Von Karin Birk
Sturköpfe unter sich
Angela Merkel hat sich gegen Frankreichs Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und ihren Finanzminister Wolfgang Schäuble durchgesetzt. Im Falle des Falles wird der internationale Währungsfonds Griechenland zur Seite springen, ergänzt durch bilaterale Hilfen der Euroländer. Ein Europäischer Währungsfonds ist damit vom Tisch. Die Entscheidung macht deutlich, dass es einen Riss gibt zwischen der Kanzlerin und ihrem Finanzminister - etwas, was lange so nicht zu beobachten war. In der Großen Koalition war die Achse Merkel und Steinbrück tragend.
Merkel und Schäuble hat das politische Schicksal im Kabinett zusammengeführt, aber nicht zusammengeschweißt. Man kennt sich, man achtet sich. Politik ist für beide ein nüchternes Geschäft, in dem es um Interessenausgleich geht, um das Gewinnen von Mehrheiten, nicht um persönliche Vorlieben. In diesem Politikverständnis sind sich die beiden so unterschiedlich sozialisierten Führungspersönlichkeiten der CDU gleich. Die Ostdeutsche hat in der aktuellen Entscheidung den deutschen Steuerzahler und damit vor allem ihr Ansehen in der Öffentlichkeit im Blick gehabt, die europäische Solidarität war für sie, die sonst so begeisterte Europapolitikerin nachrangig. Der etwas ältere Schäuble steht dagegen ganz in der Tradition Kohls. Der gebürtige Badener hat Deutschland als großen Gewinner der europäischen Integration erlebt. Seiner Ansicht nach muss Europa seine Probleme selbst lösen, ohne Hilfe des Internationalen Währungsfonds und ohne den damit verbundenen Einfluss Amerikas. Deswegen warb der Finanzminister für den Aufbau eines Europäischen Währungsfonds. Merkel stützte vorerst seinen Vorschlag, sorgte aber in Brüssel dafür, dass im Falle Griechenlands ein anderes Zeichen gesetzt wird.
Die Zusammenarbeit von Merkel und Schäuble ist schon früher Belastungen ausgesetzt worden. So gab es eine Zeit, in der Schäuble der Chef war und Merkel die dienende Funktion ausübte. Nach Kohls Abwahl wurde der Kronprinz Parteivorsitzender, Merkel seine Generalsekretärin. Dann aber zwang die CDU-Parteispendenaffäre Schäuble zum Rücktritt. Merkel nutzte die Gelegenheit, um in der Partei nach ganz oben aufzusteigen. Später galt Schäuble kurz als heißer Kandidat für das höchste Amt im Staat, doch Merkel sprach sich für den öffentlich weitgehend unbekannten IWF-Chef Horst Köhler aus. Nach der jüngsten Bundestagswahl entschied sich die Kanzlerin für Schäuble als Bundesfinanzminister. Der damalige Innenminister versprach ihr, loyal zu sein, warnte sie zugleich, dass er stur sein könne. Merkel hat das akzeptiert. Dass sie dagegenhalten kann, hat sie jüngst bewiesen.