Auf dem blau-gelben "Freiheitstruck" tourt Silvana Koch-Mehrin derzeit durch Deutschland. Die 38-jährige FDP-Spitzenkandidatin für die Europawahl bereist das Land, um die Bürger in Worms, Leipzig, Düsseldorf, Mönchengladbach oder Karlsruhe vom Tun der Liberalen im Europaparlament und dem Gang an die Urne am 7. Juni zu überzeugen.
Sylvana Koch-Mehrin: Guidos blonde Frontfrau für Europa
Parteichef Guido Westerwelles blonde Hoffnungsträgerin stellt sich als "europäische Patriotin" vor, ärgert sich aber auch über zu viel "bürokratischen Unsinn" aus Brüssel. Beschlüsse wie die Abschaffung der Glühbirne ließen die Zahl der EU-Kritiker eher wachsen, schimpft sie und fordert daher weniger Kompetenzen für Europa.
Zugleich verweist sie immer wieder auf die Bedeutung von EU-Beschlüssen – von Roaming-Gebühren bis hin zu Lebensmittel-Zusätzen – für "fast alle Lebensbereiche". Daher sei es "nicht egal" wer ins Europaparlament ziehe, betont sie. Vorwürfe politischer Gegner, sie fehle im EU-Parlament zu häufig, weist sie als "falsch" zurück. Auf der offiziellen Webseite des Parlaments wird ihre Anwesenheitsquote mit 62 Prozent beziffert.
Koch-Mehrin hat die Liberalen schon 2004 als Spitzenkandidatin vertreten und mit einem Stimmenanteil von 6,1 Prozent erstmals seit zehn Jahren wieder den Einzug der FDP ins EU-Parlament erreicht. Mit dem Slogan "Für Deutschland in Europa" will sie dieses Wahlergebnis nun toppen. Damit könnte die Mutter dreier Kinder Erfolg haben, aktuellen Umfragen zufolge würden bis zu zehn Prozent der Deutschen der FDP bei der Europawahl ihre Stimme geben.
Die im November 1970 in Wuppertal geborene Koch-Mehrin wuchs als Kleinkind in Marokko und im Sudan auf, bevor sie in Köln zur Schule ging. Nach einem Studium der Geschichte und Volkswirtschaftslehre in Hamburg, Straßburg und Heidelberg promovierte sie 1998 zum Thema "Historische Währungsunionen". Seit 2004 ist die Unternehmensberaterin stellvertretende Fraktionschefin der liberalen ALDE-Fraktion im Europäischen Parlament. Sie lebt mit ihrem irischen Lebensgefährten James Candon und ihren drei Töchtern in Brüssel.
In der Vergangenheit machte Koch-Mehrin, die von der Zeitschrift "Freundin" zur "Frau des Jahres" 2000 gewählt wurde, mit ungewöhnlichen Aktionen auf sich aufmerksam. So ließ sie sich mit nacktem Schwangerschaftsbauch für das Magazin "Stern" fotografieren und bezeichnete dies als "Provokation und als dramatisches Zeichen der Emanzipation". Auch sorgte die FDP-Politikerin, die sich in ihrer Freizeit mit Kickboxen und Yoga fit hält, als Kolumnistin der Erotikzeitschrift "Praline" für Aufsehen. In dem Magazin beantwortete sie den Lesern Fragen rund um die EU.
Mey Dudin/ddp
