Die angepeilten 400.000 neuen Wohnungen schafft die Bundesregierung dieses Jahr wohl nicht: Die Baubranche verzeichnet einen Auftragseinbruch von rund elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das kommt nicht unerwartet.

Erschwinglicher Wohnraum ist in Deutschland knapp, daher will die Bundesregierung bauen, was das Zeug hält: 400.000 neue Wohnungen pro Jahr sind angestrebt. Doch der Blick auf die Zahlen des statistischen Bundesamts ist ernüchternd. Die Auftragseingänge blieben 2022 bislang rund elf Prozent unter denen des Vorjahres zurück. Im August betrug die Differenz sogar 24 Prozent.
Der Einbruch kam für den Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) mit Ansage: "Wir haben bereits in den letzten Monaten darauf hingewiesen, dass aufgrund stark gestiegener Lebenshaltungs- und steigender Finanzierungskosten sowie zulegender Materialpreise die Nachfrage im Wohnungsbau erheblich gesunken ist", fasst Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa zusammen.
Gaspreisbremse dringend nötig
Der politische Anspruch von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr wird seiner Meinung nach nicht aufgehen. Als Mitglied des Bündnisses für bezahlbaren Wohnraum sei sich der Verband dennoch der Pflicht bewusst, die Kapazitäten im Bau weiter anzupassen.
Um die Maßnahmen umzusetzen, die die 35 Akteure des Bündnisses kürzlich beschlossen haben, brauche es jedoch die richtigen Rahmenbedingungen. Pakleppa vermisst beispielsweise Investitionsanreize: "Gerade private Investoren benötigen angesichts steigender Finanzierungskosten eine zielentsprechende Neubauförderung. Hier fehlt es deutlich an Wumms."
Zudem brauche der Wohnungsbau jetzt dringend die avisierte Gaspreisbremse. Der Druck der Materialpreisentwicklung auf die Baupreise müsse reduziert werden: "Daher ist die Baustoffindustrie schnellstmöglich auf die Entlastungen angewiesen", betont der Hauptgeschäftsführer. Die Auftragseinbrüche zeigen sich auch in den Umsätzen der Branche: Bis zum August erwirtschaftete sie ca. 65,7 Mrd. Euro. Nominal ist das ein Zuwachs von 11,5 Prozent, doch dieser erklärt sich durch die gestiegenen Preise. Real handelt es sich um einen Rückgang von 4,3 Prozent. aul