Der vierte Bundesligaspieltag im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Sushi-Ronaldinho schießt Schalke ab

In Gelsenkirchen ist der Name des örtlichen Fußballklubs FC Schalke 04 Programm geworden: Null Punkte aus vier Spielen. Über die Mainzer gibt es hingegen nichts zu witzeln. Sie sind längst mehr als Karnevalsverein. Bundesliga-Kolumne von Stefan Galler

Foto: dapd

Sushi-Ronaldinho schießt Schalke ab

Meisterbetrieb: Gut erzogene Debattierer

Wer jetzt noch meint, blöde Witze über den Karnevalsverein reißen zu müssen, sollte dringend zur Ruhe gemahnt werden. Am Ende haben wir noch einen Deutschen Meister Mainz 05, dann ist das Geschrei allerorten groß. Immerhin 34 Prozent aller Teams, die nach vier Spieltagen oben standen, gewannen in der Bundesliga-Historie am Ende den Titel. Und der FSV wirkt aktuell nicht wie ein überraschter Außenseiter, der vor lauter Nervosität über die ungewohnte Position mir nichts, dir nichts plötzlich total einbricht. In Bremen traten die Rheinhessen auf wie vier Tage zuvor das Starensemble von Tottenham. Allerdings ließen sie sich im Gegensatz zu den Engländern ihre 2:0-Führung nicht mehr abjagen. Dieser Tuchel ist doch wirklich ein toller Typ: Seine Aufstellung bestimmt er nicht etwa diktatorisch, sondern er diskutiert mit den Spielern darüber, wer spielt und wer nicht. Mainz ist der erste Bundesliga-Tabellenführer, der nicht mit den besten Kickern, sondern mit den eloquentesten Debattierern die Liga aufmischt. Revanchefouls und Beleidigungen sind bei den Mainzern im Training verboten, bei der Begrüßung achtet der Coach speziell darauf, dass sich die Spieler gegenseitig in die Augen schauen. Vielleicht gibt er ja demnächst einen Fußball-Knigge heraus. Oder er möchte seine Balltreter alle gut verheiraten: Lauter perfekt geformte Schwiegersöhne. Einen hat er schon unter die Haube gebracht, allerdings geht der nicht vor den Altar, sondern zur Konkurrenz: André Schürrle wechselt im kommenden Sommer zu Bayer Leverkusen. Und verdient dort eine Million mehr als beim FSV. Ja keine blöden Witze mehr!

Gesellenstück: Perfekter Tag für den Sushi-Ronaldinho

Das Vorbild bei der Erschaffung Thomas Tuchels war ja bekanntlich Jürgen Klopp. Und irgendwie scheint sich jener Trainertypus in dieser Saison als optimale Version eines Bundesligacoaches zu entpuppen (schließlich kann man auch Freiburgs Robin Dutt in die jung-dynamisch-moderne Riege einordnen). Kloppo jedenfalls durfte sich am Sonntagabend als Sieger des Revier-Derbys durch Dortmund tragen lassen und zeigte den klammen Großinvestoren aus Schalke, wie man mit billigen Einkäufen voll ins Schwarze treffen kann. Der Japaner Kagawa erledigte den Erzrivalen fast im Alleingang. Dieser Sushi-Ronaldinho zieht im Borussen-Mittelfeld die Fäden und ist zudem torgefährlich wie ein Mittelstürmer.

Ein perfekter Tag für die Dortmunder, obwohl viele ihrer Fans wegen der drastisch angehobenen Ticketpreise auf Schalke zu Hause geblieben waren. Klopp hatte vor dem Spiel Verständnis gezeigt, schließlich wollten ja nicht ausgerechnet die Borussen "denen ihren Huntelaar" finanzieren.

Ob wohl jemand im schwarz-gelben Lager Mitleid hat mit den Königsblauen? Ist gar nicht nötig, denn jetzt stimmt endlich mal der Name 04: Null Punkte nach vier Spielen. Mal sehen, ob sich die Knappen nach dem kommenden Auswärtsspiel am Mittwoch in Freiburg womöglich umtaufen müssen. Eines dürfte jedenfalls klar sein: Mit dem Meistertitel wird es nichts mehr werden in dieser Saison. Aber vielleicht nächstes Jahr – in der zweiten Liga.

