Interview mit Julian Nagel Schreiner berichtet: Als der SWR zum "Tatort"-Dreh anrückte

Gestern Abend feierte der Stuttgarter "Tatort", in dem eine angehende Schreinerin ermordet wird, seine TV-Premiere im Ersten. Gedreht wurde der Krimi unter anderem in der "Werkstatt 52" von Julian Nagel. Die DHZ hat den Schreinermeister aus Karlsruhe dazu interviewt.

Tatort Lass sie gehen Werkstatt
Kommissar Sebastian Bootz (Felix Klare) auf dem Weg zur Werkstatt 52 von Schreinermeister Julian Nagel in Karlsruhe. - © SWR

DHZ: Der neue Stuttgarter Tatort "Lass sie gehen" ist teilweise in Ihrer "Werkstatt 52" in Karlsruhe gedreht worden. Wie ist denn der SWR gerade auf ihren Schreinerbetrieb aufmerksam geworden?

Julian Nagel: Der Sender war für den Tatort gezielt auf der Suche nach einer Schreinerwerkstatt in der Stadt, also mitten in einem Wohngebiet. Auf unserer Firmen-Website haben wir ein Bild veröffentlicht, auf dem man die Lage der Werkstatt gut erkennen kann. Die Szenenbildnerin hat das entdeckt und mich zunächst per Mail kontaktiert. Dann haben wir direkt einen Termin für die Besichtigung vereinbart.

Kam sie alleine oder ist gleich der halbe SWR angerückt?

Beim ersten Termin kam nur die Szenenbildnerin vorbei. Sie hat jede Menge Fotos gemacht und ihre Eindrücke aus der Werkstatt an den Regisseur weitergeleitet. Beim zweiten Termin waren neben ihr auch der Kameramann, der Regisseur und zwei Handwerker dabei, die am Filmset für den SWR arbeiten. Sie haben sich die Räumlichkeiten angeguckt und besprochen, welche Szene man wo und wie drehen könnte. Und die Crew kam tatsächlich auch noch ein drittes Mal vorbei, ehe sie sich schließlich für meine Werkstatt als Location für den Dreh entschieden haben.

Je nachdem, wie lange gedreht wird, bedeutet eine Filmproduktion ja auch längeren Stillstand in Ihrer Werkstatt. Haben Sie direkt zugesagt oder mussten Sie länger darüber nachdenken?

Am Anfang hieß es, dass wir wahrscheinlich noch ein Drittel des Tages arbeiten können. Das hat sich beim Dreh allerdings als anders herausgestellt. (lacht) Der SWR hatte mir vorab ein Angebot für eine Vergütung, also eine "Entschädigung", gemacht und ich habe überschlagen, ob sich das finanziell rechnet. Dann hab ich mir gedacht: Na ja, ich hab ja auch Lust darauf und habe zugesagt.

Julian Nagel
Schreinermeister Julian Nagel stellte seine Werkstatt für die Dreharbeiten zum Stuttgarter Tatort "Lass sie gehen" zur Verfügung. - © Privat

Mussten Sie Ihre Werkstatt vorab auf den Dreh vorbereiten? Also zum Beispiel Dinge umräumen?

In der Werkstatt selbst musste ich nichts vorbereiten. Es wurde auch fast nichts umgebaut. Der SWR war aber bei der Besichtigung auf meine Wohnung aufmerksam geworden. Ich wohne im selben Haus, in dem meine Werkstatt ist. Für den Flur und die Küche, in der dann auch gedreht wurde, hat mir der Sender im Vorfeld angeboten, das komplette Interieur selbst mitzubringen und anschließend meine Sachen so wieder hinzuräumen, wie sie vor dem Dreh standen. Das habe ich mit meiner damaligen Freundin diskutiert, aber wir haben uns gesagt: Ne, wir räumen selbst auf! Dann wissen wir wenigstens, was wohin geräumt wurde.

Wie haben Sie die Dreharbeiten erlebt, als es soweit war und die Filmcrew angerückt ist?

Wir waren die ganze Zeit am Set dabei und ich hatte sogar eine kleine Statistenrolle im Hintergrund des Films. Allerdings muss mein schauspielerisches Talent so schlecht gewesen sein, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass ich tatsächlich im Tatort zu sehen bin! (lacht) Bisher habe ich den Film aber noch nicht gesehen und bin deshalb sehr gespannt auf die TV-Premiere am 17. November.

Waren die beiden Tatort-Kommissare beim Dreh auch vor Ort?

Richy Müller nicht, aber Felix Klare. Im Film führt er in seiner Rolle als Kommissar in der Werkstatt Befragungen durch. Er ist einfach in die Werkstatt gekommen und hat zu mir gesagt: "Hallo, ich bin der Felix!". In den Drehpausen haben wir uns total nett unterhalten, er hat mir zum Beispiel erzählt, dass er in München mal eine Schreinerausbildung angefangen hat (die DHZ hat ihn im Jahr 2018 dazu interviewt, Anm. d. Red.). Er hat dann aber gemerkt, dass das nicht sein Fall ist. Er ist zum Arbeitsamt gegangen und die haben ihm gesagt, er solle doch Schauspieler werden. Er hat sich aber zu Hause eine Werkstatt eingerichtet, in der er viel Handwerkliches macht. Und er wirkte auf mich auch sehr fachkundig, er hat zum Beispiel nach speziellem Holz und Ansprechpartnern für den Kauf gefragt.

Werkstatt 52 Karlsruhe Tatort
Ermittlungen in der "Werkstatt 52" von Julian Nagel. Kommissar Bootz (Felix Klare) im Gespräch mit dem Chef der Ermordeten (Gregor Knop) - © SWR

Mal angenommen, der SWR oder ein anderer Sender würde nächste Woche wieder anfragen, ob er bei Ihnen einen Krimi drehen darf: Würden Sie wieder zusagen oder war das eine einmalige Sache?

Ich war absolut begeistert von der Erfahrung. Es hat wirklich großen Spaß gemacht und war ein tolles Erlebnis für mich. Einen weiteren Dreh kann ich mir daher sehr gut vorstellen.

Sind Sie denn eigentlich selbst Tatort-Gucker oder zumindest Krimifan?

Krimifan bin ich auf jeden Fall, aber den Tatort schaue ich mittlerweile nicht mehr so oft. Wenn ich ehrlich bin, ist der momentan nicht mehr so mein Ding. Früher habe ich ihn regelmäßiger geschaut und fand ihn spannender. Aber vielleicht trägt der neue Tatort, der in meiner Werkstatt gedreht wurde, ja dazu bei, dass ich ihn wieder häufiger einschalte… (lacht)