarten sollten wie Scheckkarten behandelt werden, denn es gibt viele organisierte Banden, die sich auf den Diebstahl von Tankkarten spezialisiert haben. Besonders schwer trifft es die Betriebe, die dann nicht rechtzeitig feststellen, dass die Karten weg sind. Die Fehlbeträge bis zur Sperrung übernimmt nämlich der Inhaber selbst. Erst nachdem Fahrer oder Unternehmen die Karte als gestohlen gemeldet haben, tritt die Tankkartengesellschaft in die Haftung. Wie die Konditionen im Einzelnen aussehen, hängt von den allgemeinen Geschäftsbedingungen ab.
Bevor ein Handwerker jedoch in den Genuss einer Tankkarte kommen kann, muss er sich bei fast allen bekannten Gesellschaften einer Bonitätsprüfung unterziehen. Zur richtigen Einschätzung des Kreditrisikos gehören das Einholen vieler Informationen, beispielsweise über Auskunfteien wie Schufa oder Creditreform. Hinzu kommen Jahresabschlüsse und betriebswirtschaftliche Auswertungen des Unternehmens. Wenn hier alles stimmt, steht dem Weg zur Tank- oder Servicekarte nichts mehr im Weg.