Erstes Lehrjahr: Halbleerer Maßkrug

Meine Güte, was haben sich die Kölner Schlachtenbummler am Samstagnachmittag gefreut: Ihre Lieblinge haben es doch tatsächlich geschafft, sich derart geschickt am eigenen Sechzehner zu verrammeln, dass die Bayern kein einziges Mal ins Schwarze trafen. Und mitten in der Schießbude stand der wackere Mondragon, der alles abwehrte, was auf die Hütte kam. Ausgerechnet zum Oktoberfeststart war der bayerische Maßkrug nur halbleer und die Fans am Spielende ziemlich ernüchtert. Schon merkwürdig, dass die Profis des Rekordmeisters offenbar verlernt haben, wie man Tore macht – dabei geht es doch darum beim Fußballspiel in erster Linie. Die Ladehemmung der Münchner ist so, als wenn ein Friseur plötzlich nicht mehr weiß, wie man einen Pony schneidet oder ein Koch kein Spiegelei mehr auf die Reihe bekommt. Drei Bundesligaspiele in Folge ohne Tor, nach vier Spieltagen gerademal zwei Buden auf dem Konto – die Torflaute ist angesichts einer Offensive mit Müller-Klose-Ribéry-Olic und dem Teilzeitirrläufer Gomez fast schon grotesk.

Doch der einst so harte van Gaal hat die Metamorphose vom Feier- zum Kuschelbiest gemacht, streichelt seine Spieler und gibt ihnen fleißig Alibis. Schon vor dem Köln-Match ließ er verlauten, dass es rund sechs Spiele dauern würde, bis der FC Bayern wieder in die Erfolgsspur zurückkehrt. Da war es dann gar nicht so überraschend, dass gegen Angstgegner Köln nicht viel ging. Seit über acht Jahren haben die Geißböcke in München nicht mehr verloren. Und doch endete der Samstag für die meisten Kölner enttäuschend: Auf der Wiesn dürften sie jedenfalls böse überrascht gewesen sein, dass ihnen niemand einen Platz reserviert hatte. Aber, Kopf hoch, liebe FC-ler: Mit den großen Biergläsern wärt ihr sowieso nicht klargekommen.

Zwei linke Hände: Junge Huftiere als leichte Opfer

Apropos Volksfest: Die Stuttgarter eröffnen ihren Cannstatter Wasen ja erst in einer Woche. Dennoch ballerte der VfB nach völlig missglücktem Saisonstart am Samstag los wie auf dem Schützenfest: Sieben Stück servierten die diesmal gar nicht sparsamen Schwaben den Gladbacher Fohlen, die ohne Erbarmen zur Schlachtbank geführt wurden. Satte 15 Gegentreffer hat die Borussia damit in vier Partien bekommen – ein bitterer Negativrekord. Dementsprechend schrillen bei den Gladbachern nun alle Alarmglocken. Dabei hätte Trainer Michael Frontzeck in seiner Elf durchaus Defensivpotential: Verteidiger Dante könnte seine Afrofrisur zum Beispiel einfach noch weiter wachsen lassen und sich vors Tor stellen – da wird’s dann schwer für die gegnerischen Stürmer. Und Abwehrlatte Brouwers sollte man einfach quer auf die Linie legen, dann gehen zumindest schon mal keine Flachschüsse mehr rein. Vor allem bei Standardsituationen stellen sich die Borussen an, als wären Eck- und Freistöße gerade erst erfunden worden. Da gibt’s nur eine Möglichkeit: Fifa-Boss Blatter will ja angeblich demnächst das Unentschieden (zumindest bei Weltmeisterschaften) abschaffen, vielleicht könnte er bei dieser Gelegenheit extra für die geschlachteten Fohlen gleich noch jegliche Art von Standards verbieten.