Sitzaktionen vor chinesischen Repräsentanzen Stummer Protest gegen Verhaftung Ai Weiweis

Mit symbolischen Sitzaktionen vor chinesischen Repräsentanzen haben am Sonntag mehrere hundert Menschen in deutschen Städten für die Freilassung des regimekritischen Künstlers Ai Weiwei demonstriert. So setzten sich die Teilnehmer unter anderem in Berlin, Hamburg, Frankfurt und München auf mitgebrachte Stühle, um ihren Protest kundzutun.

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Stummer Protest gegen Verhaftung Ai Weiweis

Berlin (dapd). Mit symbolischen Sitzaktionen vor chinesischen Repräsentanzen haben am Sonntag mehrere hundert Menschen in deutschen Städten für die Freilassung des regimekritischen Künstlers Ai Weiwei demonstriert. So setzten sich die Teilnehmer unter anderem in Berlin, Hamburg, Frankfurt und München auf mitgebrachte Stühle, um ihren Protest kundzutun. Unter dem Motto "1.001 Stühle für Ai Weiwei" war auf der Internetplattform Facebook weltweit zu Solidaritätsaktionen aufgerufen worden.

Der Künstler und Regierungskritiker war am 3. April am Pekinger Flughafen festgenommen worden und ist seitdem verschwunden. Zahlreiche Politiker weltweit haben seine Freilassung gefordert.

Die Idee für die Kunstaktion geht auf Ai Weiweis Arbeit "Fairytale" ("Märchen") für die documenta 12 in Kassel zurück. Im Sommer 2007 hatte der Künstler 1.001 Chinesen aus verschiedenen Regionen seines Landes nach Kassel eingeladen. Zudem holte er ebenso viele Stühle aus seiner Heimat nach Nordhessen. Während sich die Gäste aus China unter die Bevölkerung und das internationale Kunstpublikum mischten, markierten die 1.001 Holzstühle aus der Qing-Dynastie das Werk in der Ausstellung.

In Berlin kamen rund 150 Menschen vor die chinesische Botschaft. Manche von ihnen hielten Zettel in der Hand, auf denen ein Foto des Künstlers abgebildet war. Darunter stand "Missing" - ein Hinweis darauf, dass Ai Weiwei seit rund zwei Wochen verschwunden ist. Bereits am Samstag hatten in Berlin Menschenrechtsaktivisten von Amnesty International eine Mahnwache für den Künstler und Regimekritiker am Brandenburger Tor abgehalten.

In München nahmen rund 80 Menschen an dem zweistündigen Protest teil, in Hamburg wurden 30 Menschen vor dem Generalkonsulat der Volksrepublik China gezählt, in Frankfurt 20.

Bundesregierung weiter in Sorge

Derweil wies eine Regierungssprecherin einen "Spiegel"-Bericht zurück, nach dem Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wegen der Inhaftierung Ais Chinas Führung am vergangenen Wochenende eine persönliche Botschaft übermittelt haben soll. Darin habe die Kanzlerin ihre Sorge über das Schicksal des Künstlers ausgedrückt und sich für dessen Freilassung eingesetzt, hieß es. Die Sprecherin sagte: "Die Haltung der Bundeskanzlerin zur Inhaftierung von Ai Weiwei ist klar und bekannt, aber in sonstiger Hinsicht ist der Bericht des 'Spiegel' unzutreffend."

Am 6. April hatte ein Regierungssprecher gesagt, die ganze Bundesregierung sei in großer Sorge darüber, dass die Festsetzung Ais andauere. Der Außenminister habe noch einmal die Erwartung formuliert, dass der Künstler umgehend wieder freikomme und dass es eine Aufklärung der Vorkommnisse gebe. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts hatte hinzugefügt: "Wir werden unsere Haltung auch in Peking auf diplomatischem Wege der chinesischen Regierung nahebringen."

Lehmann gegen Abbruch der China-Ausstellung

Derweil sprach sich der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, gegen die Schließung der von Deutschland maßgeblich finanzierten Ausstellung "Die Kunst der Aufklärung" in Peking aus. Er halte auch nichts von Kulturboykott im Umgang mit Diktaturen, sagte er dem Deutschlandfunk. Mehrere Politiker und Kulturschaffende hatten den Ausstellungsmachern aus Berlin, Dresden und München nach der Verhaftung Ais vorgeworfen, mit dem Pekinger Regime in unangemessener Weise zu kooperieren.

dapd